Du kennst die Ausgangslage vielleicht aus dem eigenen Umfeld: Eine Freundin ist schwanger und fragt, was sie essen soll. Der Vater ist pensioniert und isst kaum noch Eiweiss. Der Sohn trainiert viermal pro Woche und lebt von Fertigsnacks. Alle drei brauchen Orientierung, aber nicht dieselbe. Die Kunst der Beratung liegt darin, die Grundlagen zu kennen und sie auf die Lebenslage zu übertragen.
Dieser Beitrag ist die Praxisanleitung zum Thema. Wer zuerst verstehen möchte, warum sich der Bedarf im Lebensverlauf ändert, liest Ernährung in den Lebensphasen: Was dahintersteckt. Hier geht es darum, wie du vorgehst. Geschrieben ist der Beitrag von Birol Isik, dem Gründer der SNF Academy, die seit 2005 Menschen für Ernährungs-, Fitness- und Gesundheitsberufe ausbildet. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Beratung.
Kurzantwort: Wie gehst du Schritt für Schritt vor?
Die sechs Schritte lassen sich in jeder Lebensphase anwenden. Sie unterscheiden sich nur in den Inhalten, nicht im Ablauf:
- Schritt 1: Situation und Ziel klären.
- Schritt 2: Den Alltag erfassen.
- Schritt 3: Den Schwerpunkt der Phase wählen.
- Schritt 4: Teller und Eiweiss passend einstellen.
- Schritt 5: Kleine, konkrete Schritte vereinbaren.
- Schritt 6: Nachfassen und anpassen.
Ein fester Ablauf gibt Sicherheit, auch wenn du neu in der Beratung bist. Du musst nicht jede Frage sofort beantworten können. Du musst wissen, welche Frage als Nächstes dran ist.
Schritt 1: Wie klärst du Situation und Ziel?
Am Anfang steht ein Gespräch, kein Plan. Du fragst, was die Person bewegt, welches Ziel sie hat und was bisher nicht geklappt hat. Wichtig ist, die Lebensphase zu benennen: Ist die Person schwanger, in der Stillzeit, in den Wechseljahren, kurz vor oder nach der Pensionierung? Das hilft bei der Einordnung, ohne die Person in eine Schublade zu stecken.
Gleichzeitig prüfst du die Grenzen deines Auftrags. Als Ernährungscoach begleitest du gesunde Menschen im Alltag. Bei Erkrankungen, Komplikationen in der Schwangerschaft, Essstörungen oder unklaren Gewichtsveränderungen gehört die Behandlung in ärztliche Hände. Diese Haltung schützt die Person und dich.
- Welches Ziel hat die Person in einem Satz?
- Wie fühlt sie sich im Moment, körperlich und im Alltag?
- Was hat sie schon ausprobiert?
- Gibt es Hinweise, die eine ärztliche Abklärung nahelegen?
Du willst Ernährung fachlich fundiert einordnen und andere verständlich beraten?
Schritt 2: Wie erfasst du den Alltag?
Ernährung findet im Alltag statt, nicht im Idealfall. Deshalb schaust du zuerst, wie der Tag aussieht: Arbeitszeiten, Wege, Familie, Training, Kochmöglichkeiten, Budget. Eine Übersichtsarbeit zur Nährstoffbalance im Lebensverlauf macht den Punkt deutlich: Die Lebensumgebung begrenzt, welche Nährstoffmischungen überhaupt erreichbar sind (Quelle 2).
Hilfreich ist ein einfaches Tagesbild. Lass die Person einen typischen Tag beschreiben, vom Aufstehen bis zum Schlafen. Du notierst, wann gegessen wird, was gegessen wird und wo es hakt. Ein Ernährungsprotokoll über mehrere Tage kann später folgen, ist aber nicht nötig, um zu starten.
| Bereich | Frage im Gespräch |
|---|---|
| Tagesablauf | Wann stehst du auf, wann isst du, wann trainierst du? |
| Mahlzeiten | Was kommt typischerweise auf den Teller? |
| Umfeld | Wer kocht, wer kauft ein, wie viel Zeit bleibt? |
| Hindernisse | Was macht es dir schwer, so zu essen, wie du möchtest? |
| Bewegung | Wie viel und wie bewegst du dich? |
Der Alltag liefert dir die Spielräume. Wer unterwegs isst, braucht andere Lösungen als jemand, der zu Hause kocht.
Schritt 3: Wie wählst du den Schwerpunkt der Phase?
Jede Phase hat Themen, die häufiger wichtig sind. Du wählst nicht alles auf einmal, sondern ein bis zwei Schwerpunkte:
| Phase | Möglicher Schwerpunkt |
|---|---|
| Schwangerschaft und Stillzeit | Vielfältige Auswahl, regelmässige Mahlzeiten, Fragen zum Umgang mit Unsicherheit |
| Kindheit und Jugend | Regelmässigkeit, Energie für Schule und Sport, entspannter Umgang mit Essen |
| Erwachsenenalter | Alltagstauglichkeit, Eiweiss und Training, Planung |
| Lebensmitte | Muskelerhalt, Erholung, Rhythmus im Alltag |
| Höheres Alter | Genug essen, Eiweiss, Krafttraining, Genuss |
Für die frühe Phase gilt eine besondere Vorsicht. Das europäische Projekt EarlyNutrition fasst zusammen, dass frühe Ernährung und Lebensstil langfristige Wirkungen auf spätere Gesundheit haben können, und es hält fest, dass viele bestehende Empfehlungen diese Langzeitfolgen bisher nicht berücksichtigen (Quelle 1). Beratung in diesem Bereich bleibt deshalb allgemein und verweist bei Fragen zu Schwangerschaftsverlauf und Säuglingsernährung auf die ärztliche Betreuung. Dein Beitrag liegt im Alltag: Planung, Einkauf, Struktur und Entlastung.
Schritt 4: Wie stellst du Teller und Eiweiss ein?
Der Teller ist ein Werkzeug, das in jeder Phase funktioniert. Eine Hälfte Gemüse und Früchte, ein Viertel sättigende Beilage, ein Viertel Eiweissquelle, dazu eine kleine Menge hochwertiges Fett. Passe die Anteile an Hunger, Training und Verträglichkeit an. Das Bild ist einfach und lässt sich in jedem Gespräch aufzeichnen.
Beim Eiweiss lohnt sich ein genauerer Blick, weil es oft unter- und überschätzt wird. Die grosse Auswertung mit 74 randomisierten Studien an gesunden Erwachsenen sieht einen Nutzen von mehr Eiweiss für den Zuwachs an fettfreier Körpermasse, wenn Krafttraining dazukommt. Bei Menschen ab 65 Jahren zeigte sich der Effekt bei 1,2 bis 1,59 Gramm pro Kilogramm und Tag, bei jüngeren ab 1,6 Gramm (Quelle 4). Die Evidenzqualität bezeichnen die Autorinnen und Autoren als moderat bis niedrig, je nach Ergebnis (Quelle 4).
Bei älteren Menschen zeigt eine weitere Auswertung ein ähnliches Muster: Eiweiss allein brachte keinen klaren Gewinn, in Kombination mit Krafttraining stiegen Muskelmasse der Gliedmassen und Handkraft (Quelle 5). Die Beobachtungsstudien zur Gebrechlichkeit passen dazu: Eine höhere Eiweisszufuhr und eine bessere Ernährungsqualität gingen mit geringerem Risiko einher, ohne dass daraus Ursache und Wirkung folgt (Quelle 3).
Für deine Beratung heisst das: Du erklärst, dass Eiweiss gut verteilt auf mehrere Mahlzeiten sinnvoll ist, und du verbindest es immer mit Bewegung. Konkrete Zielwerte ordnest du als Orientierung ein und nicht als Pflicht. Wer Vorerkrankungen hat, klärt Mengen vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Schritt 5: Wie vereinbarst du kleine, konkrete Schritte?
Pläne scheitern selten am Wissen, öfter an der Umsetzung. Deshalb endet jedes Gespräch mit ein bis zwei kleinen Aufgaben, die sich in einer Woche schaffen lassen. Gute Aufgaben sind konkret, messbar und alltagsnah.
- Statt «mehr Eiweiss essen»: «Zum Frühstück eine Eiweissquelle ergänzen, an fünf Tagen.»
- Statt «gesünder kochen»: «Am Sonntag zwei Gemüsegerichte vorbereiten.»
- Statt «mehr trinken»: «Eine Flasche Wasser auf den Schreibtisch stellen.»
- Statt «mehr Bewegung»: «Zweimal pro Woche 20 Minuten Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht.»
Ein Beispiel aus dem Coaching-Alltag: Eine Klientin Mitte fünfzig fühlt sich müde und möchte Muskeln erhalten. Im Gespräch zeigt sich, dass sie zum Frühstück meist nur Kaffee trinkt. Der erste Schritt ist ein einfaches Frühstück mit Eiweissquelle. Der zweite Schritt, zwei Wochen später, ist ein kurzes Krafttraining zu Hause. So entsteht Veränderung ohne Überforderung.
Die Auswertung zu Menschen im Alter von 50 bis 70 Jahren mit Muskelabbau und Übergewicht stützt die Verbindung von Ernährung und Training: Krafttraining senkte den Körperfettanteil um 1,53 Prozent und steigerte die Muskelmasse um 2,72 Prozent. Der Ruhestand wird dort als gute Gelegenheit genannt, neue Routinen aufzubauen (Quelle 6). Das ist ein guter Anlass für Gespräche mit Klientinnen und Klienten kurz vor oder nach der Pensionierung.
Schritt 6: Wie fasst du nach und passt an?
Nach ein bis zwei Wochen schaust du gemeinsam zurück. Was hat geklappt, was war schwierig, was passt nicht in den Alltag? Wichtig ist eine wohlwollende Haltung. Rückschläge sind Information, kein Versagen. Du passt die Aufgabe an und vereinbarst den nächsten Schritt.
Auch hier gilt das Prinzip der Bescheidenheit bei der Evidenz. Ein Beispiel: Die Auswertung zur mediterranen Ernährung bei älteren Erwachsenen fand einen Zusammenhang mit geringeren Entzündungswerten, betont aber, dass weitere langfristige Studien nötig sind (Quelle 7). Wenn du dieses Muster nutzt, sagst du deiner Klientin zum Beispiel: «Viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Olivenöl und Fisch gehören zu diesem Ernährungsmuster. Ob es bei dir einzelne Werte verändert, kann ich nicht versprechen. Es passt aber gut zu einem genussvollen Alltag.»
Notiere nach jedem Gespräch kurz, was vereinbart wurde. Diese Notizen sind dein Leitfaden für das nächste Treffen und zeigen deiner Klientin, dass du dranbleibst.
Welche typischen Fehler solltest du vermeiden?
- Zu viel auf einmal: Wer fünf Änderungen verlangt, erreicht meist keine.
- Verbote statt Optionen: «Das darfst du nicht» weckt Widerstand. «Das könnten wir ergänzen» öffnet.
- Zahlen als Pflicht: Zielwerte sind Orientierung, nicht Prüfung.
- Studien überdehnen: Eine Beobachtungsstudie zeigt einen Zusammenhang und belegt keine Ursache (Quelle 3).
- Grenzen übersehen: Warnzeichen, Erkrankungen und Essstörungen gehören in ärztliche Hände.
Wenn du diese Punkte beachtest, bleibt deine Beratung verständlich, ehrlich und wirksam.
Wie lernst du diese Methode in der Ausbildung?
Die Ernährungscoach-Ausbildung der SNF Academy führt dich durch diese Schritte: 9 Module plus Bonus mit Grundlagen der Biologie, Makronährstoffen und Ernährungscoaching. Videolektionen, Skripte, Checklisten und Quizze unterstützen dich beim Üben. Der Abschluss lautet «dipl. Ernährungscoach SNFA». Wie der Beruf aussieht und wie der Einstieg gelingt, beschreibt die Seite Ernährungscoach werden. Die Phasen im Überblick findest du auf der Seite Ernährung in verschiedenen Lebensphasen.
Die Inhalte beruhen auf den Erfahrungen von Birol Isik und Daniela Isik, die in Coaching, Beratungen, Kursen und Ausbildungen bereits über 10’000 Menschen begleitet haben. Die SNF Academy ist seit 2005 aktiv. Du lernst 100 % online, ohne Präsenzpflicht, mit 365 Tagen Zugang und einer Online-Abschlussprüfung im Multiple-Choice-Format von 90 Minuten.
Prüfungsvorbereitungsdokumente gibt es bei jedem prüfungsrelevanten Modul. Persönlichen Support erhältst du von Daniela Isik und Birol Isik.
Wie wirst du mit dem Wissen selbstständig?
Viele Teilnehmende möchten ihr Wissen nach der Ausbildung als eigenes Angebot nutzen, nebenberuflich oder als Hauptberuf. Die Business Masterclass von Birol Isik behandelt Positionierung, Kundengewinnung und Markenaufbau, und das individuelle Coaching mit Birol Isik begleitet den Weg in die Selbstständigkeit. Eine Positionierung nach Lebensphase, zum Beispiel für Menschen ab fünfzig, kann dein Angebot klar und gut auffindbar machen.
Wie sich Ernährung und Training zusammen lernen lassen, zeigt der Beitrag Ernährung und Fitness im Fernstudium: Grundlagen erklärt.
Wer steht hinter der SNF Academy?
Persönliche Einblicke zu Birol Isik, dem Gründer der SNF Academy, findest du auf www.birolisik.ch, zu Daniela Isik, Dozentin der SNF Academy, auf www.danielaisik.ch. Für Sichtbarkeit, Positionierung und Kundengewinnung steht www.onspire.ch bereit. Die Lernplattform der SNF Academy erreichst du unter www.snfa-campus.ch. Dort lernst du in deinem Tempo, mit Videos, Skripten, Checklisten und Quizzen, jederzeit und von überall.
Dein nächster Schritt
Übe die sechs Schritte zuerst im eigenen Umfeld: Frage eine vertraute Person nach ihrem Tagesablauf und vereinbare mit ihr eine kleine Aufgabe. Wenn du das Vorgehen systematisch lernen möchtest, klärst du den Weg im Gespräch. Im Strategiegespräch zur Ausbildung klären Daniela Isik und Birol Isik mit dir Ziel, Zeitplan und passenden Weg. Das Gespräch ist unverbindlich und gibt dir einen klaren Plan für die nächsten Wochen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zu unseren Ausbildungen findest du jeweils auf der verlinkten Seite.
Dein nächster Schritt: Ernährungscoach Ausbildung ansehen oder Infogespräch vereinbaren. Direkt starten: Ernährungscoach Ausbildung im Shop.
Redaktionell und fachlich geprüft von Daniela Isik (Co-Leiterin und Dozentin) und dem Team der SNF Academy. Die belegenden Studien aus PubMed und weiteren Quellen stehen im Abschnitt Quellen.















