Das ist der Punkt, an dem die meisten Personal Trainer in der Schweiz ins Stocken geraten – nicht, weil ihnen das fachliche Wissen fehlt, sondern weil niemand ihnen gezeigt hat, wie sie in den ersten drei Monaten strukturiert vorgehen. Dieser Ratgeber liefert dir den 90-Tage-Plan dafür – plus die Antworten auf die 50 Fragen, die uns angehende und aktive Personal Trainer zum Marketing am häufigsten stellen.
Dieser Beitrag gehört zum Personal Trainer Ratgeber, der Praxis, Fachkompetenz und Business für Personal Trainer umfassend zusammenfasst. Ergänzend dazu zeigt der Praxis-Ratgeber für Personal Trainer und Ernährungscoach, wie dieser Schritt in den gesamten Praxis-Ablauf einfliesst.
Der 90-Tage-Marketingplan im Überblick
Ein Marketingplan scheitert in der Praxis selten an der Idee – er scheitert daran, dass er nirgends konkret genug ist, um ihn tatsächlich abzuarbeiten. Die folgenden drei Phasen sind bewusst so gebaut, dass sie sich mit den Fragen und Antworten weiter unten im Artikel verzahnen: Jede Phase greift auf einzelne Antworten aus der Sammlung zurück, wenn es um Details geht.
Fundament & Positionierung
Tage 1–30
Nische festlegen, Grundauftritt aufbauen (Website, ein bis zwei Social-Media-Kanäle, Google My Business), erste Fotos oder Videos erstellen, persönliches Umfeld gezielt ansprechen.
Sichtbarkeit aufbauen
Tage 31–60
Fester Content-Rhythmus (mindestens zwei bis drei Beiträge pro Woche), erste Kooperationen mit lokalen Anbietern, Testimonials der ersten Kundinnen und Kunden einholen.
Auswerten & verfestigen
Tage 61–90
Analysetools auswerten, funktionierende Kanäle stärken, schwache Formate streichen, festen Wochenrhythmus etablieren, der auch nach den 90 Tagen trägt.
Phase 1 (Tage 1–30): Fundament, bevor du sichtbar wirst
Der grösste Fehler in den ersten 30 Tagen ist, sofort mit Content zu starten, ohne vorher die eigene Positionierung geklärt zu haben. Wer als „Personal Trainer für alle“ auftritt, konkurriert mit jedem Studio und jeder Online-Plattform gleichzeitig – wer sich auf eine klare Zielgruppe festlegt, wird dagegen schneller gefunden und schneller weiterempfohlen. Die ersten 30 Tage sind deshalb Aufbauarbeit im Hintergrund: Nische festlegen, einen professionellen Grundauftritt schaffen (Website, ein bis zwei Social-Media-Profile, ein vollständiges Google-My-Business-Profil) und die ersten Kontakte im eigenen Umfeld gezielt ansprechen, statt auf den Zufall zu warten.
In Chiasso (TI) hat ein frisch diplomierter Personal Trainer genau diese Reihenfolge eingehalten: Statt in der ersten Woche bereits Trainingsvideos zu posten, hat er zunächst zwei Wochen in die eigene Positionierung investiert – „Krafttraining für Berufstätige ab 40 mit wenig Zeit“ – und erst danach den ersten Beitrag veröffentlicht. Die ersten drei Kunden kamen nicht über Social Media, sondern über die persönliche Ansprache ehemaliger Arbeitskolleginnen und -kollegen, die genau in diese Zielgruppe fielen.
Phase 2 (Tage 31–60): Sichtbarkeit, die sich wiederholt
Sobald das Fundament steht, entscheidet in der zweiten Phase vor allem eines über den Erfolg: Wiederholung. Ein einzelner guter Beitrag verändert selten etwas – ein fester Rhythmus von zwei bis drei Beiträgen pro Woche über mehrere Wochen dagegen schon. In dieser Phase lohnt es sich zusätzlich, die ersten kleinen Kooperationen zu suchen – etwa mit einem Physiotherapiezentrum, einem Ernährungscoach oder einem lokalen Fitnessgeschäft – und die ersten Kundinnen und Kunden aktiv um eine kurze Rückmeldung zu bitten, die sich später als Testimonial nutzen lässt.
In Muri bei Bern hat eine Personal Trainerin in dieser Phase bewusst auf Tempo statt auf Perfektion gesetzt: einfache Handyvideos statt aufwendiger Produktionen, dafür drei Mal pro Woche über acht Wochen konstant. Parallel hat sie ein nahegelegenes Physiotherapiezentrum kontaktiert und eine lockere Empfehlungspartnerschaft aufgebaut – Patientinnen und Patienten am Ende ihrer Therapie erhalten seither einen Hinweis auf ihr Angebot.
Phase 3 (Tage 61–90): Auswerten statt raten
Nach zwei Monaten reiner Umsetzung lohnt sich ein bewusster Zwischenstopp: Welcher Kanal hat tatsächlich Anfragen gebracht, welcher hat vor allem Zeit gekostet? Diese Auswertung muss nicht kompliziert sein – ein Blick in die Besucherzahlen der eigenen Website, die Kontaktanfragen aus Social Media und ein ehrliches Gespräch mit den ersten Kunden darüber, wie sie überhaupt auf einen aufmerksam geworden sind, reichen meist aus. Auf dieser Grundlage werden in Phase 3 die funktionierenden Kanäle verstärkt und die schwachen bewusst reduziert – nicht aus Bauchgefühl, sondern anhand dessen, was in den ersten 60 Tagen tatsächlich Anfragen gebracht hat.
In Rorschacherberg (SG) hat ein Trainer nach 60 Tagen festgestellt, dass praktisch alle Anfragen über persönliche Empfehlungen und ein einziges Social-Media-Profil kamen, während ein zweiter, parallel bespielter Kanal kaum Resonanz brachte. Er hat den zweiten Kanal daraufhin bewusst pausiert und die frei gewordene Zeit in mehr persönliche Gespräche und Probetrainings investiert – mit spürbar besserer Auslastung im dritten Monat.
«Ein 90-Tage-Plan ersetzt keine Strategie – er sorgt nur dafür, dass du sie tatsächlich umsetzt, statt sie dir nur vorzunehmen.
„Die meisten Personal Trainer scheitern im Marketing nicht an fehlenden Ideen, sondern an fehlender Konsequenz. Ein Plan, der 90 Tage lang jede Woche eingehalten wird, schlägt jede brillante Idee, die nur einmal umgesetzt wird.“»
Marketing als Teil des eigenen Business aufbauen
Positionierung, Kundengewinnung und Marketing strukturiert lernen – als Teil der Personal Trainer Business Masterclass.
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So gewinnst du deine ersten 10 Kunden als Personal Trainer
Der 90-Tage-Plan gibt dir die zeitliche Struktur – die folgenden zehn Schritte übersetzen ihn in eine konkrete Abfolge, die du direkt nach dem Diplom Punkt für Punkt abarbeiten kannst. Sie bauen aufeinander auf: Wer Schritt 3 vor Schritt 1 angeht, verschenkt in aller Regel Zeit und Anfragen.
Positionierung festlegen
Bevor der erste Beitrag online geht: Für welche Zielgruppe und welches Problem bist du die klare Wahl? „Personal Trainer für alle“ verliert gegen jede spezialisierte Alternative.
Grundauftritt schaffen
Eine einfache Website, ein bis zwei Social-Media-Kanäle und ein vollständiges Google-My-Business-Profil reichen für den Start – perfekt ist hier weniger wichtig als vollständig.
Persönliches Umfeld ansprechen
Die ersten Kundinnen und Kunden kommen selten über Social Media, sondern über ehemalige Arbeitskolleginnen, Vereinsmitglieder und Bekannte – direkt und gezielt angesprochen, nicht beiläufig erwähnt.
Kennenlerngespräch oder Probetraining anbieten
Eine niederschwellige erste Berührung senkt die Hemmschwelle deutlich stärker als ein direktes Verkaufsgespräch – besonders bei Interessierten, die noch nie mit einem Personal Trainer gearbeitet haben.
Festen Content-Rhythmus etablieren
Zwei bis drei Beiträge pro Woche über mehrere Wochen hinweg wirken stärker als ein einzelner, perfekt produzierter Beitrag pro Monat.
Eine erste Kooperation suchen
Ein Physiotherapiezentrum, ein Ernährungscoach oder ein lokales Fitnessgeschäft in der Nähe – eine einzige passende Kooperation bringt oft mehr Anfragen als Wochen an Eigenwerbung.
Empfehlungen aktiv einholen
Zufriedene Kundinnen und Kunden empfehlen selten von sich aus weiter – wer direkt danach fragt, meist kurz nach einem guten Trainingserlebnis, bekommt deutlich häufiger eine Empfehlung.
Erfahrungsberichte sichtbar machen
Eine kurze Rückmeldung der ersten Kundinnen und Kunden – mit deren Einverständnis auf der Website oder im Profil veröffentlicht – schafft Vertrauen bei allen, die noch unentschlossen sind.
Lokale Präsenz aufbauen
Ein Verein, ein Firmenanlass oder eine lokale Veranstaltung schafft Sichtbarkeit, die online kaum zu erreichen ist – besonders ausserhalb der grossen Städte.
Anfragequellen auswerten
Nach den ersten Wochen ehrlich prüfen, woher die Anfragen tatsächlich kamen – und die Kanäle stärken, die wirklich funktioniert haben, statt an allen gleichzeitig festzuhalten.
Diese zehn Schritte decken den direkten Weg zu den ersten Kundinnen und Kunden ab. Wer die Kundengewinnung darüber hinaus langfristig und in der ganzen Breite aufbauen möchte – inklusive weiterer Kanäle, Preisgestaltung und Kundenbindung – findet die vollständige Übersicht im Beitrag Neue Kunden gewinnen als Personal Trainer und Ernährungscoach.
Wie sich der 90-Tage-Plan ins Startbudget einfügt
Der 90-Tage-Plan kostet in erster Linie eines: Zeit. Ein Grossteil der beschriebenen Schritte – Positionierung, persönliche Ansprache, ein fester Content-Rhythmus – lässt sich ohne grosses Werbebudget umsetzen. Wer zusätzlich in bezahlte Werbung, ein professionelles Fotoshooting oder ein Business Coaching investieren will, findet die realistischen Grössenordnungen dafür im Artikel zum Startbudget der Selbstständigkeit.
Studio-Anstellung, eigene Praxis, Online-Coaching oder Firmenkunden verlangen unterschiedlich viel Marketingaufwand. Die vollständige Gegenüberstellung findest du im Geschäftsmodelle-Artikel.
Der 90-Tage-Plan setzt eine abgeschlossene Ausbildung voraus. Wo du diese startest, zeigt die Personal-Trainer-Ausbildung.
10 Beispiele: So läuft der 90-Tage-Plan in der Praxis
Die folgenden Beispiele sind typische, anonymisierte Konstellationen aus unserem Beratungsalltag – sie zeigen, wie unterschiedlich der 90-Tage-Plan je nach Ausgangslage, Zielgruppe und verfügbarer Zeit aussehen kann.
Mendrisio (TI) – frisch diplomiert, 27
Startet ohne bestehenden Kundenstamm, setzt die ersten 30 Tage vollständig auf Positionierung und persönliche Ansprache im eigenen Netzwerk, bevor der erste Beitrag online geht.
Ascona (TI) – Quereinsteigerin, 41
Nutzt ihre frühere Tätigkeit im Tourismus, um sich gezielt an Feriengäste mit Trainingswunsch zu richten – ihr Content-Rhythmus in Phase 2 orientiert sich an der Saison.
Renens (VD) – nebenberuflich, 34
Baut den 90-Tage-Plan neben einer 80-Prozent-Anstellung auf, mit klar geblockten zwei Stunden pro Woche für Content und Kundengespräche.
Pully (VD) – ehemalige Physiotherapeutin, 38
Nutzt bestehende Kontakte aus der Physiotherapie für die ersten Kooperationen in Phase 2, statt bei null zu beginnen.
Saignelégier (JU) – ländliche Region, 45
Setzt wegen der geringeren Bevölkerungsdichte stärker auf persönliche Ansprache und lokale Kooperationen als auf Social Media – und passt den Plan entsprechend an.
Le Locle (NE) – zweites Standbein, 50
Baut das Personal-Training-Angebot bewusst langsam neben einer bestehenden Selbstständigkeit auf, mit einem auf sechs statt drei Monate gestreckten Plan.
Ittigen (BE) – junger Vater, 30
Plant Phase 1 bewusst kompakter, um mit begrenzter Zeit trotzdem einen vollständigen Grundauftritt zu schaffen, bevor die eigentliche Content-Phase beginnt.
Pfäffikon SZ – Wechsel aus dem Verkauf, 36
Überträgt seine Erfahrung in der persönlichen Kundenansprache aus dem Detailhandel direkt auf Phase 1 – seine ersten Kunden kommen fast ausschliesslich aus persönlichen Gesprächen.
Goldach (SG) – spezialisiert auf Senioren, 52
Verzichtet bewusst auf Social-Media-lastigen Content und setzt in Phase 2 stattdessen auf Kooperationen mit lokalen Vereinen und Ärztinnen.
Mägenwil (AG) – Online-Coaching, 29
Baut den gesamten 90-Tage-Plan digital auf, ohne feste Praxisadresse – mit Schwerpunkt auf Video-Content bereits ab Phase 1.
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Positionierung, Kundengewinnung und Business-Aufbau strukturiert lernen – oder erst herausfinden, ob die Selbstständigkeit zu deiner aktuellen Situation passt.
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