Beim Thema Tennisarm und Golferarm gibt es kaum jemanden ohne Meinung. Kolleginnen schwören auf die Bandage, der Nachbar auf Ruhe, das Internet auf Dutzende Tricks. Dieser Beitrag von Birol Isik, dem Gründer der SNF Academy, sammelt die häufigsten Zweifel von Trainierenden und beantwortet sie mit Übersichtsarbeiten aus PubMed, deren Zusammenfassungen wir gelesen haben.
Die Beispiele im Text sind typische Situationen aus dem Coaching-Alltag, stark vereinfacht und ohne Personenbezug. Für die Einordnung der Begriffe empfehlen wir zuerst Tennisarm und Golferarm: der Unterschied im Ellbogen. Wer Optionen vergleichen möchte, findet sie im Beitrag Kosten, Nutzen und Alternativen im Vergleich. Die Gesamtübersicht bietet Tennisarm und Golferarm im Überblick. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose.
Kurzantwort: Was sagen Erfahrung und Studien?
Erfahrungen sind wertvoll, weil sie Fragen aufwerfen. Belege entstehen erst, wenn viele Fälle verglichen werden. Die folgende Tabelle stellt häufige Aussagen den Befunden gegenüber.
| Typische Aussage | Was die Übersichtsarbeiten sagen | Quelle |
|---|---|---|
| «Ich habe einfach gewartet, und es ging weg.» | Beschwerden können innerhalb eines Jahres von selbst verschwinden | Quelle 2 |
| «Mit Kraftübungen wurde es besser.» | Alle Gruppen mit exzentrischem Training berichteten weniger Schmerz, bessere Funktion und mehr Griffkraft | Quelle 3 |
| «Die Physio hat geholfen.» | Manuelle Therapie und exzentrisches Training zeigten die grössten Vorteile | Quelle 1 |
| «Die Spritze hat nichts gebracht.» | Eine Meta-Analyse fand keinen Effekt von Injektionen, eine andere sah bei einzelnen Arten kurzfristige Vorteile | Quellen 2 und 5 |
| «Es kommt immer wieder.» | Der Verlauf ist günstig, aber Rückfälle sind häufig | Quelle 1 |
Das Muster ist klar: Die meisten Erfahrungen passen zu den Befunden, aber keine Erfahrung gilt für alle. Gerade deshalb lohnt es sich, Beschwerden systematisch zu begleiten.
Für Coaches ist diese Gegenüberstellung ein praktisches Werkzeug. Wenn Kundinnen und Kunden eine Erfahrung aus ihrem Umfeld mitbringen, nimmst du sie ernst, ordnest sie anhand der Befunde ein und leitest daraus den nächsten kleinen Schritt ab. So entsteht ein Gespräch auf Augenhöhe, in dem sich niemand belehrt fühlt.
Zweifel 1: «Ist das nicht einfach eine Entzündung?»
Der Begriff «Epicondylitis» klingt nach Entzündung. Neuere Beschreibungen sprechen eher von einer Veränderung der Sehnenstruktur am Ansatz. Für Trainierende heisst das: Reine Schonung ist selten die ganze Antwort. Sehnen brauchen einen passenden Reiz, um belastbar zu bleiben.
Ein Beispiel: Ein Handwerker mit Schmerz an der Aussenseite des Ellbogens hört auf zu trainieren und wartet. Nach wenigen Wochen sind die Schmerzen im Ruhezustand weg, kehren aber bei der ersten schweren Aufgabe zurück. Das Muster ist typisch und der Grund, warum die Übersichten den Verlauf als günstig, aber rückfallanfällig beschreiben (Quelle 1).
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Zweifel 2: «Ich spiele weder Tennis noch Golf, kann ich das trotzdem haben?»
Ja. Die Namen führen in die Irre. Eine Meta-Analyse mit 5036 Beschäftigten, davon 318 mit Tennisarm, untersuchte berufliche Belastungen. Ein hoher Strain-Index (Odds Ratio 1.75) und häufiges, starkes Drehen des Unterarms über vier Stunden am Tag (Odds Ratio 1.85) gingen mit einem höheren Risiko einher. Greifen, Beugen und Strecken des Handgelenks sowie Wiederholungen zeigten keinen eindeutigen Zusammenhang (Quelle 4).
Ein Beispiel: Eine Köchin, die täglich Pfannen hebt und Teig knetet, entwickelt Beschwerden, obwohl sie nie einen Schläger in der Hand hatte. Für Coaches ist das wichtig, weil sie im Erstgespräch nach Beruf und Alltag fragen und nicht nur nach dem Sport.
Zweifel 3: «Hilft Training oder macht es alles schlimmer?»
Das ist die häufigste Sorge. Die Studienlage ist hier eindeutiger als die Erfahrung vermuten lässt. Eine Übersicht mit zwölf Studien, darunter acht randomisierte mit 334 Teilnehmenden, fand, dass alle Gruppen mit exzentrischem Training weniger Schmerz und mehr Funktion und Griffkraft zeigten. Sieben Studien sahen Vorteile gegenüber Programmen ohne exzentrischen Anteil (Quelle 3). Eine zweite Übersicht mit 19 Studien nennt exzentrisches Krafttraining und manuelle Therapie als die beiden Methoden mit den grössten Vorteilen (Quelle 1).
Wichtig: Es geht um dosiertes, aufbauendes Training, nicht um Durchhalten unter starkem Schmerz. Die Dosierung gehört in die Hand einer Fachperson. Wer sie übernimmt, schafft Vertrauen.
Ein Beispiel: Ein Kunde mit Golferarm will unbedingt weiter Klimmzüge machen. Sein Coach stellt auf andere Griffe um, reduziert die Wiederholungen und baut parallel Unterarmkraft auf. Nach einigen Wochen klappt der Alltag wieder, und der Kunde bleibt dem Coach treu.
Zweifel 4: «Sind Spritzen und Stosswellen die Lösung?»
Hier widersprechen sich die Übersichten. Eine Meta-Analyse mit 58 randomisierten Studien fand, dass Injektionen keine der gemessenen Grössen verbesserten. Elektrophysiotherapie und Injektionen gingen zudem mit mehr Nebenwirkungen einher als Physiotherapie (Quelle 2). Eine Netzwerk-Meta-Analyse mit 40 Studien dagegen sah bei vier Verfahren, darunter Stosswellen, kurzfristig Vorteile beim Schmerz gegenüber Placebo, mittelfristig nur bei den Stosswellen. Bei der Griffkraft schnitt die Stosswellentherapie am besten ab (Quelle 5).
Wie ist das zu lesen? Verschiedene Auswertungen betrachten verschiedene Studien, Zeiträume und Vergleiche. Für Trainierende gilt: Es gibt keine sichere Wunderlösung, und medizinische Eingriffe entscheiden Ärztinnen und Ärzte. Coaches sollten sie weder versprechen noch verbieten.
Zweifel 5: «Wie lange dauert das?»
Eine feste Antwort gibt es nicht. Die Meta-Analyse zu den nicht operativen Behandlungen schreibt, dass Symptome innerhalb eines Jahres verschwinden können (Quelle 2). Die Übersicht zur Physiotherapie beschreibt den Verlauf als günstig, aber mit häufigen Rückfällen (Quelle 1). Die Spanne zwischen schneller Besserung und langem Verlauf ist gross.
Das hat Folgen für die Beratung: Wer Wochen verspricht, enttäuscht. Wer ehrlich über Spannweiten spricht und kleine Fortschritte sichtbar macht, hält die Motivation hoch. Ein einfaches Protokoll mit Schmerzskala und Griffkraft pro Woche genügt dafür.
Zweifel 6: «Woran merke ich, dass es mehr ist als ein Tennisarm?»
Nicht jeder Ellbogenschmerz ist eine Sehnenreizung. Übersichtsarbeiten nennen als Gründe für anhaltende Beschwerden unter anderem Nackenschmerzen, Sehnenrisse und eine veränderte Schmerzverarbeitung. Auch Nervenengpässe können ähnliche Beschwerden machen. Typische Warnzeichen sind Kribbeln, Taubheit, Ausstrahlung in den Arm oder ein spürbarer Kraftverlust. Dann gehört die Abklärung in ärztliche Hände, und das Training pausiert oder wird angepasst.
Ein Beispiel: Ein Kunde meldet Schmerzen am Ellbogen, schildert aber zugleich Kribbeln in den Fingern, vor allem nachts. Sein Coach fragt ruhig nach, erklärt, warum die Abklärung sinnvoll ist, und passt das Programm in der Zwischenzeit an. Der Kunde fühlt sich ernst genommen und kommt zurück. Genau diese Sicherheit im Gespräch unterscheidet eine Fachperson von jemandem, der nur Übungen vorgibt.
Ein Beispielplan für vier Wochen: So begleitest du Betroffene
Folgender Ablauf zeigt, wie ein Coach das Thema im Alltag strukturieren kann. Er ist eine Orientierung und ersetzt keine ärztliche Vorgabe:
- Woche 1: Gespräch über Beruf, Alltag und Training, Beobachtung der Griffe, Belastung vorübergehend reduzieren, Ausgangswerte für Schmerz und Griffkraft notieren.
- Woche 2: Aufbauende Übungen für Unterarm und Handgelenk mit niedriger Last einführen, Technik üben, Rückmeldung zum Schmerzverlauf einholen.
- Woche 3: Last und Umfang schrittweise steigern, Griffvarianten im Training testen, Alltagsbelastung im Blick behalten.
- Woche 4: Zwischenbilanz mit den Ausgangswerten, Plan für die nächsten Wochen festlegen, Warnzeichen noch einmal besprechen.
Dieser Rhythmus macht Fortschritte sichtbar, selbst wenn sie klein sind. Betroffene erleben dadurch, dass sie etwas bewirken können, und bleiben dran. Das stärkt die Bindung zwischen Coach und Kundschaft deutlich mehr als jeder Tipp aus dem Internet.
Was lernen Coaches aus diesen Erfahrungen?
Aus den fünf Zweifeln ergeben sich fünf Regeln für die Arbeit mit Betroffenen:
- Zuhören vor Handeln: Beruf, Alltag und Griffe erfragen, nicht nur den Sport.
- Belastung dosieren statt streichen: Aufbauendes Training ist gut belegt.
- Keine Wunderversprechen: Verlauf offen als Spanne kommunizieren.
- Grenzen kennen: Diagnose und medizinische Eingriffe liegen bei Ärztinnen, Ärzten und Physiotherapeuten.
- Verlauf messen: Schmerz, Griffkraft und Alltagstauglichkeit regelmässig festhalten.
Wer so arbeitet, wird für Trainierende zur festen Ansprechperson. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis solider Ausbildung. Wie Teilnehmende den Weg erleben, zeigen die über 200 Erfahrungsberichte auf snfa.ch.
Wo liegen die Grenzen der Studien?
- Fast alle Studien betreffen den Tennisarm, zum Golferarm gibt es deutlich weniger Evidenz.
- Die Übersichten kommen bei Injektionen zu unterschiedlichen Ergebnissen (Quellen 2 und 5).
- Exzentrisches Training wurde fast immer als Teil eines Programms getestet, nur eine Studie von geringer Qualität prüfte es isoliert (Quelle 3).
- Die Auswertung zur Arbeitsbelastung zeigt Zusammenhänge im Kollektiv, nicht die Ursache im Einzelfall (Quelle 4).
Diese Grenzen sind kein Grund zur Unsicherheit. Sie sind ein Grund, sauber zwischen Beleg und Erfahrung zu unterscheiden. Das ist Teil dessen, was wir in der Ausbildung vermitteln.
Warum lohnt sich dieses Wissen für deine Karriere?
Menschen mit Überlastungsbeschwerden suchen eine Ansprechperson, die ruhig bleibt, fundiert erklärt und das Training anpasst. Die Fitness Kombi Ausbildung der SNF Academy vermittelt dafür Trainings- und Ernährungswissen, damit du Kundinnen und Kunden verständlich und sicher begleitest.
Die Personal-Trainer-Ausbildung ist durch QualiCert geprüft und anerkannt. Absolventinnen und Absolventen verfügen über vertieftes Wissen und können Kunden im Fitnessstudio, im Outdoor-Training oder in Sportvereinen professionell beraten und betreuen. Wir empfehlen unseren Teilnehmenden, erste praktische Erfahrungen im Fitnessstudio zu sammeln und sich laufend weiterzuentwickeln. Nach der Ausbildung kannst du dich durch QualiCert zertifizieren lassen. Bei Fragen nimm unverbindlich Kontakt mit unseren Expertinnen und Experten auf.
Das Lernen läuft online über den SNF Academy Campus. Du hast 365 Tage Zugang, wählst dein Startdatum frei und bekommst persönlichen Support. Prüfungsvorbereitungsdokumente gibt es bei jedem prüfungsrelevanten Modul. Die Abschlussprüfung findet online statt (Multiple-Choice, 90 Minuten), die erste Prüfung ist inklusive.
Viele Teilnehmende machen nach der Ausbildung den Schritt in die Selbstständigkeit, nebenberuflich oder als Wechsel vom Hobby zum Beruf. Dafür bieten wir die Business Masterclass und das individuelle Coaching mit Birol Isik an: Positionierung, Kundengewinnung und Markenaufbau. Mehr zur Person findest du auf www.birolisik.ch. Videoinhalte und Storytelling vermittelt Daniela Isik, Dozentin und Co-Leiterin der SNF Academy, auf www.danielaisik.ch. Für Sichtbarkeit und einen professionellen Online-Auftritt lohnt der Blick auf www.onspire.ch.
Passend zum Thema sind auch die Personal-Trainer-Ausbildung für Tennislehrer und für Golftrainer, denn gerade in diesen Sportarten kennt man das Thema aus erster Hand.
Entscheidungshilfe und Kontakt
Du kennst jetzt die häufigsten Zweifel und die Befunde dahinter. Wenn du dein Wissen über Training und Belastung zum Beruf machen möchtest, ist das kostenlose Strategiegespräch ein guter Anfang. Daniela Isik und Birol Isik beraten dich persönlich zu Ausbildung, Zeitplan und Zielen. Ablauf und Vorbereitung erklärt die Seite Strategiegespräch zur Ausbildung.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zu unseren Ausbildungen findest du jeweils auf der verlinkten Seite.
Dein nächster Schritt: Mindset Coaching bei Birol Isik oder beide Ausbildungen im Kombi Paket.
Redaktionell und fachlich geprüft von Daniela Isik (Co-Leiterin und Dozentin) und dem Team der SNF Academy. Die belegenden Studien aus PubMed und weiteren Quellen stehen im Abschnitt Quellen.















