Generation Z und Millennials gelten als die gesundheitsbewussteste Generation, die es je gab: Sie lesen Zutatenlisten, folgen Ernährungsprofilen und probieren pflanzliche Alternativen aus. Gleichzeitig prägen Zeitdruck, Lieferdienste und Snacks unterwegs den Alltag. Was stimmt, und was hilft wirklich?
Dieser Artikel verbindet Schweizer Daten mit der Forschungslage. Wir haben die nationale Ernährungserhebung menuCH-Kids gelesen, die vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV in Auftrag gegeben wurde, sowie sechs Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen aus der Datenbank PubMed. Eine Einschränkung vorab: Die Schweizer Erhebung betrifft 6- bis 17-Jährige. Zur Gruppe der Erwachsenen unter 35 haben wir keine aktuelle Schweizer Erhebung gelesen, deshalb sagen wir zu den Millennials nur, was sich belegen lässt. Auf die Generation Z als Fitnessgeneration gehen wir im Artikel Warum die Generation Z mehr Fitness treibt ein.
Wie ernähren sich junge Menschen in der Schweiz?
Die Studie menuCH-Kids ist die erste repräsentative nationale Ernährungserhebung bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz. Erhoben wurde in den Jahren 2023 und 2024 bei 1852 Teilnehmenden im Alter von 6 bis 17 Jahren. Die Daten stammen aus zwei 24-Stunden-Ernährungsprotokollen und einem Fragebogen. Die Ergebnisse sind in einer Zusammenfassung der Projektverantwortlichen in der Fachzeitschrift ars medici nachzulesen.
Positiv ist die Mahlzeitenstruktur: 70 Prozent frühstücken täglich, 76 Prozent essen täglich gemeinsam mit Erwachsenen zu Abend, und fast alle trinken täglich Wasser. Kohlenhydrat- und Ballaststoffzufuhr lagen im Rahmen der Empfehlungen. Auffälliger sind diese Punkte:
| Bereich | Ergebnis menuCH-Kids (6 bis 17 Jahre) |
|---|---|
| Obst und Gemüse | Nur 18 Prozent erreichten die empfohlenen fünf Portionen pro Tag |
| Hülsenfrüchte | Nur 20 Prozent essen sie wöchentlich; empfohlen ist mindestens einmal pro Woche |
| Fleisch | Durchschnittlich 88 Gramm pro Tag; männliche Jugendliche rund 135 Gramm, empfohlen sind zwei bis drei Portionen pro Woche |
| Gesüsste Getränke | Durchschnittlich 170 Gramm pro Tag, dazu 75 Gramm Fruchtsaft; 70 Prozent der jugendlichen Jungen trinken sie wöchentlich |
| Frühstück | Etwa ein Viertel der Jugendlichen lässt es regelmässig aus |
| Vitamin D | 27 Prozent unzureichend, 5 Prozent mangelhaft |
| Bewegung | Ein Fünftel der Jugendlichen (23 Prozent der Jungen, 16 Prozent der Mädchen) erreicht die von der WHO empfohlene Stunde pro Tag |
Die Autorinnen fassen zusammen: Der hohe Verzehr von Lebensmitteln mit viel Zucker, Salz und gesättigten Fettsäuren sowie von Fleisch bei geringem Konsum pflanzlicher Lebensmittel deutet auf erhebliches Verbesserungspotenzial hin. Ein interessanter Nebenbefund: 96 Prozent der Eltern gaben an, über ausgewogene Ernährung Bescheid zu wissen, die Daten zeigen aber trotzdem eine unausgewogene Ernährung bei jüngeren Kindern. Wissen und Umsetzung sind zwei Paar Schuhe. Als Hindernisse für eine ausgewogene Ernährung nannten Eltern vor allem Zeitmangel (17 Prozent) und Lebensmittelpreise (7 Prozent). Das klingt vertraut: Auch bei jungen Erwachsenen mit Ausbildung, Studium oder erstem Job entscheidet oft nicht das Wissen, sondern die Frage, was sich an einem vollen Tag realistisch kochen und einkaufen lässt.
Was hat Ernährung mit dem Wohlbefinden junger Menschen zu tun?
Wenn in sozialen Medien von «Ernährung für die Psyche» die Rede ist, lohnt der Blick in die Forschung. Eine systematische Übersichtsarbeit mit 12 Studien fand einen signifikanten Querschnittszusammenhang zwischen ungesunden Ernährungsmustern und schlechterer psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Es zeigte sich ausserdem ein konsistenter Trend: gute Ernährungsqualität und bessere psychische Gesundheit gehen zusammen Quelle 1.
Eine zweite Übersichtsarbeit mit 20 Studien kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, mit einer wichtigen Einschränkung: Wo signifikante Zusammenhänge berichtet wurden, waren die Effektstärken klein. Zudem wurden wichtige Störfaktoren wie der sozioökonomische Status oft nicht kontrolliert Quelle 3.
Zur mediterranen Ernährung fasste eine Übersichtsarbeit 13 Studien mit 3058 Kindern und Jugendlichen zusammen. Bei Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung fanden 5 von 7 Studien (71 Prozent) eine signifikante schützende Assoziation, bei Depression 4 von 5 Studien (80 Prozent) und bei Angst 2 von 4 Studien (50 Prozent) Quelle 2. Die Autoren sprechen von einem möglichen Schutzfaktor, nicht von einer Behandlung.
Wie solltest du das lesen?
Alle drei Übersichtsarbeiten zeigen Zusammenhänge. Sie zeigen nicht, dass eine bestimmte Ernährung psychischen Problemen vorbeugt oder sie auslöst. Denkbar ist auch, dass sich Menschen mit Beschwerden anders ernähren (Umkehrung der Richtung), oder dass Dritte wie Einkommen oder Schlaf beides beeinflussen. Dennoch ist die Linie stimmig: Eine ausgewogene Ernährung ist ein sinnvoller Teil eines gesunden Lebensstils, ohne psychische Erkrankungen erklären oder behandeln zu können. Vertiefend beschreiben wir den Zusammenhang im Artikel Mentale Gesundheit und Ernährung: Der Zusammenhang.
Wie wichtig sind stark verarbeitete Lebensmittel?
Ein Merkmal moderner Ernährung sind stark verarbeitete Lebensmittel: Fertigprodukte, Snacks, süsse Frühstücksprodukte, gesüsste Getränke. Eine neue Meta-Analyse hat 23 Studien mit rund 155 000 Jugendlichen ausgewertet. Jugendliche mit höherem Konsum hatten 63 Prozent höhere Chancen für Übergewicht oder Adipositas (Odds Ratio 1.63) Quelle 5.
Auch hier gilt: Es handelt sich um eine Assoziation. Sie sagt nicht, dass ein einzelnes Produkt schuld ist. Sie deutet aber darauf hin, dass Gewohnheiten, bei denen stark verarbeitete Lebensmittel den Alltag prägen, mit einem höheren Risiko für Übergewicht verbunden sind. Mehr Eigenzubereitung, Zutaten statt Fertigprodukte und Wasser statt gesüsster Getränke sind einfache Hebel. Wichtig ist, dass du dir nicht alles auf einmal vornimmst: Wer eine einzige Gewohnheit sauber verändert, hält länger durch als jemand, der von Montag an den ganzen Speiseplan umstellt.
Hilft Wissen allein? Ernährungsbildung im Check
Wenn Wissen nicht automatisch zu Verhalten führt, stellt sich die Frage, welche Art von Bildung wirkt. Eine Übersichtsarbeit wertete 22 Studien zu internetbasierten Ernährungsprogrammen für junge Erwachsene aus. Rund 82 Prozent der Studien zielten auf den Verzehr von Obst und Gemüse. Die Rückmeldungen und das Engagement waren insgesamt positiv, und die Autoren schliessen, dass solche Programme bei einigen nachhaltigen Ernährungsmerkmalen wirksam sein können Quelle 4. Sie fordern aber umfassendere Programme und Auswertungen.
Für Jugendliche zeigt eine Meta-Analyse zu schulischer Ernährungsbildung ein gemischtes Bild. In 11 Studien stieg der Obstkonsum geringfügig (um 0.09 Portionen pro Tag) und der Gemüsekonsum um 0.59 Mal pro Woche, beim kombinierten Obst-und-Gemüse-Verzehr fand sich dagegen kein signifikanter Effekt (SMD = 0.00) Quelle 6. Die Autoren werten die Ergebnisse insgesamt als günstig. Man kann es auch nüchtern lesen: Ernährungsbildung kann kleine Verschiebungen bewirken, aber Wunder sollte man nicht erwarten.
Das spricht für Begleitung statt Vortrag. Menschen ändern Gewohnheiten, wenn jemand zuhört, die Ausgangslage klärt und realistische Schritte mit ihnen vereinbart. Genau darauf setzt Ernährungscoaching.
Was kannst du als junge Erwachsene oder junger Erwachsener konkret tun?
Die Studien liefern keine Diät, aber sie legen Prioritäten nahe. Sie passen zu den Schweizer Empfehlungen, auf die sich menuCH-Kids bezieht.
- Pflanzlich aufstocken: Fünf Portionen Obst und Gemüse erreichten nur 18 Prozent. Beginne mit einer zusätzlichen Portion pro Tag, zum Beispiel Gemüse zum Mittagessen.
- Hülsenfrüchte einplanen: Mindestens einmal pro Woche sind empfohlen, nur 20 Prozent erreichen es. Linsen, Kichererbsen oder Bohnen eignen sich als Fleischersatz in vielen Gerichten.
- Flüssige Kalorien prüfen: Gesüsste Getränke und Fruchtsäfte summieren sich schnell. Wasser, ungesüsster Tee oder Mineralwasser sind einfache Ersatzgetränke.
- Frühstück bewusst entscheiden: Wenn du frühstückst, wähle etwas, das sättigt. Wenn du keinen Hunger hast, ist das in Ordnung. Wichtig ist, dass der Tag nicht in Snacks endet.
- Fertigprodukte reduzieren: Koche zwei bis drei Mal pro Woche selbst und bereite Reste für den nächsten Tag vor.
- Vitamin D im Blick: In der Erhebung war ein suboptimaler Vitamin-D-Status weit verbreitet. Lass dich bei Verdacht ärztlich beraten, bevor du etwas einnimmst.
Ernährung steht nie allein. Welche Trends bei Training und Gesundheit tragen und welche schnell verpuffen, ordnen wir im Artikel Fitness Trends 2027: Was sich durchsetzt und was nicht ein.
Was zeigen die Studien nicht? Grenzen der Evidenz
Eine ehrliche Bilanz der Studienlage:
- menuCH-Kids umfasst 6- bis 17-Jährige. Aussagen zu jungen Erwachsenen und Millennials lassen sich daraus nur eingeschränkt ableiten. Aktuelle Schweizer Erhebungsdaten zu Erwachsenen unter 35 haben wir für diesen Artikel nicht gelesen.
- Die Zusammenhänge zwischen Ernährung und psychischer Gesundheit stammen aus Übersichtsarbeiten, in denen Störfaktoren oft nicht kontrolliert wurden und Effekte klein waren Quelle 3.
- Die Meta-Analyse zu stark verarbeiteten Lebensmitteln zeigt eine Assoziation mit Übergewicht, keinen Beweis für Ursache und Wirkung Quelle 5.
- Für Ernährungsbildung sind die Effekte klein, und beim kombinierten Obst-und-Gemüse-Verzehr zeigte die schulische Meta-Analyse keinen signifikanten Effekt Quelle 6.
- Alle Studien betreffen Durchschnitte. Wie du dich ernähren solltest, hängt von Gesundheit, Alltag und persönlichen Zielen ab. Bei Erkrankungen gehört die Ernährung in ärztliche oder ernährungstherapeutische Hände.
Ein Ernährungscoach ersetzt keine Ärztin, keinen Arzt und keine Ernährungstherapie. Er begleitet gesunde Menschen präventiv.
Was heisst das für Menschen, die andere begleiten wollen?
Die Zahlen aus menuCH-Kids zeigen einen Beratungsbedarf: Viele wissen, was gesund wäre, setzen es aber nicht um. Wer andere beim Umsetzen unterstützen möchte, braucht Fachwissen und Gesprächskompetenz. Die Ernährungscoach-Ausbildung der SNF Academy startet bei den Grundlagen der Biologie, führt über Ernährung, Makro- und Mikronährstoffe, Hormone und Nutrition Timing bis zum Modul Ernährungscoaching mit Erstgespräch und Anamnese. Sie wird online absolviert, hat 365 Tage Zugang, schliesst mit dem Diplom «dipl. Ernährungscoach SNFA» ab und ist durch QualiCert geprüft. Wer Training und Ernährung verbinden will, ergänzt sie mit der Personal-Trainer-Ausbildung mit QualiCert-Anerkennung.
Warum gerade jüngere Menschen davon profitieren können, beschreiben wir im Artikel Wie die Generation Z mit der Ernährungscoach-Ausbildung ihre Gesundheit stärkt. Zum Thema Familien und Heranwachsende findest du Hintergründe auf der Seite Ernährungsberatung für Kinder und Jugendliche.
Auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt Birol Isik, Gründer der SNF Academy, im Business-Coaching. Daniela Isik, Co-Leiterin und Dozentin, gibt ihr Wissen in der YouTube-Masterclass weiter. Die Lerninhalte findest du auf der E-Learning-Plattform der SNF Academy, und für Sichtbarkeit im Netz sorgt Onspire mit SEO, KI-Sichtbarkeit und Marketing.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.











