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Warum die Generation Z mehr Fitness treibt

Treibt die Generation Z wirklich mehr Fitness? Schweizer Zahlen, Rolle von Social Media und Wearables, mentale Gesundheit und was die Studien nicht zeigen.

  • 11 Min. Lesezeit
Junge Erwachsene trainieren in einem modernen dunklen Fitnessstudio an Geräten
Kernaussage

Die jüngsten Altersgruppen gehören in der Schweiz zu den aktivsten und sind überdurchschnittlich oft Mitglied in einem Fitnesscenter.

«Die Generation Z ist fitnessverrückt»: Dieser Satz taucht in Branchengesprächen und Medienberichten regelmässig auf. Er klingt plausibel, denn in Fitnesscentern, auf Social-Media-Kanälen und bei Lauftreffs sind viele junge Menschen sichtbar. Ob es stimmt, ist eine andere Frage. Und falls es stimmt, warum?

Wir haben dafür die aktuelle Schweizer Bevölkerungsbefragung «Sport Schweiz 2026» gelesen und sechs Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen aus der Datenbank PubMed ausgewertet. Mit «Generation Z» meinen wir hier grob die Menschen, die ab Ende der 1990er Jahre geboren wurden. Die Schweizer Daten sind nach Altersgruppen gegliedert (zum Beispiel 15 bis 24 Jahre), sie decken sich also nur teilweise mit dieser Generation. Das ist wichtig für die Einordnung.

Treibt die Generation Z wirklich mehr Fitness?

Beginnen wir mit den Zahlen. Die Befragung «Sport Schweiz 2026» des Schweizer Sportobservatoriums, die im Auftrag des Bundesamts für Sport BASPO und weiterer Partner erschienen ist, beschreibt die Sportaktivität der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren. Ihr Befund: Die Verteilung über die Altersgruppen ist U-förmig. Die höchste Aktivität zeigt sich bei den 15- bis 24-Jährigen und den 65- bis 74-Jährigen, die tiefste bei den 35- bis 54-Jährigen. In den jüngeren Altersgruppen bleibt die Sportaktivität stabil oder steigt, wie bei den 25- bis 34-Jährigen, leicht an.

Das ist die erste ehrliche Einordnung: Junge Menschen sind sehr aktiv. Aber die Studie zeigt auch eine Stagnation der Sportentwicklung insgesamt. Von einem Boom, der gerade durch eine neue Generation getragen würde, ist in diesen Daten nichts zu lesen. Und ob 15- bis 24-Jährige früher weniger aktiv waren, lässt sich aus einer einzelnen Erhebung nicht ableiten. Der Titel dieses Artikels beschreibt deshalb eher einen Eindruck als einen belegten Fakt. Was sich belegen lässt, ist ein hoher Aktivitätsgrad und eine hohe Nutzung von Fitnessangeboten.

AltersgruppeMitglied in einem Fitnesscenter (Schweiz 2026)
15 bis 24 Jahre26 Prozent
25 bis 34 Jahre30 Prozent
35 bis 44 Jahre24 Prozent
45 bis 54 Jahre20 Prozent
65 bis 74 Jahre19 Prozent
Gesamtbevölkerung22 Prozent

Die Mitgliedschaft in einem Fitnesscenter stieg von 19 Prozent im Jahr 2020 auf 22 Prozent im Jahr 2026. Jüngere Personen sind eher im Fitnesscenter anzutreffen als ältere. Ein besonders hohes Wachstum von 5 Prozentpunkten zeigen die 25- bis 34-Jährigen sowie die 55- bis 64-Jährigen. Die Zunahme verteilt sich also über mehrere Altersgruppen und ist keine reine Gen-Z-Geschichte. Gleichzeitig ist jede dritte Person zwischen 15 und 24 Jahren in einem Sportverein aktiv. Junge Menschen wählen also nicht nur Fitnesscenter, sondern auch klassische Angebote.

Warum entscheiden sich junge Menschen für ein Fitnesscenter?

Die Befragung hat Mitglieder gefragt, was für sie der wichtigste Vorteil eines Fitnesscenters gegenüber anderen Sportangeboten wie einem Verein ist. Die Antworten sind aufschlussreich:

  • keine Verpflichtung beziehungsweise mehr Ungebundenheit: 19 Prozent
  • höhere Flexibilität: 17 Prozent
  • bessere Öffnungszeiten und höhere Verfügbarkeit: 17 Prozent
  • besseres oder anderes Angebot: 14 Prozent
  • bessere Betreuung und Beratung: 8 Prozent

Nur je 2 Prozent geben an, wegen Kolleginnen und Freunden hinzugehen oder weil Fitnesscenter moderner und angesagter wirken. Das räumt mit einem Klischee auf: Der Trend ist weniger eine Frage von Status oder Mode als von Alltagstauglichkeit. Wer Ausbildung, Studium, Nebenjob und Freunde unter einen Hut bringen muss, wählt, was sich spontan einplanen lässt. Die Befragung erfasst dabei alle Mitglieder, nicht nur die jüngsten.

Auch die Motive sind weniger «hip», als man denkt. Für die Mehrheit der Sporttreibenden sind Gesundheit, Fitness, Freude an der Bewegung und das Naturerlebnis wichtige Beweggründe. «Fitness und Gesundheit» sowie «Freude an der Bewegung» erzielen in allen Altersgruppen konstant hohe Werte. Das Motiv «Figur und Aussehen» wird dagegen in der ersten Lebenshälfte klar wichtiger eingestuft, ebenso «Entspannung und Stressabbau». Jüngere trainieren also nicht aus völlig anderen Gründen, sie gewichten sie anders. Wie solche Motive zusammenwirken und welche langfristig tragen, beschreiben wir im Artikel Motivation für Sport finden: Psychologie hinter Gewohnheiten.

Welche Rolle spielen Social Media?

Die Befragung zeigt, wo junge Menschen das Sportgeschehen verfolgen: Bei den 15- bis 24-Jährigen nennen 50 Prozent die sozialen Medien und ebenfalls 50 Prozent das Fernsehen, bei den 65- bis 74-Jährigen sind es nur 8 Prozent für die sozialen Medien. Bei jüngeren Generationen sind die sozialen Medien also mittlerweile ebenso beliebt wie das Fernsehen. Das sagt aber nur etwas über das Verfolgen von Sport, nicht über das eigene Training.

Ob soziale Medien Menschen tatsächlich zu mehr Bewegung bringen, haben Forschende untersucht. Eine systematische Übersichtsarbeit hat 18 Studien zu Interventionen über Social Media zusammengefasst. Die Zielgruppe war überwiegend junge Frauen zwischen 18 und 35 Jahren an Hochschulen. Die Interventionen berichteten positive Veränderungen bei körperlicher Aktivität und Ernährungsverhalten, zum Beispiel über Facebook-Gruppen, Gamification und Bildaustausch Quelle 1. Die Autoren nennen aber selbst Einschränkungen: unterschiedliche Studiendesigns und die starke Abhängigkeit von Selbstauskünften Quelle 1.

Eine weitere Übersichtsarbeit zu Studierenden fand in 15 von 19 Studien eine Verbesserung der körperlichen Aktivität durch Social Media oder Textnachrichten, drei Studien fanden keine Verbesserung und eine berichtete eine Verschlechterung. Die Interventionen waren wirksamer, wenn soziale Gruppen entstanden Quelle 3. Das passt zum Bild von Gruppenchats und gemeinsamen Zielen als Motor.

Das Risiko: Fehlinformation

Dieselben Kanäle verbreiten auch Fragwürdiges. Eine systematische Übersichtsarbeit zu Fehlinformation über körperliche Aktivität in sozialen Medien schloss 33 Studien ein, am häufigsten wurde YouTube untersucht (13 Studien), gefolgt von TikTok (7 Studien) Quelle 2. Die Autoren heben die Verbreitung von Inhalten geringer Qualität über verschiedene Plattformen hinweg hervor und bemängeln fehlende Langzeitstudien Quelle 2. Für junge Menschen heisst das: Social Media kann motivieren, ist aber kein Ersatz für fachlich geprüfte Information. Genau hier haben qualifizierte Trainerinnen, Trainer und Coaches eine Aufgabe.

Bringen Tracker und Wearables mehr Bewegung?

Smartwatches und Fitnessarmbänder sind ein zweites Symbol der jungen Fitnesskultur. Für Jugendliche in Schulen hat eine Übersichtsarbeit mit 15 Studien, von denen 10 in die Meta-Analyse eingingen, untersucht, ob Tracker die Aktivität steigern. Das Ergebnis: Es zeigte sich keine statistisch signifikante Wirkung auf Schritte, mittelstarke bis intensive Bewegung oder Kalorien Quelle 4. Nur eine Studie mit hochwertiger Messung berichtete einen deutlichen positiven Effekt auf die Schrittzahl Quelle 4. Die Autoren halten weitere Forschung für nötig.

Daraus folgt nicht, dass Tracker nutzlos sind. Es folgt, dass das Gerät allein keine Bewegung erzeugt. Entscheidend scheint, was im Alltag mit den Daten passiert, zum Beispiel ob jemand Ziele ableitet oder im Austausch mit anderen steht. Dazu fehlt in der gelesenen Arbeit die Evidenz, deshalb bleibt es eine Vermutung.

Spielt mentale Gesundheit eine Rolle?

Viele junge Menschen nennen Stressabbau und Wohlbefinden als Gründe für Bewegung. Auch dazu gibt es Forschung. Eine Meta-Analyse zu aerobem Training bei jungen Menschen mit Blick auf Depressionssymptome schloss 26 Studien mit insgesamt 1308 Teilnehmenden ein und fand eine deutliche Verringerung der Symptome (g = -0.92) Quelle 5. Eine Netzwerk-Meta-Analyse mit 35 randomisierten Studien und 5393 Kindern und Jugendlichen kam zum Ergebnis, dass Training Symptome verbessert und aerobes Training den grössten Effekt hatte Quelle 6.

Wichtig ist die Einordnung: Das sind Studien zu Symptomen in Forschungssettings, teils mit Teilnehmenden, die bereits Beschwerden hatten. Sie bedeuten nicht, dass Sport eine Therapie ersetzt. Wer sich über längere Zeit niedergeschlagen oder überfordert fühlt, sollte ärztliche oder psychologische Hilfe holen. Vertiefende Gedanken zur mentalen Gesundheit junger Menschen findest du auf unserer Seite Mental Health bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Zum Zusammenspiel von Ernährung und Alltag lohnt sich unser Artikel Wie Generation Z und Millennials ihre Gesundheit durch Ernährung stärken.

Was zeigen die Daten nicht?

Eine seriöse Antwort auf die Titelfrage enthält mehrere Vorbehalte:

  • Es gibt in den gelesenen Quellen keinen Beleg, dass die Generation Z mehr trainiert als frühere Generationen im gleichen Alter. Die Schweizer Daten zeigen hohe Aktivität junger Menschen, aber eine Stagnation insgesamt.
  • Die Altersgruppen der Befragung (15 bis 24, 25 bis 34) sind nicht deckungsgleich mit der Generation Z.
  • Die Studien zu Social Media beruhen laut den Autoren stark auf Selbstauskünften, und die Teilnehmenden sind häufig Studierende Quelle 1.
  • Für Tracker bei Jugendlichen in Schulen fand die Meta-Analyse keinen signifikanten Effekt Quelle 4. Für andere Altersgruppen und Situationen kann das anders aussehen.
  • Studien zu Training und Depressionssymptomen sagen nichts darüber, was auf Dauer im Alltag jedes Einzelnen passiert.

Auf diesem Hintergrund ist die präzisere Aussage: Junge Menschen in der Schweiz sind sehr aktiv und nutzen Fitnessangebote überdurchschnittlich. Die Evidenz zu den Gründen ist teils indirekt.

Was heisst das für Fitnessbranche und Berufseinsteiger?

Für Studios, Trainerinnen und Coaches ergibt sich daraus ein praktischer Blick. Junge Kundschaft sucht Flexibilität, Verfügbarkeit und Beratung, die ernst nimmt, dass Alltag und Ausbildung wenig Raum lassen. Sie informiert sich in sozialen Medien und trifft dort auf viel Unsicheres. Wer fachlich fundiert, verständlich und online auffindbar ist, hat einen Vorteil.

Für junge Menschen, die selbst beruflich in diese Richtung gehen möchten, zeigt unsere Seite Fitness als Karriere für Gen Z die Berufsbilder. Die SNF Academy bietet dafür zwei Online-Ausbildungen an: die Personal-Trainer-Ausbildung mit QualiCert-Anerkennung und die Ernährungscoach-Ausbildung. Beide laufen komplett online mit 365 Tagen Zugang, die Inhalte sind durch QualiCert geprüft. Wie die Ernährungscoach-Ausbildung zur eigenen Gesundheit beitragen kann, zeigt der Artikel Wie die Generation Z mit der Ernährungscoach-Ausbildung ihre Gesundheit stärkt.

Wer nach der Ausbildung ein eigenes Angebot aufbaut, kann sich im Business-Coaching von Birol Isik begleiten lassen. Daniela Isik, Co-Leiterin und Dozentin der SNF Academy, teilt Wissen in ihrer YouTube-Masterclass. Die Lerninhalte findest du auf der E-Learning-Plattform der SNF Academy. Und damit junge Zielgruppen dich im Netz finden, unterstützt Onspire bei SEO, KI-Sichtbarkeit und Marketing.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Birol Isik, Gründer der SNF Academy
Über den Autor

Birol Isik

Birol Isik ist Schweizer Unternehmer, Mentor, Mindset Coach und Gründer der SNF Academy. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem auf Coaching, Kommunikation, Selbstführung und beruflicher Entwicklung. Als Berater und Coach begleitet er Menschen seit 2005.

Zum Profil birolisik.ch

Häufige Fragen.

Die wichtigsten Antworten zum Beitrag, kurz und verständlich.

Treibt die Generation Z mehr Sport als frühere Generationen?

Das lässt sich mit den gelesenen Daten nicht belegen. Die Befragung «Sport Schweiz 2026» zeigt, dass die 15- bis 24-Jährigen zu den aktivsten Altersgruppen gehören. Gleichzeitig beschreibt sie eine Stagnation der Sportentwicklung insgesamt. Ein Vergleich mit früheren Generationen im gleichen Alter fehlt.

Wie viele junge Menschen in der Schweiz sind im Fitnesscenter?

Laut «Sport Schweiz 2026» besitzen 26 Prozent der 15- bis 24-Jährigen und 30 Prozent der 25- bis 34-Jährigen ein Fitnesscenter-Abonnement. In der Gesamtbevölkerung sind es 22 Prozent.

Warum gehen junge Menschen ins Fitnesscenter?

Als wichtigsten Vorteil nennen Mitglieder die fehlende Verpflichtung (19 Prozent), die Flexibilität (17 Prozent) und die Verfügbarkeit (17 Prozent). Nur je 2 Prozent nennen Freunde oder einen modernen, angesagten Ruf. Die Zahlen gelten für alle Mitglieder.

Motivieren soziale Medien zu mehr Bewegung?

Studien berichten überwiegend positive Veränderungen bei Aktivität und Ernährungsverhalten, vor allem bei Studierenden und wenn soziale Gruppen entstanden Quelle 3. Die Autoren verweisen aber auf Einschränkungen wie Selbstauskünfte und unterschiedliche Studiendesigns Quelle 1. Zudem verbreiten sich in sozialen Medien auch Fehlinformationen Quelle 2.

Bringen Fitnesstracker bei Jugendlichen mehr Bewegung?

Eine Meta-Analyse zu Jugendlichen in Schulen fand keinen statistisch signifikanten Effekt auf Schritte, mittelstarke bis intensive Bewegung oder Kalorien Quelle 4. Weitere Forschung ist nötig, ein Gerät allein scheint nicht zu genügen.

Ersetzt Sport eine Therapie bei Niedergeschlagenheit?

Nein. Meta-Analysen berichten, dass Training Depressionssymptome bei jungen Menschen verringern kann Quelle 5 Quelle 6. Das ersetzt keine ärztliche oder psychologische Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden hole bitte professionelle Hilfe.