Die Schweizer Bewegungsmangel Studie 2026 hat 1'873 Personen zwischen 20 und 35 Jahren aus allen 26 Kantonen der Schweiz zu ihrem Bewegungsverhalten befragt. 70,8 % arbeiten oder lernen überwiegend sitzend, 64,8 % nennen Zeitmangel als Bewegungsbarriere, und 65,8 % erreichen die empfohlenen Bewegungsrichtlinien nur selten oder gar nicht. Gleichzeitig zeigen 69,3 % Interesse an professioneller Begleitung durch einen Personal Trainer oder Gesundheitscoach. Mehrfachnennungen waren möglich. Wissenschaftliche Leitung: Birol Isik. Datenerhebung und Konzeption: Daniela Isik, SNF Academy.
Studie im Überblick
Die Schweizer Bewegungsmangel Studie 2026 untersucht das Bewegungsverhalten junger Erwachsener im Alltag sowie deren persönliche Einschätzung zu körperlicher Aktivität, Sitzverhalten und regelmässiger Bewegung. Im Zentrum steht dabei nicht die Frage, ob Menschen sich mehr bewegen möchten, sondern welche konkreten Hindernisse dazu führen, dass dieser Wunsch im Alltag so häufig unerfüllt bleibt.
Insgesamt wurden 1'873 Personen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren aus allen 26 Schweizer Kantonen befragt. Nur 36,9 % gaben an, sich im Alltag ausreichend zu bewegen und regelmässig körperlich aktiv zu sein – die deutliche Mehrheit von 63,1 % erklärte, sich im Alltag eher zu wenig zu bewegen.
Die fünf zentralen Bewegungsbarrieren – sitzende Tätigkeit, verfehlte Bewegungsempfehlungen, Zeitmangel, fehlende Motivation und Rückenbeschwerden – stehen dabei selten isoliert nebeneinander. Die Auswertung zeigt, dass viele Befragte gleichzeitig mehrere Barrieren nannten, etwa sitzende Tätigkeit kombiniert mit Zeitmangel, oder Bewegungsmangel kombiniert mit Rückenbeschwerden. Wer verstehen will, warum der Wunsch nach mehr Bewegung so häufig unerfüllt bleibt, muss deshalb das Zusammenspiel dieser Barrieren betrachten – nicht eine einzelne Ursache isoliert.
Genau an dieser Schnittstelle setzt die Studie an: Sie beschreibt nicht nur, dass sich junge Erwachsene zu wenig bewegen, sondern liefert differenzierte Hinweise darauf, an welcher Stelle im Alltag die Weichen falsch gestellt werden – beim Arbeitsplatz, bei der Zeitplanung, bei der Motivation oder bei der fehlenden professionellen Begleitung.
Für Arbeitgeber, Fachpersonen und die Betroffenen selbst hat diese Erkenntnis eine praktische Konsequenz: Kampagnen, die lediglich an den Willen appellieren – etwa Plakate mit «Nimm die Treppe statt den Lift» –, greifen zu kurz, wenn gleichzeitig der Arbeitsplatz, die verfügbare Zeit und die fehlende Begleitung unverändert bleiben. Bewegungsmangel ist damit weniger eine Frage der persönlichen Einstellung als eine Frage der strukturellen Rahmenbedingungen, unter denen der Alltag organisiert ist.
Methodik und Stichprobe
Die wissenschaftliche Leitung der Schweizer Bewegungsmangel Studie 2026 lag bei Birol Isik. Daniela Isik verantwortete die Datenerhebung und Konzeption. Die Datenerhebung erfolgte kontinuierlich zwischen Januar 2016 und Juni 2026, wobei Menschen aus allen Schweizer Kantonen zu ihrem Bewegungsverhalten im Alltag befragt wurden.
- Teilnehmende
- 1'873 Personen
- Geschlechterverteilung
- 971 Männer (51,8 %) · 902 Frauen (48,2 %)
- Altersgruppe
- 20 bis 35 Jahre
- Erhebungszeitraum
- Januar 2016 bis Juni 2026, kontinuierlich
- Region
- Alle 26 Kantone der Schweiz
- Wissenschaftliche Leitung
- Birol Isik
- Datenerhebung & Konzeption
- Daniela Isik
Warum diese Altersgruppe
Die Altersgruppe 20 bis 35 Jahre wurde gewählt, weil in diese Lebensphase der Übergang von schulisch oder sportlich geprägter Bewegung hin zu einem oft sitzend organisierten Berufsalltag fällt. Genau in dieser Phase verändert sich das Bewegungsverhalten am stärksten – weg von obligatorischem Schulsport, hin zu einer Alltagsstruktur, in der Bewegung nur noch dann stattfindet, wenn sie aktiv eingeplant wird.
Gleichzeitig ist diese Gruppe für die Prävention besonders relevant, weil sich in dieser Lebensphase Bewegungsgewohnheiten festigen, die über Jahrzehnte Bestand haben können. Wer die Bewegungsbarrieren in genau dieser Alterskohorte versteht, versteht damit auch, an welcher Stelle präventive Unterstützung den grössten langfristigen Nutzen entfalten kann.
Methodenmix
Die Daten wurden nicht über einen anonymen Online-Fragebogen gesammelt, sondern vor Ort im Rahmen von Seminaren, Workshops, Coachings und Ausbildungstagen anhand standardisierter Fragebögen erhoben, die Birol Isik und Daniela Isik über zehn Jahre hinweg in der ganzen Schweiz durchgeführt haben. Grundlage war eine standardisierte, schriftliche Befragung mit der Möglichkeit zu Mehrfachnennungen, ergänzt durch persönliche Gespräche im Anschluss an die jeweiligen Veranstaltungen.
Dieser Zugang hat einen entscheidenden Vorteil: Die Teilnehmenden berichteten unmittelbar im Gespräch mit Fachpersonen von ihrem tatsächlichen Bewegungsverhalten, statt einen anonymen Fragebogen auszufüllen. Das erlaubte es, Selbsteinschätzungen einzuordnen und typische Barrieren direkt zu erkennen. Gleichzeitig handelt es sich damit um eine praxisnahe Stichprobe aus Seminar-, Ausbildungs- und Coaching-Kontexten und nicht um eine repräsentative Zufallsstichprobe der gesamten Schweizer Bevölkerung.
Die Erhebungssituationen selbst waren dabei bewusst unterschiedlich: In Firmenseminaren wurden vor allem Angestellte und Führungskräfte mit überwiegend sitzenden Tätigkeiten befragt, an Ausbildungstagen der SNF Academy vor allem Personen, die sich beruflich mit Bewegung und Gesundheit auseinandersetzen wollten, und in Einzel-Coachings Personen mit konkreten Rücken- oder Bewegungsbeschwerden. Diese Mischung unterschiedlicher Kontexte über zehn Jahre hinweg sollte einseitige Verzerrungen durch eine einzelne Veranstaltungsart abfedern.
Hinweis zur Stichprobe: Da die Daten im Rahmen von Vorträgen, Ausbildungstagen und Coachings gesammelt wurden, sind Personen mit einem gewissen Grundinteresse an Bewegung, Gesundheit oder persönlicher Weiterentwicklung tendenziell leicht überrepräsentiert. Die Kernaussagen zu den zentralen Bewegungsbarrieren wurden dennoch konsistent über alle 26 Kantone und den gesamten Erhebungszeitraum hinweg bestätigt.
Geografische Verteilung über alle 26 Kantone
Weil Seminare, Firmenschulungen und Ausbildungstage über die gesamte Schweiz verteilt stattfanden – von der Deutschschweiz über die Romandie bis ins Tessin –, konnten Teilnehmende aus allen 26 Kantonen in die Studie einbezogen werden. Das ist insofern relevant, als sich Arbeitswege, Bürokultur und Freizeitangebote zwischen städtischen Zentren und ländlichen Regionen unterscheiden können. Die breite geografische Streuung erlaubt es, die identifizierten Bewegungsbarrieren nicht nur als städtisches oder ländliches Phänomen, sondern als schweizweit wiederkehrendes Muster einzuordnen.
Grenzen der Studie
Die Studie erhebt keinen Anspruch auf Repräsentativität für die gesamte Schweizer Bevölkerung. Die Ergebnisse müssen entsprechend transparent eingeordnet werden. Die Angaben beruhen auf der Selbsteinschätzung der Befragten und zeigen, wie diese ihr eigenes Bewegungsverhalten wahrgenommen haben – sie basieren nicht auf objektiven Messungen wie Schrittzählern oder Fitnesstrackern. Durch den langen Erhebungszeitraum von 2016 bis 2026 können sich zudem Rahmenbedingungen verändert haben, etwa durch die Zunahme von Homeoffice oder veränderte Arbeitsmodelle. Da Mehrfachnennungen möglich waren, ergeben die Prozentwerte der einzelnen Bewegungsbarrieren zusammen nicht 100 Prozent.
Weil die Stichprobe über eigene Veranstaltungen und Coachings zustande kam, lässt sich zudem nicht ausschliessen, dass Personen mit einem bereits höheren Grundinteresse an Gesundheit und Bewegung überproportional den Weg in ein Seminar oder Coaching fanden. Für eine vollständig repräsentative Hochrechnung auf die gesamte Schweizer Bevölkerung wäre eine zusätzliche, zufällig gezogene Vergleichsstichprobe wünschenswert. Als Beschreibung wiederkehrender Bewegungsmuster liefert die Studie dennoch belastbare und über zehn Jahre konsistente Hinweise.
Ein weiterer methodischer Punkt betrifft die Selbsteinschätzung von «ausreichender» Bewegung: Was eine Person als ausreichend empfindet, hängt auch von individuellen Vergleichsmassstäben ab – wer im Freundeskreis überwiegend inaktive Menschen kennt, stuft das eigene Verhalten unter Umständen positiver ein, als es objektive Bewegungsrichtlinien nahelegen würden. Die konsistent hohen Werte bei sitzender Tätigkeit und Zeitmangel über alle Kantone und Erhebungsjahre hinweg relativieren dieses Risiko jedoch, da sie unabhängig von der subjektiven Einschätzung «ausreichender» Bewegung erhoben wurden.
Sitzende Tätigkeit und Zeitmangel
1'327 Personen (70,8 %) gaben an, täglich überwiegend sitzend zu arbeiten oder zu lernen – der grösste Teil des Tages wird am Computer, im Büro oder im Homeoffice verbracht. Eng damit verbunden: 1'214 Personen (64,8 %) nannten fehlende Zeit als einen der wichtigsten Gründe für mangelnde Bewegung, wobei Beruf, Studium, Familie und Alltagsverpflichtungen am häufigsten genannt wurden.
Der Bürostuhl als grösste Bewegungsbarriere
Dass mehr als sieben von zehn Befragten den grössten Teil ihres Tages sitzend verbringen, ist der mit Abstand grösste einzelne Befund der Studie. Diese sitzende Grundstruktur des Alltags erklärt zu einem erheblichen Teil, warum reine Motivationsappelle wie «beweg dich mehr» wenig bewirken: Das strukturelle Problem liegt nicht im fehlenden Willen, sondern in einem Tagesablauf, der Bewegung von vornherein kaum vorsieht.
Besonders deutlich wird das im Zusammenspiel mit Zeitmangel: Wer acht bis neun Stunden am Stück sitzend arbeitet, hat am Ende des Tages häufig weder Zeit noch Energie für zusätzliche Bewegung übrig. Die Kombination aus sitzender Tätigkeit und Zeitmangel gehört deshalb zu den am häufigsten gemeinsam genannten Bewegungsbarrieren der gesamten Studie.
Für die Praxis bedeutet das: Lösungen, die Bewegung als zusätzliche Aufgabe an einen bereits vollen Tag anhängen, greifen zu kurz. Wirksamer sind Ansätze, die Bewegung direkt in bestehende Tagesstrukturen integrieren – etwa kurze, gezielte Einheiten, die sich auch bei begrenzter Zeit realistisch umsetzen lassen. Wer lernen möchte, wie ein realistischer, alltagstauglicher Trainingsplan trotz sitzender Tätigkeit aufgebaut wird, findet in der Personal-Trainer-Ausbildung der SNF Academy eine strukturierte Grundlage dafür.
Warum Homeoffice die Barriere zusätzlich verschärft
Besonders aufschlussreich ist der Zusammenhang zwischen sitzender Tätigkeit und der wachsenden Verbreitung von Homeoffice. Wer ins Büro pendelt, legt zumindest einen Teil des Tages zu Fuss, mit dem Velo oder im Wechsel zwischen Verkehrsmitteln zurück – eine Form von beiläufiger Bewegung, die im Homeoffice grösstenteils entfällt. Ohne bewussten Ausgleich verschiebt sich der gesamte Tagesablauf noch stärker in Richtung Sitzen: vom Schreibtisch zur Kaffeeküche und zurück, ohne die im Büroalltag noch vorhandenen kurzen Wegstrecken.
Diese Entwicklung erklärt teilweise, warum sitzende Tätigkeit in der Studie über den Erhebungszeitraum hinweg tendenziell zugenommen hat: Mit der wachsenden Verbreitung flexibler Arbeitsmodelle ist die im Arbeitsalltag eingebaute Bewegung für viele Berufstätige spürbar zurückgegangen, ohne dass dafür bewusst ein Ausgleich geschaffen wurde.
Fehlende Motivation und Bewegungsempfehlungen
1'086 Personen (58,0 %) berichteten, dass ihnen die Motivation für regelmässige Bewegung häufig fehle. Passend dazu erreichten nur 641 Personen (34,2 %) die empfohlenen Bewegungsrichtlinien regelmässig – 1'232 Personen (65,8 %) gaben an, dieses Ziel nur selten oder gar nicht zu erreichen.
Ohne Struktur und Begleitung
- Bewegung bleibt ein vager Vorsatz ohne konkreten Plan
- Motivation hängt von der Tagesform ab
- Bewegungsempfehlungen werden selten erreicht
- Rückschläge werden nicht besprochen oder eingeordnet
- Sitzende Tätigkeit bleibt unhinterfragter Normalzustand
Mit Struktur und Begleitung
- Bewegung ist in feste, realistische Zeitfenster eingeplant
- Fortschritte werden sichtbar und motivieren zusätzlich
- Bewegungsempfehlungen werden regelmässig erreicht
- Eine Ansprechperson hilft bei Rückschlägen weiter
- Sitzende Zeit wird aktiv durch Bewegungsphasen unterbrochen
Warum Motivation allein nicht ausreicht
Die Studie zeigt ein Muster, das sich bereits in anderen SNFA-Untersuchungen zu Trainingsabbrüchen bestätigt hat: Fehlende Motivation ist selten eine feste Charaktereigenschaft, sondern meist eine Folge fehlender Struktur. Wer keinen konkreten, realistischen Plan hat, wann und wie Bewegung stattfinden soll, erlebt jeden Tag aufs Neue die Entscheidung «heute oder nicht» – eine Entscheidung, die bei vollem Terminkalender fast zwangsläufig zugunsten der sitzenden Routine ausfällt.
Bezeichnend ist zudem, dass Zeitmangel und fehlende Trainingsplanung in der Auswertung besonders häufig gemeinsam auftraten. Wer nicht weiss, wie sich Bewegung realistisch in einen vollen Alltag integrieren lässt, überschätzt den nötigen Zeitaufwand häufig deutlich – und lässt Bewegung dann komplett ausfallen, statt kleinere, realistische Einheiten umzusetzen.
In den ergänzenden Gesprächen beschrieben mehrere Teilnehmende ein ähnliches Muster: Ein guter Vorsatz zu Jahresbeginn oder nach einem Arztbesuch führt zu einigen Wochen intensiver Aktivität, die jedoch mangels Struktur und Fortschrittskontrolle bald wieder abbricht. Ohne eine Person, die Fortschritte sichtbar macht und bei Durchhängern nachfragt, bleibt Motivation ein fragiles, leicht störbares Konstrukt – unabhängig davon, wie ernst der ursprüngliche Vorsatz gemeint war.
Rückenschmerzen als Folge von Bewegungsmangel
817 Personen (43,6 %) gaben an, regelmässig unter Rücken-, Schulter- oder Nackenbeschwerden zu leiden, die sie selbst mit langem Sitzen oder Bewegungsmangel in Verbindung bringen. Dem gegenüber stehen nur 36,9 %, die sich nach eigener Einschätzung ausreichend bewegen.
Ein Kreislauf aus Schmerz und Bewegungsvermeidung
Rücken-, Schulter- und Nackenbeschwerden stehen in einem doppelten Zusammenhang mit Bewegungsmangel: Sie sind einerseits eine häufige Folge von langem Sitzen ohne ausgleichende Bewegung, andererseits werden Schmerzen von vielen Betroffenen als zusätzlicher Grund genannt, sich noch weniger zu bewegen – aus Sorge, die Beschwerden durch Aktivität zu verschlimmern. So entsteht ein Kreislauf, der sich ohne gezielte Unterbrechung selbst verstärkt.
Genau hier zeigt sich, warum die in der Studie beschriebene Kombination aus Bewegungsmangel und Rückenbeschwerden so bedeutsam ist: Gezielte, fachlich angeleitete Bewegung wirkt in den meisten Fällen nicht verschlimmernd, sondern lindernd – vorausgesetzt, sie ist auf die individuelle Situation abgestimmt. Genau diese individuelle Abstimmung fehlt jedoch häufig, wenn Betroffene ohne fachliche Begleitung selbstständig herausfinden müssen, welche Bewegung ihnen guttut.
Viele Befragte berichteten in den Gesprächen, dass sie aus Unsicherheit lieber gar keine Bewegung wählten als das Risiko einzugehen, mit der «falschen» Übung ihre Beschwerden zu verschlimmern. Diese vorsichtige Zurückhaltung ist nachvollziehbar, verstärkt jedoch häufig genau das Problem, das sie eigentlich vermeiden soll: Ohne jede Bewegung verschlechtert sich die muskuläre Stabilität rund um Wirbelsäule und Schultergürtel weiter, was wiederum das Risiko für neue oder stärkere Beschwerden erhöht. Eine fachlich begleitete, schrittweise Herangehensweise durchbricht diesen Kreislauf gezielter als vollständige Bewegungsvermeidung.
Warum Bewegungsmangel kein Motivationsproblem ist
Die zentrale Forschungsfrage der Studie lautet: Warum bewegen sich junge Erwachsene in der Schweiz zu wenig, obwohl der Wunsch nach mehr Aktivität grundsätzlich vorhanden ist? Die Auswertung zeigt, dass Bewegungsmangel selten auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen ist. Besonders häufig treten folgende Kombinationen gemeinsam auf: sitzende Tätigkeit und Zeitmangel, Bewegungsmangel und fehlende Motivation, Bewegungsmangel und Rückenbeschwerden, Zeitmangel und fehlende Trainingsplanung sowie sitzende Tätigkeit und der Wunsch nach professioneller Unterstützung.
Die zentrale Erkenntnis lautet deshalb: Die grösste Hürde für mehr Bewegung ist nicht mangelndes Interesse, sondern die Kombination aus sitzender Tätigkeit, Zeitmangel, fehlender Motivation und dem Wunsch nach individueller Unterstützung. Sitzende Tätigkeit kann Zeitmangel verstärken, Zeitmangel kann fehlende Trainingsplanung begünstigen, und ausbleibende Bewegung kann wiederum Rückenbeschwerden auslösen, die Bewegung zusätzlich erschweren. Die Barrieren bilden damit ein zusammenhängendes System statt fünf getrennter Ursachen.
Dieses systemische Verständnis verändert auch die Verantwortungsfrage. Statt Bewegungsmangel als individuelles Versagen an Disziplin zu deuten, rückt die Studie die strukturellen Rahmenbedingungen des Alltags in den Vordergrund: Wie ist der Arbeitsplatz gestaltet? Wie realistisch ist die zur Verfügung stehende Zeit für Bewegung eingeplant? Und gibt es eine Person, die bei der Integration von Bewegung in den Alltag unterstützt? Wo diese Fragen unbeantwortet bleiben, bleibt auch bei hohem Interesse die tatsächliche Bewegung häufig aus.
Diese Unterscheidung zwischen Interesse und Umsetzung erklärt auch, warum klassische Aufklärungskampagnen zu Bewegung oft wenig bewirken: Sie richten sich an eine Zielgruppe, deren Wissen um die Vorteile von Bewegung bereits vorhanden ist, und übersehen dabei die eigentliche Hürde – die fehlende Struktur, um dieses Wissen im Alltag umzusetzen. Wirksame Massnahmen setzen deshalb nicht bei der Information an, sondern bei der konkreten Integration in bestehende Tagesabläufe.
Die häufigsten Kombinationsmuster
Besonders aufschlussreich für die Praxis sind die Kombinationen, die in den Antworten immer wieder gemeinsam auftraten. Sie zeigen, an welchen Schnittstellen im Alltag das Risiko für dauerhaften Bewegungsmangel besonders hoch ist:
- Sitzende Tätigkeit und Zeitmangel: Lange Arbeitstage im Sitzen lassen kaum Raum und Energie für zusätzliche Bewegung.
- Bewegungsmangel und fehlende Motivation: Ohne sichtbare Fortschritte oder klare Struktur verliert sich der anfängliche Vorsatz im Alltag.
- Bewegungsmangel und Rückenbeschwerden: Schmerzen entstehen durch fehlende Bewegung und führen gleichzeitig zu noch weniger Aktivität.
- Zeitmangel und fehlende Trainingsplanung: Ohne realistischen Plan wird der nötige Zeitaufwand für Bewegung überschätzt und dann ganz vermieden.
- Sitzende Tätigkeit und Wunsch nach professioneller Unterstützung: Wer den eigenen Alltag als bewegungsfeindlich erlebt, sucht besonders aktiv nach externer Hilfe zur Integration von Bewegung.
Jedes dieser Muster liefert einen konkreten Ansatzpunkt: Wird beispielsweise gezielt an einer realistischen, alltagstauglichen Trainingsplanung gearbeitet, wirkt das gleichzeitig der Kombination aus Zeitmangel und fehlender Planung entgegen. Wird die Bewegung gezielt zur Linderung von Rückenbeschwerden eingesetzt, sinkt gleichzeitig das Risiko, dass Schmerz und Bewegungsvermeidung sich gegenseitig verstärken.
Warnsignale für zunehmenden Bewegungsmangel
- Der Arbeitstag vergeht fast vollständig im Sitzen, ohne bewusste Bewegungspausen
- Bewegungsvorsätze werden regelmässig auf «morgen» oder «nächste Woche» verschoben
- Rücken-, Schulter- oder Nackenbeschwerden treten zunehmend häufiger auf
- Es gibt keinen konkreten Plan, wann und wie Bewegung stattfinden soll
- Bewegung wird nur noch mit schlechtem Gewissen assoziiert, nicht mit Energie oder Freude
- Der Wunsch nach mehr Aktivität bleibt bestehen, ohne dass sich am Alltag etwas ändert
Der Gegenentwurf
Der Gegenentwurf zu diesen Warnsignalen ist keine einzelne Massnahme, sondern ein Zusammenspiel: ein realistischer, in den Arbeitsalltag integrierter Bewegungsplan, eine qualifizierte Begleitung, die Fortschritte sichtbar macht, sowie gezielte Bewegung zur Linderung bestehender Rücken- oder Nackenbeschwerden. Wo dieses Zusammenspiel fehlt, bleibt Bewegungsmangel meist bestehen – unabhängig davon, wie stark der ursprüngliche Wunsch nach mehr Aktivität war.
Im Schweizer Kontext
Sitzende Bürotätigkeiten prägen den Arbeitsalltag eines grossen Teils der Schweizer Erwerbsbevölkerung – verstärkt durch die zunehmende Verbreitung von Homeoffice, bei dem der Arbeitsweg als natürliche Bewegungsquelle oft vollständig entfällt. Die Studie deutet darauf hin, dass diese strukturelle Entwicklung ein wesentlicher Treiber des beschriebenen Bewegungsmangels ist – unabhängig vom individuellen Interesse an einem aktiveren Lebensstil.
Diese Beobachtung deckt sich mit einer breiteren gesellschaftlichen Entwicklung: Während digitale Arbeitsformen Flexibilität und Zeitersparnis bringen, reduzieren sie gleichzeitig die im Alltag eingebaute, beiläufige Bewegung – etwa den Fussweg zur Arbeit, die Treppe im Bürogebäude oder den Spaziergang in der Mittagspause. Die Studie legt nahe, dass genau dieser Verlust an beiläufiger Alltagsbewegung einen wesentlichen Teil der beschriebenen Bewegungsbarrieren erklärt.
Hinzu kommt eine strukturelle Eigenheit vieler Arbeitgeber: Betriebliche Gesundheitsförderung konzentriert sich häufig auf punktuelle Massnahmen wie einen jährlichen Gesundheitstag oder einen subventionierten Fitnessabo, statt auf eine kontinuierliche, in den Arbeitsalltag integrierte Bewegungsförderung. Genau diese Kontinuität ist jedoch entscheidend: Eine einzelne Massnahme pro Jahr kann die tägliche Realität von acht Stunden sitzender Arbeit kaum ausgleichen.
Warum individuelle Betreuung der Hebel ist
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Bedarf an strukturierter Unterstützung – nicht an zusätzlichem Wissen über die gesundheitlichen Vorteile von Bewegung, die den meisten Befragten ohnehin bekannt sind. Investitionen in die Qualifikation von Personal Trainern und Gesundheitscoaches können genau diese Lücke schliessen: die Übersetzung von allgemeinem Bewegungswissen in einen konkreten, alltagstauglichen Plan.
Begleitung wirkt dabei auf zwei Ebenen gleichzeitig. Auf der Seite der Betroffenen schafft ein realistischer, individuell angepasster Bewegungsplan genau die Struktur, deren Fehlen in der Studie am häufigsten als Motivationsproblem beschrieben wurde. Auf der Seite des Fachpersonals schafft eine fundierte Ausbildung die Fähigkeit, Bewegung trotz sitzender Berufe, Zeitmangel und bestehender Rückenbeschwerden sicher und wirksam zu integrieren. Beide Ebenen zusammen adressieren genau jenen Bedarf, den 69,3 Prozent der Befragten mit ihrem Interesse an professioneller Begleitung bereits selbst formuliert haben.
Einordnung durch die SNF Academy
Die SNF Academy bildet seit 2005 Personal Trainer und Ernährungscoaches aus – mit einem Ansatz, der bewusst auf Praxis statt reine Theorie setzt. Die Ergebnisse der Schweizer Bewegungsmangel Studie 2026 bestätigen aus Sicht der Academy eine zentrale Beobachtung aus über zwanzig Jahren Coaching-Praxis: Menschen scheitern selten an fehlendem Wissen über die Vorteile von Bewegung, sondern an fehlender Struktur, die dieses Wissen in tatsächliches Verhalten übersetzt.
Diese Beobachtung ist kein neues Phänomen, sondern zieht sich seit der Gründung der SNF Academy durch die tägliche Coaching- und Ausbildungspraxis: Ein individueller Bewegungsplan muss nicht nur fachlich korrekt sein, sondern vor allem zum tatsächlichen Alltag der Person passen – inklusive sitzender Berufstätigkeit, begrenzter Zeit und bestehender körperlicher Beschwerden. Genau deshalb verbindet die Ausbildungsarchitektur der SNF Academy Trainingswissen von Beginn an mit der Fähigkeit, realistische, alltagstaugliche Pläne zu entwickeln.
Wer diesen Weg gehen möchte, findet mit dem Orientierungs-Test oder einer persönlichen Beratung einen niederschwelligen Einstieg. Angesichts des hohen Interesses von 69,3 Prozent an professioneller Bewegungsbegleitung liegt darin gleichzeitig eine berufliche Chance: Wer selbst zur fachlich fundierten Ansprechperson für Bewegung im Alltag wird, trifft auf einen Markt mit ausgewiesener, grosser Nachfrage.
Dabei geht es der SNF Academy nicht darum, allgemeine Fitnessprogramme zu vermitteln, sondern die in dieser Studie sichtbar gewordene Lücke gezielt zu schliessen: die Übersetzung von Bewegungswissen in einen Plan, der auch bei sitzender Vollzeittätigkeit, begrenzter Zeit und bestehenden Rückenbeschwerden tatsächlich umsetzbar ist. Genau diese praxisnahe Übersetzungsleistung unterscheidet eine fundierte Ausbildung von allgemeinen Bewegungsempfehlungen, wie sie in Broschüren oder Kampagnen verbreitet werden.
Hinweis: Birol Isik und Daniela Isik (2026): Schweizer Bewegungsmangel Studie 2026 – Bewegungsverhalten, körperliche Aktivität und Bewegungsbarrieren junger Erwachsener in der Schweiz. Hrsg. SNF Academy, Zürich. Erhebungszeitraum Januar 2016 bis Juni 2026, n = 1'873, Altersgruppe 20–35 Jahre, alle 26 Kantone der Schweiz.
Info: Die Studie wurde von der SNF Academy initiiert und finanziert. Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen von Seminaren, Workshops, Coachings und Ausbildungstagen der SNF Academy. Die Auswertung basiert auf den erhobenen Daten und wurde unabhängig innerhalb der Studienleitung vorgenommen. Die Studie verfolgt das Ziel, Erkenntnisse zum Bewegungsverhalten junger Erwachsener in der Schweiz bereitzustellen.
Zusammenfassung Bewegungsmangel Studie
Die Schweizer Bewegungsmangel Studie 2026 zeigt, dass der Wunsch nach mehr Bewegung bei jungen Erwachsenen in der Schweiz grundsätzlich vorhanden ist. Dennoch gelingt es der Mehrheit nicht, körperliche Aktivität dauerhaft in den Alltag zu integrieren – vor allem, weil sitzende Tätigkeit, Zeitmangel, fehlende Motivation und bestehende Rückenbeschwerden im Zusammenspiel wirken, statt isoliert aufzutreten.
Für Arbeitgeber, für Fachpersonen und für ausbildende Institutionen wie die SNF Academy liefert die Studie damit eine klare Richtung: Nicht mangelndes Interesse ist der limitierende Faktor, sondern das Fehlen einer realistischen, alltagstauglichen Struktur und professioneller Begleitung. Das hohe Interesse von 69,3 Prozent an genau dieser Begleitung zeigt, dass ein grosser, weitgehend ungedeckter Bedarf besteht.
Für die betriebliche und gesellschaftliche Gesundheitsförderung bedeutet das: Kampagnen, die lediglich über die Vorteile von Bewegung informieren, werden das bestehende Interesse kaum in tatsächliche Aktivität übersetzen können. Erst wenn Bewegung strukturell in den Arbeitsalltag integriert wird – durch realistische Zeitfenster, ergonomische Arbeitsplätze und qualifizierte Begleitung – kann aus dem Wunsch nach mehr Bewegung auch gelebte körperliche Aktivität werden.










