Wer viel und diszipliniert trainiert und trotzdem stagniert, häufiger verletzt ist oder sich zunehmend erschöpft fühlt, denkt oft zuerst an den Trainingsplan. Manchmal liegt die Ursache aber woanders: in einem längerfristigen Ungleichgewicht zwischen verfügbarer und benötigter Energie. Dieses Phänomen wird in der Sportmedizin als RED-S-Syndrom bezeichnet – und Trainer sollten seine Anzeichen kennen, ohne selbst zu diagnostizieren.
Wer ist von RED-S betroffen?
RED-S kann grundsätzlich alle trainierenden Personen betreffen, wird in der Forschung aber besonders häufig im Zusammenhang mit intensivem Ausdauer-, Ästhetik- oder Gewichtsklassensport diskutiert – unabhängig von Geschlecht. Das Konzept wurde ursprünglich unter dem Begriff der "weiblichen Athletentriade" beschrieben, gilt heute aber als breiteres, geschlechtsunabhängiges Phänomen.
Welche Anzeichen können auf RED-S hindeuten?
Leistung & Erholung
Anhaltende Leistungsstagnation trotz konsequentem Training, ungewöhnliche Müdigkeit, verlängerte Erholungszeiten.
Körperliche Signale
Häufige Verletzungen oder Stressfrakturen, Zyklusveränderungen, häufigere Infekte.
Psychische Signale
Stimmungsveränderungen, erhöhte Reizbarkeit oder ein spürbarer Rückgang der Motivation.
Diese Anzeichen sind unspezifisch – sie können auch andere Ursachen haben und müssen in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Sie dienen hier ausschliesslich dazu, dass Trainer aufmerksam werden und angemessen reagieren, nicht um selbst eine Einschätzung vorzunehmen.
Kann ein Personal Trainer RED-S diagnostizieren?
Nein. Die Diagnose von RED-S ist eine ärztliche beziehungsweise sportmedizinische Aufgabe, die spezifische Untersuchungen erfordert. Personal Trainer können Anzeichen bemerken und ansprechen, aber weder diagnostizieren noch behandeln. Diese klare Abgrenzung schützt sowohl die Klientschaft als auch die eigene fachliche Integrität.
«Bei Themen wie RED-S ist die richtige Trainer-Kompetenz nicht Diagnostik, sondern Aufmerksamkeit – hinschauen, ansprechen und an die richtige Fachperson verweisen, statt selbst zu urteilen.»
Was sollte ein Trainer tun, wenn er Anzeichen bemerkt?
Das Thema behutsam, ohne Vorwürfe und ohne Vermutungsdiagnose ansprechen – und konsequent an ärztliche oder sportmedizinische Fachpersonen verweisen. Eine vorschnelle eigene Einschätzung, Ernährungsempfehlung oder gar Trainingsreduktion auf eigene Faust ist hier nicht angebracht. Der Wert liegt im aufmerksamen Hinschauen und im richtigen Verweis, nicht im eigenständigen Handeln.
Ist RED-S dasselbe wie eine Essstörung?
Nein, RED-S ist ein eigenständiges sportmedizinisches Konzept, das nicht zwingend mit einer Essstörung einhergeht. Es kann in manchen Fällen damit zusammenhängen, muss es aber nicht. Beide Themen gehören in jedem Fall in fachkundige, ärztliche oder therapeutische Hände – nicht in die Trainingsberatung.
Wie kann Prävention in der Trainingsplanung aussehen?
Eine realistische Trainingsbelastung ohne übermässige Volumensteigerung, aufmerksames Beobachten von Warnzeichen über Zeit, eine offene Gesprächskultur ohne Leistungsdruck und die Bereitschaft, frühzeitig statt spät an Fachpersonen zu verweisen, gelten als sinnvolle präventive Grundhaltung. Auch das bewusste Thematisieren von Regeneration – wie im Beitrag zu Schlaf und Muskelaufbau beschrieben – gehört zu einer Trainingskultur, die Übertraining und Energiedefiziten vorbeugt.
Fazit: Aufmerksamkeit statt Alarmismus
RED-S ist kein Thema, bei dem Trainer selbst aktiv werden sollten – aber eines, bei dem aufmerksames Hinschauen einen echten Unterschied machen kann. Wer die Anzeichen kennt, das Thema ohne Vorwürfe ansprechen kann und konsequent an medizinische Fachpersonen verweist, übernimmt genau die Verantwortung, die in dieser Rolle angemessen ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Verantwortungsvoll mit Gesundheitsthemen umgehen lernen?
Das Erkennen gesundheitlicher Warnzeichen und die klare Abgrenzung zur medizinischen Behandlung sind fester Bestandteil der Personal-Trainer-Ausbildung der SNF Academy – QualiCert geprüft und anerkannt.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

















