Der Ellbogen ist ein kleines Gelenk mit grosser Aufgabe. Jede Bewegung von Hand und Unterarm läuft über Sehnen, die dort am Knochen ansetzen. Wenn diese Ansätze überlastet sind, tut es weh: beim Händeschütteln, beim Tragen der Einkaufstasche oder beim Griff zur Langhantel. Im Alltag sprechen alle von Tennisarm und Golferarm, obwohl die meisten Betroffenen weder Tennis noch Golf spielen.
In diesem Artikel klären wir, was die beiden Beschwerdebilder unterscheidet, wie sie entstehen und was die Forschung dazu sagt. Wir stützen uns auf gelesene Zusammenfassungen aus PubMed und nennen auch die Grenzen der Studienlage. Die SNF Academy wurde 2005 von Birol Isik gegründet und bildet Menschen in Fitness, Ernährung und Gesundheit aus. Dieser Artikel ist eine Wissensgrundlage für Trainierende und Coaches. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Was ist der Unterschied zwischen Tennisarm und Golferarm?
Der wichtigste Unterschied ist der Ort. Beim Tennisarm, fachlich laterale Epicondylitis oder laterale Ellbogentendinopathie, liegt der Schmerz aussen am Ellbogen. Beim Golferarm, fachlich mediale Epicondylitis, liegt er innen. Beide Begriffe beschreiben eine Reizung oder Veränderung der Sehne an ihrem Ansatz am Knochen.
| Merkmal | Tennisarm | Golferarm |
|---|---|---|
| Fachbegriff | Laterale Epicondylitis | Mediale Epicondylitis |
| Schmerzort | Aussenseite des Ellbogens | Innenseite des Ellbogens |
| Betroffene Muskeln | Handgelenkstrecker, Ansatz des Muskels Extensor carpi radialis brevis | Handgelenkbeuger und Unterarm-Dreher (Flexor-Pronator-Gruppe) |
| Typische Belastung | Greifen, Anheben, Bewegungen mit gedrehtem Unterarm | Greifen mit gebeugtem Handgelenk, Werfen, Schwingen |
| Verbreitung in der Literatur | Häufig, gut untersucht | Seltener, weniger Studien |
Die Namen führen in die Irre. Die Überlastung entsteht nicht nur im Sport. Eine Übersichtsarbeit zur Arbeitsbelastung spricht davon, dass die laterale Epicondylitis bei Beschäftigten sehr häufig ist und oft mit körperlich anspruchsvoller Arbeit zusammenhängt. Wer täglich Werkzeug, Maus oder Hanteln greift, belastet dieselben Sehnenansätze wie ein Tennisspieler.
Wie häufig ist der Tennisarm?
Systematische Übersichtsarbeiten nennen für die laterale Epicondylitis eine Häufigkeit von etwa 1 bis 3 Prozent der Bevölkerung. Eine Arbeit beziffert sie für die Altersgruppe von 35 bis 54 Jahren auf diesen Bereich. Eine andere Übersicht für die Allgemeinmedizin nennt etwa 4 bis 7 von 1000 Personen. Die Zahlen unterscheiden sich, weil Definitionen und Untersuchte verschieden sind. Gemeinsam ist die Aussage: Der Tennisarm ist eine verbreitete Überlastungsverletzung.
Für den Golferarm gibt es deutlich weniger Daten. Die Fachliteratur bezeichnet ihn als häufige Erkrankung, aber ohne die grossen Studienprogramme, die zum Tennisarm vorliegen. Aussagen dazu sind deshalb vorsichtiger zu lesen.
Du willst Ernährung fachlich fundiert einordnen und andere verständlich beraten?
Was passiert im Ellbogen bei einer Sehnenüberlastung?
Lange sprach man von einer Entzündung, daher die Endung «-itis». Neuere Beschreibungen sprechen eher von einer Tendinopathie, also von einer Veränderung der Sehnenstruktur an ihrem Ansatz. Für den Tennisarm betont die Übersichtsarbeit aus der Allgemeinmedizin, dass Ursache und Mechanismus bis heute nur teilweise verstanden sind. Sie beschreibt ihn als Enthesopathie am Ursprung des Muskels Extensor carpi radialis brevis.
Für den Golferarm beschreibt eine Arbeit im Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons die Sehnen der Flexor-Pronator-Gruppe. Bei wiederholter Belastung kann sich das Sehnengewebe schrittweise verändern. In fortgeschrittenen Fällen sind Vernarbungen oder Verkalkungen möglich. Betroffene berichten dauerhaft Schmerzen an der Innenseite des Ellbogens, die durch Alltagsaktivitäten stärker werden.
Für dich als Trainierende oder Coach ist der Kern wichtig: Die Sehne reagiert auf Belastung. Sie braucht einen Reiz, um stark zu bleiben, verträgt aber keine plötzlichen Spitzen und keine dauerhafte Überforderung.
Woran erkennst du Tennisarm oder Golferarm?
Typisch ist ein Schmerz am Ellbogen, der bei Greifen und Heben zunimmt. Beim Tennisarm sitzt er aussen, beim Golferarm innen. Die Allgemeinmedizin-Übersicht schreibt, dass Anamnese und körperliche Untersuchung meist ausreichen, um die Diagnose zu stellen. Zwei klinische Tests, der Test nach Maudsley und der Test nach Cozen, haben eine hohe Sensitivität für die laterale Epicondylitis.
Das heisst: Die Einordnung gehört in die Hand von Ärztinnen, Ärzten und Physiotherapeuten. Ein Coach darf Beobachtungen schildern, aber keine Diagnose stellen. Was du als Coach tun kannst, zeigen wir weiter unten.
Andere Ursachen können ähnliche Beschwerden machen. Die Übersicht nennt als Differenzialdiagnosen unter anderem Nervenengpass-Syndrome, eine Reizung von Nervenwurzeln der Halswirbelsäule, Knochenveränderungen und entzündliche Erkrankungen. Auch die Übersicht im Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy hebt hervor, dass Nackenschmerzen, Sehnenrisse und eine veränderte Schmerzverarbeitung die Prognose beeinflussen können. Wer Ausstrahlung in den Arm, Kribbeln, Taubheit oder Kraftverlust spürt, lässt das ärztlich abklären.
Was löst die Überlastung aus?
Eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse im American Journal of Industrial Medicine untersuchte, welche körperlichen Belastungen bei der Arbeit das Risiko für eine laterale Epicondylitis erhöhen. Sie schloss fünf prospektive Studien mit 5036 Beschäftigten ein, davon 318 mit Tennisarm. Das Ergebnis ist differenziert:
- Ein hoher Strain-Index, ein Mass für die Beanspruchung der Hand und des Unterarms, ging mit einem erhöhten Risiko einher (Odds Ratio 1.75). Die Autorinnen und Autoren stuften die Evidenz als hochwertig ein.
- Häufige oder starke Drehung des Unterarms (mehr als vier Stunden am Tag) war mit einem erhöhten Risiko verbunden (Odds Ratio 1.85, moderate Evidenz).
- Greifen, Beugen und Strecken des Handgelenks sowie wiederholte Bewegungen zeigten in dieser Auswertung keinen eindeutigen Zusammenhang.
Das ist eine wichtige Korrektur zu einem verbreiteten Glauben. Nicht jede Wiederholung ist gefährlich. Die Mischung aus Dauer, Kraft und Unterarmdrehung scheint das Entscheidende zu sein. Für das Krafttraining heisst das nicht, dass es sicher oder unsicher ist. Es heisst, dass Belastungsdauer und Griffvariante bewusst gesteuert werden sollten.
Wie verlaufen die Beschwerden?
Die gute Nachricht steht in mehreren Übersichten. Die Arbeit in der Allgemeinmedizin schreibt, dass die Beschwerden in rund 90 Prozent der Fälle von selbst abklingen. Die Meta-Analyse im Fachblatt Plastic and Reconstructive Surgery erwähnt, dass Symptome innerhalb eines Jahres verschwinden können. Eine andere Übersicht spricht von einem günstigen Verlauf, aber häufigen Rückfällen.
Die weniger gute Nachricht: Hartnäckige Verläufe gibt es, und sie sind schwer zu behandeln. Die Übersicht im Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy beschreibt die Bandbreite von sofortiger Besserung nach einfacher Beratung bis zu langanhaltenden Problemen trotz Behandlung. Ihr Titel fasst es zusammen: «Eine Grösse passt nicht für alle.»
Was sagt die Studienlage zur Behandlung?
Die Behandlung ist Sache von Medizin und Physiotherapie. Als Coach solltest du aber wissen, was die Forschung sagt, damit du Kundinnen und Kunden richtig einordnen und sicher begleiten kannst.
| Studie | Aussage |
|---|---|
| Systematische Übersicht zur Physiotherapie (2022) | Manuelle Therapie und Training mit exzentrischer Kraftbelastung zeigten die grössten Vorteile bei gutem Kosten-Nutzen-Verhältnis. |
| Meta-Analyse nicht operativer Behandlungen (2021, 58 Studien) | Physiotherapie und Elektrophysiotherapie verbesserten Schmerz und Funktion im Vergleich zu Placebo. Injektionen verbesserten keine der gemessenen Ergebnisse. |
| Übersicht zum Tennisarm (Allgemeinmedizin, 2020) | Nicht operative Behandlungen sind durch die Evidenz gestützt. Operationen zeigen keinen klaren Vorteil gegenüber dem natürlichen Verlauf. |
| Umbrella-Review (2023, 40 Meta-Analysen) | Betont Injektionstherapien, hält Akupunktur und Stosswellen für unwirksam und bestätigt den Wert der Physiotherapie. |
Beachte, dass sich die Studien teils widersprechen, etwa bei den Injektionen. Das zeigt, wie unklar die Lage ist. Für uns folgt daraus: Wir sprechen als Coaches keine Behandlungsempfehlung aus. Wir kennen aber die Rolle von Belastungssteuerung und Kraftaufbau und können Betroffene sinnvoll begleiten, sobald Medizin und Physiotherapie die Richtung vorgeben.
Was ist beim Golferarm anders?
Beim Golferarm betont die Fachliteratur die Belastung durch wiederholtes, kraftvolles Strecken des Handgelenks bei gleichzeitiger Unterarmdrehung nach aussen, etwa beim Werfen oder Schwingen. Sportlerinnen und Sportler spüren die Beschwerden vor allem in der Phase des Ausholens und Beschleunigens.
Die Behandlungsempfehlungen aus dieser Übersicht lauten: zuerst unterstützende Massnahmen wie Anpassung der Aktivität, entzündungshemmende Medikamente und gegebenenfalls Injektionen, danach Aufbau der Flexor-Pronator-Muskulatur und Vorbeugung. Operationen sind Fällen mit anhaltenden Beschwerden vorbehalten. Das deckt sich im Grundsatz mit dem Tennisarm: Zuerst Belastung dosieren, dann Struktur aufbauen.
Was kannst du als Coach konkret tun?
Wer in einem Fitnesscenter, im Personal Training oder im Verein arbeitet, begegnet Ellbogenschmerzen regelmässig. Eine fundierte Ausbildung hilft, richtig zu reagieren. Im Zentrum steht die Unterscheidung zwischen dem, was ein Coach darf, und dem, was in medizinische Hände gehört.
- Beobachten: Wo sitzt der Schmerz, bei welchen Bewegungen tritt er auf, wie lange besteht er? Diese Notizen helfen der behandelnden Person.
- Nicht diagnostizieren: Du benennst das Beschwerdebild nicht als Tennisarm oder Golferarm, sondern beschreibst, was du siehst.
- Belastung steuern: Reduziere Übungen mit starkem Zugriff, gedrehtem Unterarm oder schwerem Greifen, wenn sie Schmerz auslösen, und ersetze sie durch Varianten ohne Schmerz.
- Training ausserhalb des Ellbogens fortführen: Beine, Rumpf und Rücken können oft normal weitertrainiert werden, wenn es keine anderen Einschränkungen gibt.
- Wieder einsteigen: Sobald die Freigabe vorliegt, baust du Kraft schrittweise auf, dokumentierst und passt an.
Wie du Last und Volumen dosierst, vermitteln wir in der Ausbildung. Wer sich dafür interessiert, findet im Fitness Kombi Paket der SNF Academy den Weg zum Diplom. Die Ernährungscoach-Ausbildung ergänzt das Wissen zu Alltag und Gewohnheiten.
Warum Sehnen trainiert werden dürfen
Training schützt Sehnen, wenn es dosiert ist. Das zeigt auch die Physiotherapie-Übersicht: Exzentrisches Krafttraining gehört zu den Methoden mit den grössten Vorteilen. Für Trainierende bedeutet das, dass Ruhe allein selten die Lösung ist. Ziel ist, Sehnen und Muskeln stufenweise an Last zu gewöhnen. Eine Anleitung zu diesem Prinzip findest du in unserem Beitrag zur Deload-Woche im Krafttraining, und passende Übungen für den Oberkörper zeigt unsere Übersicht zu Schulterübungen.
Wichtig ist die Reihenfolge: erst Schmerz ernst nehmen, dann Belastung anpassen, dann Kraft aufbauen. Wer sie ändert, riskiert Rückschläge.
Wohin geht es für Tennis- und Golfspieler weiter?
Wenn Tennis oder Golf dein Sport ist, lohnt sich der Blick auf das Zusammenspiel von Technik, Material und Kraft. Dazu findest du bei uns den Beitrag Krafttraining für Tennisspieler. Wenn du selbst Tennis- oder Golfspielende betreuen möchtest, zeigen die Seiten Personal-Trainer-Ausbildung für Tennislehrer und Personal-Trainer-Ausbildung für Golftrainer, wie du dein Sportwissen mit Trainingswissen verbindest.
Die nächsten Schritte im Themenfeld: die Grundlagen Schritt für Schritt und der Überblick mit allen Wegen und Angeboten.
Wer steht hinter diesem Wissen und wie geht es für dich weiter?
Die SNF Academy bildet seit 2005 Menschen in Fitness, Ernährung und Gesundheit aus. Gründer ist Birol Isik, Daniela Isik ist Co-Leiterin und Dozentin. Die Ausbildungen sind 100 % online und mit 365 Tagen Zugang flexibel zu absolvieren. Abgeschlossen wird mit einem Diplom «dipl. … SNFA», bei der Personal-Trainer-Ausbildung zum Beispiel «dipl. Personal Trainer SNFA». Auf der E-Learning-Plattform snfa-campus.ch lernst du in deinem Tempo. Mehr zu den Menschen dahinter findest du auf www.birolisik.ch und www.danielaisik.ch. Wenn du als Coach selbstständig werden willst, begleitet dich Onspire beim Aufbau von Marke und Kundengewinnung.
Die Personal-Trainer-Ausbildung ist durch QualiCert geprüft und anerkannt. Absolventinnen und Absolventen verfügen über vertieftes Wissen und können Kunden im Fitnessstudio, im Outdoor-Training oder in Sportvereinen professionell beraten und betreuen. Wir empfehlen unseren Teilnehmenden, erste praktische Erfahrungen im Fitnessstudio zu sammeln und sich laufend weiterzuentwickeln. Nach der Ausbildung kannst du dich durch QualiCert zertifizieren lassen. Bei Fragen nimm unverbindlich Kontakt mit unseren Expertinnen und Experten auf.
Der nächste Schritt: Lass dich im Strategiegespräch zur Ausbildung persönlich beraten. Dort klären wir, welcher Weg zu deinem Ziel passt und wie du in wenigen Schritten startest.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zu unseren Ausbildungen findest du jeweils auf der verlinkten Seite.
Dein nächster Schritt: Ernährungscoach Ausbildung ansehen oder beide Ausbildungen im Kombi Paket. Direkt starten: Ernährungscoach Ausbildung im Shop.
Redaktionell und fachlich geprüft von Daniela Isik (Co-Leiterin und Dozentin) und dem Team der SNF Academy. Die belegenden Studien aus PubMed und weiteren Quellen stehen im Abschnitt Quellen.















