Wer mit Coaching beginnt, macht fast immer dieselben Fehler. Das ist normal, denn Coaching verlangt etwas, das im Alltag selten gefragt ist: zuhören, ohne sofort zu lösen. Fachpersonen aus Fitness und Ernährung fällt das oft besonders schwer, weil sie viel wissen und dieses Wissen gerne weitergeben.
Dieser Beitrag zeigt sieben typische Fehler bei den Grundlagen im Coaching, woran du sie erkennst und wie du sie vermeidest. Dazu kommt ein Blick in die Forschung, die einige dieser Fehler indirekt bestätigt, und eine Checkliste für deinen nächsten Termin.
Geschrieben ist der Beitrag von Birol Isik, Gründer der SNF Academy, die seit 2005 ausbildet. Gemeinsam mit Daniela Isik, Dozentin der SNF Academy, hat er in Coaching, Beratungen, Kursen und Ausbildungen über 10’000 Menschen begleitet. Die Basis zum Thema erklärt der Beitrag Grundlagen Coaching: Was dahintersteckt und wie es funktioniert, den Gesamtüberblick bietet der Hub Grundlagen Coaching im Überblick.
Kurzantwort: Welche Fehler sind am häufigsten?
Die folgende Tabelle fasst die sieben Fehler zusammen, die in diesem Beitrag erklärt werden:
| Fehler | Woran du ihn erkennst | Besser so |
|---|---|---|
| Zu viele Ratschläge | Du sprichst mehr als die gecoachte Person | Zuerst fragen, dann gezielt empfehlen |
| Zu grosse Ziele | Das Ziel klingt gut, aber niemand weiss den ersten Schritt | Wochenziele und kleinste Schritte |
| Keine Auswertung | Termine laufen ohne Rückblick weiter | Fester Rückblick am Anfang jedes Termins |
| Übertriebene Versprechen | Du nennst Ergebnisse, die du nicht beeinflussen kannst | Prozess versprechen, nicht Resultate |
| Fehlende Grenzen | Du berätst zu Themen ausserhalb deiner Qualifikation | Grenzen früh klären und weiterverweisen |
| Kein klarer Rahmen | Dauer, Rhythmus und Ziel sind offen | Vereinbarung im Erstgespräch |
| Alles allein lösen | Du coachst ohne Austausch und Weiterbildung | Reflexion, Austausch, laufende Weiterbildung |
Die folgenden Abschnitte gehen die Fehler der Reihe nach durch.
Warum ist der Ratschlag der erste Fehler?
Wer sich in Fitness oder Ernährung auskennt, hat auf fast jede Frage eine Antwort. Genau das ist im Coaching die Falle. Ein Ratschlag, den die Person nicht selbst entwickelt hat, wird selten umgesetzt. Sie nickt, geht nach Hause und macht weiter wie bisher.
Erkennen kannst du den Fehler an deinem Redeanteil: Spricht vor allem der Coach, ist es Beratung oder ein Vortrag, aber kein Coaching. Die Gegenmassnahme ist einfach und anspruchsvoll zugleich. Stelle vor jedem Rat eine Frage: Was hast du bisher versucht? Was hat davon funktioniert? Was wäre dein nächster Schritt? Erst wenn die Person keine Idee hat, bringst du dein Fachwissen ein, und zwar als Angebot, nicht als Anweisung.
Du willst mental stärker werden und Veränderungen konsequent umsetzen?
Warum scheitern grosse Ziele?
«Ich will zehn Kilo abnehmen» oder «Ich will endlich fit werden» sind verständliche Wünsche, aber keine Pläne. Das Ziel ist zu weit weg, der erste Schritt bleibt unklar, und beim ersten Rückschlag wirkt alles sinnlos.
Zerlege das Ziel in Wochenschritte. Formuliere sie so, dass am Ende der Woche klar ist, ob sie gelungen sind: «Ich gehe zweimal 20 Minuten spazieren» statt «Ich bewege mich mehr». Plane ausserdem für Rückschläge: Was machst du, wenn eine Woche ausfällt? Ein Coach, der Rückschläge einplant, nimmt ihnen die Macht.
Wie wichtig ist die Auswertung?
Ohne Rückblick wird Coaching zum Gespräch ohne Lerneffekt. Ein fester Rückblick am Anfang jedes Termins kostet fünf Minuten und verändert viel. Die Person berichtet, was gelungen ist, was nicht und warum. Ihr leitet daraus den nächsten Schritt ab.
Besonders wichtig ist die Auswertung am Ende. Eine Übersicht zur Langzeitwirkung von Gesundheitscoaching fand bei 14 ausgewerteten Studien mit mindestens 24 Wochen Nachbeobachtung nur in je drei Studien aus Rehabilitation und Prävention eine signifikante Wirkung. Die Autorinnen und Autoren empfehlen, die Nachhaltigkeit schon bei der Planung mitzudenken und Zielgruppe und Umfeld einzubeziehen (Quelle 1). Für die Praxis heisst das: Plane den Abschluss von Beginn an und vereinbare, wie die Person ohne dich weitermacht.
Was sagt die Forschung zu übertriebenen Versprechen?
Viele Anbieter versprechen Abnehmerfolge, Heilung oder grundlegende Veränderung. Die Datenlage rechtfertigt das nicht. Eine Metaanalyse zu Gesundheitscoaching bei Gewichtsabnahme sichtete 653 Studien und wertete 38 aus. Die Qualität der Evidenz war sehr niedrig, das Verzerrungsrisiko hoch, der Vorteil gegenüber der üblichen Betreuung unbedeutend klein, und in den besten Studien zeigte sich kein Effekt auf das Gewicht. Zudem gab es Hinweise auf Publikationsverzerrung (Quelle 2).
Das heisst nicht, dass Coaching nutzlos ist. Es heisst, dass wir ehrlich über das sprechen sollten, was Coaching leistet. Eine Metaanalyse bei Menschen mittleren Alters fand einen kleinen, aber signifikanten Effekt auf körperliche Aktivität (SMD 0,34), bei depressiven Symptomen und wahrgenommenen Hindernissen jedoch keinen (Quelle 3). Wer Prozess und Begleitung verspricht und Ergebnisse nicht garantiert, bleibt glaubwürdig und rechtlich sicherer.
Wo liegen die Grenzen deiner Rolle?
Coaches stellen keine Diagnosen, behandeln keine Krankheiten und ersetzen keine ärztliche Betreuung. Im Fitness- und Ernährungsbereich werden Coaches aber häufig mit gesundheitlichen Fragen konfrontiert, etwa zu Schmerzen, Medikamenten oder Essstörungen. Der Fehler besteht darin, solche Fragen aus Hilfsbereitschaft zu beantworten.
Kläre deine Grenzen im Erstgespräch und halte sie schriftlich fest. Weise bei Hinweisen auf Erkrankungen freundlich auf die ärztliche Abklärung hin und arbeite anschliessend im eigenen Kompetenzbereich weiter. Das schützt die gecoachte Person und dich.
Welche Rolle spielt der klare Rahmen?
Ein Coaching ohne Rahmen verliert sich. Wenn Dauer, Rhythmus, Ziel und Erwartungen offen bleiben, entstehen Missverständnisse, und beide Seiten wissen nach vier Terminen nicht mehr, wofür sie sich treffen.
Halte im Erstgespräch fest: Was ist das Ziel? Wie viele Termine sind vorgesehen? Wie läuft jeder Termin ab? Was erwartest du von der Person zwischen den Terminen? Was darf sie von dir erwarten? Diese Vereinbarung ist kein Papierkram, sondern die Grundlage für Vertrauen. Eine Untersuchung zu Verhaltensänderungstechniken im Gesundheitscoaching bei Typ-2-Diabetes (20 randomisierte Studien, 3222 Teilnehmende) beschreibt, dass Gesundheitscoaching bisher uneinheitlich eingesetzt wurde und gemischte Ergebnisse brachte. Im Schnitt kamen 4,5 Techniken pro Studie zum Einsatz, insgesamt wurden 23 verschiedene Techniken identifiziert (Quelle 4). Auch hier gilt: Ein klarer, nachvollziehbarer Aufbau ist die Voraussetzung dafür, dass du später beurteilen kannst, was wirkt.
Warum reicht Bauchgefühl nicht aus?
Der letzte Fehler ist der grundlegendste: Coaching ohne Ausbildung. Eine systematische Übersicht zu den Kompetenzen von Fachpersonen im Gesundheitscoaching identifizierte neun Schlüsselkompetenzen, die mit erfolgreichen Ergebnissen verbunden waren. Die Autorinnen und Autoren halten fest, dass ein spezifisches, evidenzbasiertes Kompetenzmodell für Gesundheitscoaches fehlt und dass dies die Qualität und die Ergebnisse beeinträchtigen kann (Quelle 5).
Eine weitere Übersicht zu Coaching für Bewegung am Arbeitsplatz fand 14 Studien mit 17 Interventionen. In allen 17 verbesserte sich mindestens ein Aktivitätswert, in zwölf davon signifikant. Methoden, Techniken und Kanäle unterschieden sich aber stark, und das Verzerrungsrisiko lag im moderaten bis hohen Bereich (Quelle 6). Die Vielfalt zeigt, dass Coaching gestaltet werden muss. Wer die Werkzeuge kennt, kann sie auf die Person abstimmen, statt zu raten.
Wie vermeidest du diese Fehler mit einer Checkliste?
Nutze vor jedem Termin diese Fragen:
- Habe ich einen klaren Rahmen mit Ziel, Dauer und Rhythmus vereinbart?
- Beginne ich mit dem Rückblick auf die letzte Woche?
- Frage ich, bevor ich erkläre, und lasse ich Pausen zu?
- Ist der nächste Schritt so klein, dass er in dieser Woche gelingen kann?
- Habe ich nur Prozesse und keine Ergebnisse versprochen?
- Weiss ich, wo meine fachlichen Grenzen liegen und wann ich weiterverweise?
- Plane ich den Abschluss, damit die Person ohne mich weitermachen kann?
Wenn du fünf der sieben Fragen mit Ja beantwortest, bist du auf einem guten Weg. Für die übrigen lohnt sich gezieltes Training, am besten in einem Umfeld, in dem du Rückmeldung bekommst.
Wie baust du die fehlenden Kompetenzen auf?
Gesprächsführung, Fachwissen und Struktur lassen sich lernen. Die Fitness-Ausbildung der SNF Academy verbindet Personal Trainer und Ernährungscoach und führt zu den Abschlüssen «dipl. Personal Trainer SNFA» und «dipl. Ernährungscoach SNFA». Du lernst 100 % online, hast 365 Tage Zugang pro Baustein und kannst in deinem Tempo arbeiten. Wer zuerst bei der Ernährung ansetzen möchte, kann mit der Ernährungscoach-Ausbildung starten.
Die Personal-Trainer-Ausbildung ist durch QualiCert geprüft und anerkannt. Absolventinnen und Absolventen verfügen über vertieftes Wissen und können Kunden im Fitnessstudio, im Outdoor-Training oder in Sportvereinen professionell beraten und betreuen. Wir empfehlen unseren Teilnehmenden, erste praktische Erfahrungen im Fitnessstudio zu sammeln und sich laufend weiterzuentwickeln. Nach der Ausbildung kannst du dich durch QualiCert zertifizieren lassen. Bei Fragen nimm unverbindlich Kontakt mit unseren Expertinnen und Experten auf.
Für den Schritt in die Selbstständigkeit gibt es die Business Masterclass von Birol Isik. Viele Teilnehmende machen sie nach der Ausbildung und nutzen danach das individuelle Coaching mit Birol Isik zu Selbstständigkeit, Kundengewinnung und Markenaufbau. Birol Isik begleitet dich auf diesem Weg. Weitere Bausteine der SNF Academy sind Content Creation, Branding, Kommunikation und der Aufbau eines eigenen Online-Kurses. Antworten auf typische Anfängerfragen gibt die Seite Coaching: Fragen und Antworten, und für den Business-Teil lohnt sich ein Blick auf Business-Coaching bei Birol Isik. Praxisnahe Berufsbilder beschreiben die Beiträge Im Fitnessstudio arbeiten als Personal Trainer: Grundlagen, Im Fitnessstudio arbeiten als Ernährungscoach: Grundlagen und Bewegungs- und Gesundheitsmanagement: Grundlagen erklärt.
Wer steht hinter der SNF Academy?
Persönliche Einblicke zu Birol Isik, dem Gründer der SNF Academy, findest du auf www.birolisik.ch, zu Daniela Isik, Dozentin der SNF Academy, auf www.danielaisik.ch. Für Sichtbarkeit, Positionierung und Kundengewinnung steht www.onspire.ch bereit. Die Lernplattform der SNF Academy erreichst du unter www.snfa-campus.ch. Dort lernst du in deinem Tempo, mit Videos, Skripten, Checklisten und Quizzen, jederzeit und von überall.
Dein nächster Schritt
Wähle aus der Checkliste den Punkt, der dir am schwersten fällt, und übe ihn in den nächsten zwei Wochen bewusst. Notiere nach jedem Gespräch, was gelungen ist. Wenn du daraus einen Beruf machen möchtest, hilft ein klarer Plan. Im Strategiegespräch zur Ausbildung klären Daniela Isik und Birol Isik mit dir Ziel, Zeitplan und passenden Weg. Das Gespräch ist unverbindlich.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zu unseren Ausbildungen findest du jeweils auf der verlinkten Seite.
Dein nächster Schritt: Mindset Coaching bei Birol Isik oder beide Ausbildungen im Kombi Paket.
Redaktionell und fachlich geprüft von Daniela Isik (Co-Leiterin und Dozentin) und dem Team der SNF Academy. Die belegenden Studien aus PubMed und weiteren Quellen stehen im Abschnitt Quellen.















