Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten täglich mit Bewegung und Belastung. Viele fragen sich, ob sie ihr Wissen um Training für gesunde Menschen erweitern möchten, etwa für Kundinnen, die nach der Therapie weitertrainieren, oder für ein eigenes Angebot neben der Praxis.
Dieser Artikel zeigt, wie ein Personal Training Fernstudium für Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten aussehen kann. Er ordnet die zwölf Module des Workbooks nach Bekanntem und Neuem, nennt Studien mit ihren Grenzen und zieht eine klare Linie zwischen Personal Training und Therapie.
Was bringst du als Physiotherapeut oder Physiotherapeutin schon mit?
Du bringst Anatomie, Physiologie, Bewegungsanalyse und den Umgang mit Menschen mit. Das ist eine gute Grundlage. Modul 1 des Workbooks, Anatomie und Physiologie, und Teile von Modul 2 werden dir deshalb vertraut vorkommen. Du nutzt sie, um Wissen aufzufrischen und mit der Sprache des Trainings zu verbinden.
Neu ist meist die Perspektive. In der Physiotherapie steht oft die Behandlung einer Funktionsstörung im Mittelpunkt, im Personal Training das Erreichen von Trainingszielen bei gesunden Personen: Muskelaufbau, Kraft, Ausdauer, Fitness. Dazu gehören Planung über Wochen und Monate und ein Gespräch, das Ziele und Gründe klärt.
Wir sagen bewusst nicht, dass dir etwas fehlt. Wir sagen, dass das Fernstudium Themen ergänzt, die in der Praxis anders gewichtet sind. Den Vergleich von Zusatzwegen beschreibt der Beitrag Physiotherapeut als Coach oder Personal Trainer.
Wie läuft das Fernstudium neben Praxis und Schichten ab?
Das Fernstudium der SNF Academy ist zu 100 Prozent online. Du hast 365 Tage Zugang und lernst im eigenen Tempo. Es gibt keinen Stundenplan und keine Präsenzpflicht. Das ist praktisch bei wechselnden Einsatzzeiten, Teilzeit oder Praxisleitung.
Der Ablauf ist einfach. Nach der Anmeldung lernst du mit Videos, PDFs und Übungslisten. Die Prüfung ist ein Multiple-Choice-Test, den du online ablegst. Danach ist das Diplom digital verfügbar. Das Workbook liegt für Teilnehmende im Campus unter snfa-campus.ch zum Download bereit.
Physiotherapeutinnen mit Fortbildungspflichten oder Weiterbildungsplänen können die Lernzeit gut einbauen. Wir prüfen nicht, ob die Ausbildung als Fortbildung bei deinem Berufsverband gilt. Frag bei Bedarf selbst nach.
Welche Module sind bekannt, welche sind neu?
Die folgende Übersicht ist eine Orientierung. Jede Physiotherapeutin hat ein anderes Profil, und die Einteilung ist ein Vorschlag. Das Workbook umfasst 164 Seiten.
| Modul im Workbook | Wahrscheinlich bekannt | Wahrscheinlich neu oder anders gewichtet |
|---|---|---|
| 1 Anatomie und Physiologie | Aufbau, Muskeln, Bewegungsapparat | Muskelphysiologie aus Trainingssicht |
| 2 Motorische Fähigkeiten | Koordination, Beweglichkeit | Ganzheitliche Fitnessberatung |
| 3 Grundlagen Kraftsport | Belastungsprinzipien | Parameter, Methoden, Leistungsvoraussetzungen |
| 4 Trainingsablauf | Aufwärmen, Dehnen | Reihenfolge, Pausen, Satzzahlen |
| 5 Trainingsgeräte | Therapie- und Trainingsgeräte | Freihanteln und Kraftgeräte im Fitnesscenter |
| 6 Übungen | Viele Basisübungen | Übungskatalog mit 60 Übungen in Trainersprache |
| 7 Regeneration und Übertraining | Erholung, Belastung | Regenerationszeiten der Trainingsarten |
| 8 Trainingsplanerstellung | Dosierung | Split-Pläne, Periodisierung, Zyklen |
| 9 Energiebereitstellung | Stoffwechsel-Grundlagen | Energiesysteme im Training |
| 10 Nahrungsergänzungsmittel | teilweise | Einordnung für gesunde Trainierende |
| 11 Doping | selten Thema | Grundwissen und Verantwortung |
| 12 Personaltraining | Gespräch, Anamnese | Bedarfsanalyse, Coaching, Kundenbindung |
Neues Terrain sind vor allem die Module 8, 11 und 12 sowie die Trainer-Perspektive in den Modulen 3 bis 7.
Was enthält das Workbook für deinen Alltag?
Jedes Modul beginnt mit Lernzielen und verweist auf die passende Lektion im Campus. Danach folgen Erklärtext, Originalfolien, Evidenz-Check und ein Arbeitsbereich mit Schlüsselbegriffen und Reflexionsfragen.
Der Übungskatalog (Seiten 60 bis 121) zeigt 60 Übungen, jeweils mit Ausgangs- und Endposition in zwei Bildern und einem Text zu Ausführung und beanspruchten Muskeln. Er ist gegliedert nach Körperbereichen. Du kannst ihn nutzen, um Begriffe zu vergleichen: Wie beschreibst du die Kniebeuge in der Therapie, wie in der Sprache des Trainings?
Vor dem Katalog steht ein Hinweis, der für Physiotherapeutinnen selbstverständlich klingt: Bei Verletzungen, Schmerzen oder Beschwerden empfiehlst du zuerst den Check bei Ärztin, Arzt oder Sportmedizin. Das Workbook ersetzt keine medizinische Beratung.
Es gehört zur Ausbildung und wird nicht einzeln verkauft. Es ersetzt weder die Lektionen noch dein eigenes Studium.
Was sagen Umfragen zu Krafttraining in der Physiotherapie?
Mehrere Umfragen untersuchten, wie Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten Training einsetzen. In einer internationalen Befragung mit 1352 Teilnehmenden aus 56 Ländern sahen 89 Prozent die Verordnung von Krafttraining als Teil ihrer Rolle. Gleichzeitig gaben weniger an, dass sie sich dafür sicher fühlen oder ausgebildet sind, nämlich 49 bis 70 Prozent. Als gewünschte Weiterbildung wurden Workshops am häufigsten genannt (Barton et al., 2021).
Eine US-Umfrage mit 777 Physiotherapeutinnen und 648 Studierenden fand, dass fast 90 Prozent häufig Krafttraining verordnen. Über 48 Prozent der Therapeutinnen fanden, ihre Ausbildung habe sie nicht ausreichend vorbereitet, Krafttraining anzuwenden. Mehr Ausbildung und eigenes Krafttraining erhöhten die Chance auf höhere Wissenswerte (Handlery et al., 2021).
Diese Zahlen sagen nichts über die Qualität von Physiotherapeutinnen in der Schweiz. Beide Studien sind Umfragen mit eigener Auswahl der Teilnehmenden und mit eigenen Fragen. Sie zeigen, dass viele Fachpersonen selbst mehr Wissen zum Krafttraining wünschen. Das ist ein Grund, warum manche zusätzlich ein Training-Fernstudium prüfen.
Was zeigen Studien zu Trainingsplanung?
Ein Kernthema des Workbooks ist die Planung. Ein Positionspapier der Fachgesellschaft zu Progressionsmodellen empfiehlt für Einsteiger eine Trainingshäufigkeit von zwei bis drei Tagen pro Woche und Lasten im Bereich von 8 bis 12 Wiederholungsmaximum. Es betont, dass Empfehlungen im Kontext von Ziel, körperlicher Leistungsfähigkeit und Trainingsstand zu lesen sind (American College of Sports Medicine, 2009).
Zur Frage, wie oft eine Muskelgruppe pro Woche trainiert werden sollte, fand eine Metaanalyse mit 25 Studien keinen signifikanten Unterschied zwischen höherer und niedrigerer Frequenz bei gleichem Volumen. Man könne die Frequenz nach persönlicher Vorliebe wählen (Schoenfeld et al., 2019).
Die Einordnung: Beide Quellen betreffen gesunde Erwachsene und Muskelwachstum bzw. Kraft, nicht Rehabilitation. Für Menschen mit Beschwerden gelten andere Fragen. Genau hier trennen sich Personal Training und Therapie. Das Workbook nennt diese Grenze und verweist auf Ärztin, Arzt oder Sportmedizin.
Wo liegt die Grenze zwischen Personal Training und Therapie?
Personal Training begleitet gesunde Menschen bei Fitness- und Trainingszielen. Es stellt keine Diagnosen und gibt keine Therapie. Wer Beschwerden hat, wird an Fachpersonen verwiesen. Du kennst diese Linie aus deinem Beruf, sie gilt im Personal Training genauso.
Für deine Kommunikation heisst das: Beschreibe dein Angebot klar als Training. Verwende keine Heilversprechen. Hol dir bei Unsicherheit das Okay der behandelnden Ärztin oder des Arztes. Das Workbook erwähnt im Modul 12 einen Gesundheitsbogen, den du vorab sendest und der Verletzungen, Krankheiten und Medikamente abfragt.
Wer die Rollen trennt, schützt Kundschaft und sich selbst. Eine Übersicht zur Zusammenarbeit von Personal Trainern und Physiotherapie zeigt die Seite Personal-Trainer-Weiterbildung für Physiotherapeuten.
Wie begleitest du Menschen, die aus der Therapie ins Training wechseln?
Viele Patientinnen und Patienten fragen am Ende einer Behandlungsserie, wie sie dranbleiben können. Hier setzt Personal Training an, sofern die zuständige Fachperson grünes Licht gibt. Du kannst den Übergang strukturieren, ohne die Therapie zu ersetzen.
Ein möglicher Ablauf: Du klärst mit der Kundin die Ziele, fragst nach der Rückmeldung der Ärztin oder des Arztes und besprichst den Gesundheitsbogen. Danach schreibst du einen Plan mit klaren Schritten und passt ihn nach jedem Termin an. Das Workbook beschreibt dieses Vorgehen in Modul 12 mit Bedarfsanalyse, Trainingsplananalyse, Planerstellung und Coaching.
Wichtig ist die Sprache. Du erklärst Übungen ohne Fachwörter, wenn die Person sie nicht kennt, und sagst «Beinmuskeln» statt «Quadrizeps». Das fällt Fachpersonen anfangs manchmal schwer. Der Arbeitsbereich in Modul 12 verlangt deshalb, eine Grundübung im festen Ablauf zu erklären: Name, Muskeln, Körperhaltung, Ausführung, Atmung.
Bleibt Schmerz oder ein neues Symptom, stoppst du und verweist zurück. Eine Übersicht zu Übertraining und Warnzeichen findest du im Beitrag Übertraining erkennen und vermeiden. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Wie baust du das Lernen in den Praxisalltag ein?
Plane die Lernzeit wie einen Behandlungstermin. Ein Beispiel: Du legst zwei kurze Fenster in die Woche, eines zwischen Terminen oder in der Mittagspause, eines am Abend. Im ersten schaust du eine Lektion, im zweiten füllst du den Arbeitsbereich aus.
Bei Modulen, die du kennst, genügt oft ein schneller Durchgang, bei neuen Modulen planst du mehr Zeit. Starte nicht mit Modul 1, wenn du dich dort sicher fühlst. Springe nach einem Blick auf die Lernziele zu Modul 8 oder 12 und kehre später zurück.
Zwölf Module ergäben bei einem Modul pro Woche zwölf Wochen. Das ist ein Rechenbeispiel. Wenn du Module überspringst und schneller bist, ist das in Ordnung. Du hast 365 Tage Zugang.
- Woche 1 bis 2: Modul 1 bis 3, schneller Durchgang, Lücken markieren
- Woche 3 bis 5: Modul 4 bis 6, Übungskatalog durchgehen
- Woche 6 bis 7: Modul 7 und 8, Planung üben
- Woche 8 bis 10: Modul 9 bis 11
- Woche 11 bis 12: Modul 12, Bedarfsanalyse und Coaching
Was hast du nach dem Fernstudium in der Hand?
Du hast ein Diplom, das zu deinem Beruf passt, und ein Nachschlagewerk. Du kannst Trainingspläne schreiben, Übungen verständlich erklären und Gespräche zu Zielen führen. Du entscheidest, ob du das Wissen in der Praxis, in einem Fitnessstudio oder in einem eigenen Angebot nutzt. Wir machen keine Aussagen zu Verdienst oder Anstellung.
Die Personal-Trainer-Ausbildung ist durch QualiCert geprüft und anerkannt. Absolventinnen und Absolventen verfügen über vertieftes Wissen und können Kunden im Fitnessstudio, im Outdoor-Training oder in Sportvereinen professionell beraten und betreuen. Wir empfehlen unseren Teilnehmenden, erste praktische Erfahrungen im Fitnessstudio zu sammeln und sich laufend weiterzuentwickeln. Nach der Ausbildung kannst du dich durch QualiCert zertifizieren lassen. Bei Fragen nimm unverbindlich Kontakt mit unseren Expertinnen und Experten auf.
Mehr zu Praxis-Angeboten für Physiocenter findest du unter SNF Academy Kurse für Physiocenter.
Wer steht hinter der Ausbildung?
Die SNF Academy gibt es seit 2005. Birol Isik hat sie in Zürich gegründet, Daniela Isik ist Dozentin und entwickelt die Inhalte seit 2012 mit ihm weiter. Mehr zu Birol Isik steht auf birolisik.ch, zu Daniela Isik auf danielalovric.ch. Für Auftritt und Sichtbarkeit einer Praxis oder eines Angebots gibt es Onspire.
Die Ausbildung findest du im Überblick unter Personal-Trainer-Ausbildung im Fernstudium mit allen Details. Bei Fragen kannst du unverbindlich Kontakt aufnehmen.
Weiterlesen
- Personal Trainer im Fernstudium: Das Workbook zur Ausbildung
- Workbook Personal Trainer: Übungskatalog, Module und Aufbau
- Ernährung online im Fernstudium lernen als Physiotherapeut
- Personal Training im Fernstudium lernen als Pflegefachperson
- Personal Training online lernen als Vereinstrainer im Fernstudium
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Das Workbook ersetzt weder die Lektionen noch das eigene Studium noch ärztliche oder sportmedizinische Beratung. Angaben zur Ausbildung findest du auf der verlinkten Seite.











