Wer ein Bewegungs- und Gesundheitskonzept aufbauen möchte, steht schnell vor der Frage: Womit fange ich an? Die Grundlagen sind einfacher, als der lange Begriff vermuten lässt. Sie bestehen aus einem Ablauf, den du immer wieder anwenden kannst, ob für eine einzelne Kundin, eine Trainingsgruppe oder ein ganzes Team.
Dieser Beitrag führt dich Schritt für Schritt durch diesen Ablauf. Du bekommst Beispiele, Vorlagen für Fragen und Hinweise aus der Forschung, jeweils mit ihren Grenzen. Die SNF Academy bildet seit 2005 in Fitness, Ernährung und Gesundheit aus. Birol Isik ist Gründer, Daniela Isik Dozentin und Co-Leiterin.
Was hinter dem Begriff steckt, erklärt der Beitrag Bewegungs- und Gesundheitsmanagement: Was dahintersteckt. Hier geht es um die Praxis: Welche Schritte folgen aufeinander, und was tust du in jedem?
Welche fünf Schritte gehören zu den Grundlagen?
Jedes gute Konzept folgt demselben Kreislauf. Er heisst Kreislauf, weil du nach der Auswertung wieder bei Schritt 1 beginnst, nun mit besseren Informationen.
| Schritt | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1. Ausgangslage | Bewegung, Sitzzeit, Ernährung und Wünsche erfassen | Ein klares Bild des Ist-Zustands |
| 2. Ziele | Wenige, messbare Ziele festlegen | Zwei bis drei Ziele mit Termin |
| 3. Massnahmen | Passende Angebote und Veränderungen wählen | Ein Massnahmenplan |
| 4. Umsetzung | Zuständigkeiten, Zeitplan und Kommunikation klären | Ein laufendes Programm |
| 5. Auswertung | Wirkung messen und Anpassungen ableiten | Ein Bericht und die nächste Runde |
Die Tabelle gibt dir die Orientierung. In den folgenden Abschnitten gehen wir jeden Schritt durch.
Schritt 1: Wie erfasst du die Ausgangslage?
Ohne Ausgangslage arbeitest du im Blindflug. Du brauchst keine aufwendige Untersuchung, sondern wenige gute Fragen. Bei einem Team, einem Verein oder einer Kundengruppe genügt eine kurze Befragung von fünf bis zehn Minuten.
- Wie viele Stunden sitzt du an einem normalen Arbeitstag?
- An wie vielen Tagen pro Woche bewegst du dich mindestens 30 Minuten?
- Machst du regelmässig Kraftübungen?
- Wie zufrieden bist du mit deiner Ernährung im Alltag?
- Welche Hürde hindert dich am häufigsten daran, dich zu bewegen?
- Was würde dir helfen, aktiver zu werden?
Bei Einzelpersonen kommen ein persönliches Gespräch und deine Beobachtung des Trainings hinzu. Du hältst die Antworten schriftlich fest, damit du später vergleichen kannst. Wichtig ist die Haltung: Du fragst, ohne zu bewerten. Wer sich beurteilt fühlt, antwortet nicht ehrlich.
Als Massstab dienen die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Sie nennt für Erwachsene 150 bis 300 Minuten Aktivität mit mittlerer oder 75 bis 150 Minuten mit hoher Intensität pro Woche, dazu regelmässige Kraftübungen und weniger sitzendes Verhalten. Für eine Sitzzeit-Obergrenze reichte die Evidenz laut den Leitlinien nicht aus (Quelle 1).
Du willst Training fachlich fundiert planen und Menschen professionell begleiten?
Schritt 2: Wie setzt du sinnvolle Ziele?
Gute Ziele sind wenige, konkret und messbar. «Mehr bewegen» ist ein Wunsch. «Bis Ende März an vier von fünf Arbeitstagen die Mittagspause für einen Spaziergang von 15 Minuten nutzen» ist ein Ziel.
- Wähle zwei bis drei Ziele pro Runde, nicht zehn.
- Formuliere jedes Ziel mit Zahl und Termin.
- Trenne Ergebnisziele (zum Beispiel Schrittzahl) von Verhaltenszielen (zum Beispiel Treppe statt Lift).
- Besprich die Ziele mit den Betroffenen, damit sie sie als ihre eigenen erleben.
Bei Betrieben und Vereinen lohnt sich ein Ziel auf zwei Ebenen: ein Ziel für die Gruppe (zum Beispiel Teilnahmequote) und ein Ziel pro Person. Das hält das Programm für die Verantwortlichen messbar und für die Teilnehmenden persönlich.
Schritt 3: Welche Massnahmen wählst du?
Die Wahl der Massnahmen ist der kreative Teil. Hilfreich ist ein Raster mit fünf Bereichen, das eine Übersichtsarbeit zur Bewegungsförderung am Arbeitsplatz verwendete. Sie ordnete 48 Interventionen aus elf Übersichtsarbeiten nach dem PRECEDE-PROCEED-Modell: Motivation und Wissen (Prädisposition), Mittel und Zugang (Befähigung), Anreize und soziale Unterstützung (Verstärkung), Umgebung und Regeln (Politik) (Quelle 2). Das Modell dient als Checkliste, damit du keinen Bereich vergisst.
| Bereich | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Wissen und Motivation | Warum soll ich mich bewegen? | Kurzvortrag, Training mit Anleitung |
| Mittel und Zugang | Kann ich es leicht tun? | Geräte, Räume, Zeitfenster, Online-Videos |
| Anreize und Unterstützung | Wer motiviert mich? | Gruppe, Challenge, Coach |
| Umgebung und Regeln | Macht der Alltag es mir leicht? | Stehplätze, Treppe, bewegte Sitzung |
Bei der Auswahl hilft dir ein Blick auf die Ergebnisse. Eine grosse Sammlung von 36 Übersichtsarbeiten mit 214 Einzelstudien fand: Höhenverstellbare Arbeitsplätze senkten die Sitzzeit um bis zu 75 Minuten pro Tag, steigerten aber die Aktivität nicht. Selbstbeobachtung kombiniert mit psychologischen Strategien steigerte die Schrittzahl im Schnitt um rund 1000 Schritte pro Tag. Keine Strategie erhöhte durchgängig die Aktivität mit mittlerer bis hoher Intensität (Quelle 3). Die Ergebnisse schwanken stark zwischen den Studien, die Evidenz zu intensiver Aktivität ist dünn.
Für dich heisst das: Kombiniere Massnahmen gegen langes Sitzen mit einem echten Trainingsangebot. Das eine entlastet den Alltag, das andere baut Leistungsfähigkeit auf.
Schritt 4: Wie organisierst du die Umsetzung?
Viele gute Pläne scheitern in der Umsetzung. Drei Dinge entscheiden: Zuständigkeit, Rhythmus und Kommunikation.
- Zuständigkeit: Eine Person ist verantwortlich und hat Zeit dafür. Das kannst du als Coach sein.
- Rhythmus: Feste Termine, zum Beispiel jeden Dienstag um 12:15 Uhr, schlagen spontane Angebote.
- Kommunikation: Kurz, regelmässig, mit einem klaren nächsten Schritt.
Starte klein. Ein Programm mit einer Gruppe und zwei Massnahmen, das läuft, ist besser als ein grosses Konzept, das nie startet. Nach vier bis sechs Wochen prüfst du das erste Mal, ob die Teilnahme stimmt, und passt nach.
Plane auch Menschen ein, die nicht mitmachen wollen. Frage sie, was sie abhält, und biete ihnen eine kleinere Einstiegsform an, zum Beispiel einen Spaziergang statt einer Trainingsstunde.
Schritt 5: Wie wertest du aus?
Die Auswertung schliesst den Kreislauf. Du vergleichst die neuen Zahlen mit der Ausgangslage. Drei Kennzahlen reichen für den Anfang: Teilnahme, Verhalten (zum Beispiel Bewegungstage pro Woche) und Zufriedenheit.
Sei ehrlich mit Ergebnissen, die nicht eingetroffen sind. Eine Studie zu Gesundheitsprogrammen für Männer am Arbeitsplatz fasste elf kontrollierte Studien zusammen und fand uneinheitliche Ergebnisse. Gewicht und Body-Mass-Index gingen in der Tendenz zurück, aber nicht statistisch bedeutsam (Quelle 4). Solche Befunde zeigen: Nicht jede Massnahme wirkt bei jeder Gruppe, und kurze Programme verändern Körpermasse nur begrenzt.
Gute Coaches nutzen solche Ergebnisse als Lernmoment. Sie fragen, was die Teilnehmenden hätte unterstützen können, und setzen es in der nächsten Runde um. So wird die Auswertung zum Startpunkt für Schritt 1.
Wie sieht das an einem Beispiel aus?
Stell dir ein Team mit 20 Personen im Büro vor. Die Befragung zeigt: Die meisten sitzen mehr als acht Stunden, kaum jemand macht Krafttraining, und mittags wird am Schreibtisch gegessen.
- Ziel 1: Sitzzeit im Team um eine Stunde pro Tag senken, innerhalb von drei Monaten.
- Ziel 2: Zwei Drittel des Teams nehmen an einem wöchentlichen Kraftkurs von 30 Minuten teil.
- Massnahmen: Stehbesprechungen, ein Trainingsangebot um die Mittagszeit, ein gemeinsamer Mittagsspaziergang an zwei Tagen, ein Ernährungsimpuls zur Mittagsverpflegung.
- Umsetzung: Eine Person im Team koordiniert, ein Coach leitet den Kurs.
- Auswertung: Befragung nach drei Monaten, Teilnahmeliste, Rückmeldungen.
An diesem Beispiel siehst du, wie Fachwissen und Struktur ineinandergreifen. Der Coach liefert Training und Ernährung, das Management sorgt dafür, dass es wirkt.
Was gehört zu den Grundlagen an Fachwissen?
Neben dem Ablauf brauchst du ein solides Fachfundament. Dazu gehören Anatomie und Trainingslehre, Belastungssteuerung, Grundlagen der Ernährung und Verdauung sowie Gesprächsführung. Du musst nicht alles allein wissen, aber du musst die Zusammenhänge erklären können.
Verknüpfungen mit der Psyche sind dabei nicht zu unterschätzen. Wie Bewegung die Stimmung beeinflusst, erklärt der Beitrag Wie Fitness die mentale Gesundheit fördert. Für die Praxis gilt: Du begleitest gesunde Menschen im Alltag, du stellst keine Diagnosen und behandelst keine Krankheiten.
Die Zahlen zum Schweizer Alltag liefert die Bewegungsmangel-Studie der SNF Academy. Sie zeigt, wie viele junge Erwachsene überwiegend sitzen und wie gross das Interesse an Training ist.
Wie passt du die Schritte für Einzelpersonen an?
Der Kreislauf funktioniert auch im Einzelcoaching, nur kleiner. Statt einer Befragung führst du ein Erstgespräch. Statt Gruppenzielen setzt du ein persönliches Ziel. Die Massnahmen sind ein Trainingsplan, ein Ernährungsimpuls und ein Wochenrhythmus, den die Person wirklich einhalten kann.
Die Umsetzung besteht aus festen Terminen und kurzen Rückmeldungen dazwischen. Die Auswertung erfolgt nach vier bis sechs Wochen: Was hat sich verändert, was nicht, was passen wir an? Viele Personal Trainer arbeiten so, ohne es Management zu nennen. Wenn du das System bewusst nutzt, kannst du es erklären, anbieten und auf Gruppen ausweiten.
Dieser Schritt vom Einzelcoaching zum Gruppenangebot ist für viele Coaches der Moment, in dem sich das Geschäft öffnet. Wer drei Personen einzeln betreut, kann dieselbe Struktur auf eine Gruppe von zehn übertragen und so mehr Menschen erreichen. Die Qualität bleibt gleich, weil der Ablauf derselbe ist.
Auch das Thema Zeit spielt eine Rolle. Im Einzelcoaching bist du der Taktgeber, in Gruppen übernimmt der Rhythmus des Programms diese Aufgabe. Plane deshalb bei Gruppen feste Wochentage und eine klare Dauer, zum Beispiel acht Wochen mit einer Auswertung am Ende. Ein befristetes Programm senkt die Hürde, weil Menschen wissen, worauf sie sich einlassen, und es lässt sich leichter anbieten, verlängern und mit neuen Zielen wiederholen.
Das lernst du in der Ausbildung der SNF Academy
Die Ausbildungen vermitteln das Fachwissen für die Schritte 1 bis 5. Alle Wege siehst du auf der Seite der Fitness-Ausbildung der SNF Academy.
- Personal Trainer: 12 Module plus Bonus zu Training, Anatomie und Betreuung. Abschluss «dipl. Personal Trainer:in SNFA».
- Ernährungscoach: 9 Module plus Bonus von der Biologie bis zum Ernährungscoaching. Abschluss «dipl. Ernährungscoach SNFA».
- Fitness Kombi Paket: beide Ausbildungen mit beiden Diplomen.
Du lernst 100 Prozent online mit 365 Tagen Zugang ab deinem Wunschdatum. Videolektionen, Skripte, Checklisten und Quizze liegen auf der Plattform www.snfa-campus.ch bereit. Eine erste Online-Abschlussprüfung (Multiple-Choice, 90 Minuten) ist inklusive, bei den prüfungsrelevanten Modulen gibt es Prüfungsvorbereitungsdokumente.
Wie ist der Personal Trainer anerkannt?
Die Personal-Trainer-Ausbildung ist durch QualiCert geprüft und anerkannt. Absolventinnen und Absolventen verfügen über vertieftes Wissen und können Kunden im Fitnessstudio, im Outdoor-Training oder in Sportvereinen professionell beraten und betreuen. Wir empfehlen unseren Teilnehmenden, erste praktische Erfahrungen im Fitnessstudio zu sammeln und sich laufend weiterzuentwickeln. Nach der Ausbildung kannst du dich durch QualiCert zertifizieren lassen. Bei Fragen nimm unverbindlich Kontakt mit unseren Expertinnen und Experten auf.
Wer danach selbstständig werden möchte, wird von Birol Isik begleitet. Die Business Masterclass vermittelt Positionierung, Kundengewinnung und Verkauf.
Welche Anfängerfehler vermeidest du?
- Zu gross starten: Beginne mit einer Gruppe und zwei Massnahmen.
- Keine Ausgangslage erheben: Ohne Vergleich siehst du keinen Fortschritt.
- Nur über Wissen informieren: Menschen brauchen Gelegenheit zum Tun.
- Alle Ziele gleichzeitig verfolgen: Konzentration schlägt Vielfalt.
- Nicht nachfassen: Ein kurzer Anruf oder eine Nachricht hält Teilnehmende im Programm.
Wenn du diese fünf Punkte beachtest, bist du den meisten Konzepten bereits voraus.
Wie gehst du nach den Grundlagen weiter?
Mit den Grundlagen kannst du ein erstes kleines Programm planen. Für den Aufbau von Fachwissen und einer beruflichen Perspektive besprichst du deine Möglichkeiten im Strategiegespräch zur Ausbildung. Eine Landkarte mit allen Angeboten findest du im Überblick über Bewegungs- und Gesundheitsmanagement.
Mehr zu den Menschen hinter der SNF Academy findest du auf www.birolisik.ch und www.danielaisik.ch. Für Sichtbarkeit und Kundengewinnung als Coach lohnt www.onspire.ch.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zu unseren Ausbildungen findest du jeweils auf der verlinkten Seite.
Dein nächster Schritt: Personal Trainer werden oder Fitness Kombi Paket ansehen. Direkt starten: Personal Trainer Ausbildung im Shop.
Redaktionell und fachlich geprüft von Daniela Isik (Co-Leiterin und Dozentin) und dem Team der SNF Academy. Die belegenden Studien aus PubMed und weiteren Quellen stehen im Abschnitt Quellen.















