Auf Social Media tauchen Abnehmspritzen ständig auf. Ein Kurzvideo, ein Vorher-nachher-Bild, ein Kommentar von jemandem, der jemanden kennt. Wer 15 bis 28 Jahre alt ist, scrollt täglich an diesem Thema vorbei und fragt sich irgendwann: Was steckt dahinter, und was passiert eigentlich mit meinen Muskeln?
Dieser Artikel gibt keine Empfehlung für oder gegen Ozempic. Er sagt dir nicht, ob du ein Medikament nehmen sollst. Das entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt, die deine Krankengeschichte kennen. Wir erklären, was Studien zum Thema Muskelerhalt zeigen, wo ihre Grenzen liegen und wie Ernährung und Training im Alltag dazu passen.
Alle Studien in diesem Text haben wir als Abstract gelesen. Wo etwas offen ist, schreiben wir es hin.
Warum reden junge Erwachsene über Ozempic und Abnehmspritzen?
Der Name Ozempic steht in der Schweiz für einen Wirkstoff namens Semaglutid. Er gehört zu den GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Diese Medikamente ahmen ein körpereigenes Hormon nach, das Sättigung und Blutzucker beeinflusst. Sie werden gespritzt, meist einmal pro Woche, und sind in der Schweiz verschreibungspflichtig. Fragen zu Zulassung, Verschreibung und Kosten klärt die Arztpraxis.
Dass das Thema so präsent ist, hat mit der Sichtbarkeit zu tun. Wer ein Smartphone nutzt, sieht Körperbilder und Versprechen, noch bevor er selbst eine Frage stellt. Aus Gesprächen mit Teilnehmenden und Interessierten kennen wir typische Fragen: Hilft das auch ohne grosses Übergewicht? Verliere ich dann nur Fett? Muss ich trotzdem trainieren? Was passiert, wenn ich aufhöre?
Genau diese Fragen sind berechtigt. Die Antworten hängen aber stark von der Ausgangslage ab. Die grossen Studien untersuchten Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas unter ärztlicher Begleitung. In der wichtigsten Studie zu Semaglutid lag der Body-Mass-Index bei 30 oder höher, oder bei 27 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung (Wilding et al., 2021). Das ist eine medizinische Situation und kein Kosmetikprojekt.
Für Menschen mit Normalgewicht liefern diese Studien keine Aussage. Wer nur ein paar Kilo verlieren möchte, findet mit gesundem Abnehmen und einem alltagstauglichen Essverhalten oft bessere Wege. Der Rest dieses Artikels richtet sich an alle, die verstehen möchten, was bei einer Therapie mit den Muskeln passiert.
Was zeigen Studien zum Verlust von Muskelmasse?
Zuerst die gute Nachricht: Die Medikamente senken das Gewicht deutlich. In der erwähnten Semaglutid-Studie verloren Erwachsene über 68 Wochen im Mittel 14,9 Prozent ihres Körpergewichts, in der Placebogruppe waren es 2,4 Prozent (Wilding et al., 2021). Dazu kam eine Lebensstil-Begleitung in beiden Gruppen.
Nun zur Frage der Muskeln. Eine Netzwerk-Metaanalyse wertete 22 randomisierte Studien mit 2258 Teilnehmenden aus. Der Anteil der Magermasse am gesamten Gewichtsverlust lag bei etwa 25 Prozent. Die Autoren halten fest, dass die Magermasse in Prozent des Ausgangswerts nicht verändert war (Karakasis et al., 2025).
Magermasse ist nicht dasselbe wie Muskelmasse. Sie umfasst neben den Muskeln auch Wasser, Organe und andere fettfreie Gewebe. Messgeräte wie die DXA-Messung können beides nicht sauber trennen. Wer in einer Studie «Magermasse» liest, sollte deshalb nicht automatisch «Muskeln» denken.
Eine Übersichtsarbeit zu Krafttraining und Inkretin-Medikamenten spricht von einem schnellen und deutlichen Verlust an Magermasse von etwa 10 Prozent oder rund 6 Kilogramm. Die Autoren vergleichen das mit dem Verlust von einem Jahrzehnt oder mehr des Alterns (Locatelli et al., 2024). Es ist eine Einschätzung und eine Übersicht, keine einzelne kontrollierte Studie.
Ist der Muskelverlust bei Spritzen anders als bei einer Diät?
Viele denken, der Muskelverlust sei ein Spezialproblem der Spritzen. Die Datenlage ist differenzierter. Eine Metaanalyse mit 20 randomisierten Studien und 15 782 Teilnehmenden verglich Inkretin-Medikamente mit intensiven Lebensstil-Programmen. Die Magermasse machte bei den Medikamenten 25 bis 39 Prozent des verlorenen Gewichts aus, bei Semaglutid 35,2 Prozent (Eisa und Barood, 2026).
Bei den Lebensstil-Programmen lag der Anteil mit 26,2 Prozent in einem ähnlichen Bereich. Der Unterschied war statistisch nicht gesichert. Am besten schnitt die Kombination aus Lebensstil und Krafttraining ab: Dort betrug der Anteil nur 17,5 Prozent (Eisa und Barood, 2026).
Was heisst das für dich? Wer stark an Gewicht verliert, verliert meist auch Magermasse. Das gilt für Diäten wie für Medikamente. Das Training macht den Unterschied. Das ist eine ermutigende Aussage, weil du sie selbst beeinflussen kannst.
| Frage | Was die gelesenen Abstracts sagen | Grenze |
|---|---|---|
| Wie viel vom Gewichtsverlust ist Magermasse? | Etwa 25 bis 39 Prozent bei Medikamenten, ähnlich bei Lebensstil-Programmen | Magermasse ist nicht gleich Muskelmasse |
| Hilft Krafttraining? | Lebensstil plus Krafttraining zeigte den kleinsten Anteil (17,5 Prozent) | Studien sind unterschiedlich gut vergleichbar |
| Wie sicher sind die Zahlen? | Mehrere Metaanalysen zeigen ein ähnliches Bild | Die Heterogenität zwischen den Studien ist moderat bis hoch |
| Gilt das für alle? | Untersucht wurden Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas | Aussagen für Normalgewichtige fehlen |
Was gilt für Jugendliche und junge Erwachsene?
Die meisten Studien laufen mit Erwachsenen. Für Jugendliche ist die Datenlage dünner. Eine Übersicht zu Semaglutid bei Jugendlichen mit Adipositas hält fest, dass bisher nur eine grosse randomisierte Studie mit einer Dauer von 68 Wochen abgeschlossen wurde. Langzeitdaten zur Sicherheit sind begrenzt, genannt werden unter anderem Gallensteine, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Suizidgedanken und gestörtes Essverhalten (Bensignor et al., 2024).
Das ist kein Argument gegen eine ärztlich begleitete Therapie, wenn sie medizinisch angezeigt ist. Es ist ein Hinweis, dass Jugendliche und junge Erwachsene besonders sorgfältig begleitet werden sollten. Dazu gehört ein offener Blick auf Essverhalten und Körperbild, nicht nur auf die Waage.
Wenn du dich bei Essen, Gewicht oder Körperbild unwohl fühlst, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Fachstelle. Ein Medikament aus dem Internet oder von einer Bekannten ersetzt diese Begleitung nicht. Auch ein Trainingsplan oder ein Ernährungscoaching ersetzt sie nicht.
Ein Wort zur Rolle von Ernährungscoaches und Personal Trainern. Sie begleiten gesunde Menschen präventiv. Therapie, Diagnose und Medikamentenberatung gehören nicht dazu. Das ist in der Ausbildung der SNF Academy klar geregelt. Wer mit einer Therapie zu uns kommt, wird auf die Zusammenarbeit mit der Ärztin oder dem Arzt hingewiesen.
Wie schützt Krafttraining deine Muskeln?
Muskeln reagieren auf Reize. Wenn du sie belastest, sendet der Körper das Signal, sie zu erhalten. Wenn die Belastung fehlt und gleichzeitig weniger gegessen wird, spart der Körper dort, wo es ihm möglich ist. Das ist eine vereinfachte Erklärung, doch sie trifft den Kern der Empfehlungen in der Literatur.
Die Übersichtsarbeit von Locatelli und Kollegen nennt überwachtes Krafttraining mit einer Dauer von mehr als 10 Wochen. Es kann in Studien grosse Zuwächse an Magermasse (rund 3 Kilogramm) und Kraft (rund 25 Prozent) bringen. Die Autoren schlagen vor, angepasstes Krafttraining als Ergänzung zur Inkretin-Therapie zu empfehlen (Locatelli et al., 2024).
Eine neuere Übersicht zur Vorbeugung von Sarkopenie bei GLP-1-Therapie nennt als Bausteine eine individuelle Kraft- und kombinierte Bewegung, ausreichend Protein, auf Nährstoffe achten und regelmässige Kontrollen von Körperzusammensetzung und Kraft. Die Autoren betonen, dass vieles aus anderen Bereichen übertragen wurde und GLP-1-spezifische Studien fehlen (Belančić et al., 2026).
Praktisch heisst das für den Alltag:
- Plane zwei bis drei Krafteinheiten pro Woche ein, die den ganzen Körper ansprechen.
- Wähle Grundübungen wie Kniebeugen, Rudern, Drücken und Ziehen, im Fitnessstudio oder zu Hause.
- Steigere Gewicht oder Wiederholungen langsam, damit der Reiz bleibt.
- Lass dir technische Fragen von einer qualifizierten Person zeigen, wenn du neu startest.
- Sprich Trainingsumfang und Belastung vorab mit der Arztpraxis ab, besonders bei Vorerkrankungen.
Einen Einstieg findest du im Artikel Fitnesstraining für Anfänger. Wer zu Hause trainiert, nutzt das Home-Workout ohne Geräte als Ausgangspunkt.
Wie isst du genug Protein, wenn der Appetit klein ist?
Abnehmspritzen senken den Appetit. Das ist gewollt, macht aber das Essen anspruchsvoller. Wer wenig isst, sollte darauf achten, dass die wenigen Mahlzeiten Nährstoffe liefern. Ein Beitrag in der Revue Médicale Suisse hält fest, dass die Therapie von Ernährungsempfehlungen begleitet sein sollte: ausreichend Flüssigkeit, hochwertige Kohlenhydrate sowie genug hochwertiges Protein und Ballaststoffe. Auf Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Verstopfung ist besonders zu achten (Pabion et al., 2025).
Wie viel Protein genau für dich richtig ist, hängt von Körpergewicht, Training und Gesundheit ab. Diesen Wert legen Ärztin, Arzt oder eine Ernährungsfachperson mit dir fest. Wir nennen hier keine Zahl, weil sie nicht für alle gleich ist und weil die Abstracts, die wir gelesen haben, keine allgemeingültige Menge für diese Situation nennen.
Was sich im Alltag bewährt, sind kleine, eiweissreiche Portionen.
| Situation | Idee | Hinweis |
|---|---|---|
| Frühstück bei wenig Hunger | Skyr, Quark oder Joghurt mit Haferflocken und Früchten | Kleine Portion, dafür regelmässig |
| Mittag in der Mensa | Eine Eiweissquelle wählen (Fisch, Ei, Hülsenfrüchte, Tofu, Fleisch) plus Gemüse | Zuerst das Protein essen, dann den Rest |
| Znüni oder Zvieri | Hüttenkäse, Nüsse, ein hartgekochtes Ei, Milchprodukt oder Sojajoghurt | Praktisch für Rucksack und Pult |
| Abend nach dem Training | Rührei, Linsensuppe, Thunfisch oder Tofu mit Beilage | Genug trinken nicht vergessen |
Zu Eiweissmengen im Sport findest du Hintergründe im Artikel Muskelerhalt beim Abnehmen: Eiweiss und Krafttraining. Er geht auf die Ernährung ohne Medikament ein. Unser Beitrag hier bezieht sich auf die Situation mit einer ärztlich begleiteten Therapie.
Wenn das Essen bei kleinem Appetit zu wenig Protein liefert, kann ein Pulver für Erwachsene eine praktische Ergänzung zu den Mahlzeiten sein, etwa das Hydrolisiertes Proteinpulver Kakao von Amway. Das ist eine Empfehlung der Dozenten der SNF Academy, die das Produkt seit Jahren selbst nehmen und gute Erfahrungen damit machen. Das ist ein Partnerlink: Bei einem Kauf erhält die SNF Academy eine Vergütung. Es ist keine Behandlung und kein Ersatz für die ärztliche Begleitung. Ob und wie viel davon zu deiner Situation passt, klärst du mit Ärztin, Arzt oder einer Ernährungsfachperson.
Was passiert nach dem Absetzen?
Auch diese Frage taucht bei jungen Erwachsenen oft auf: «Und wenn ich aufhöre?» Die STEP-1-Verlängerung liefert dazu Zahlen. 327 Teilnehmende wurden nach dem Ende der Behandlung ein weiteres Jahr beobachtet. Sie hatten zuvor im Mittel 17,3 Prozent des Gewichts verloren. Danach nahmen sie 11,6 Prozentpunkte des verlorenen Gewichts wieder zu (Wilding et al., 2022).
Die Autoren fassen es so zusammen: Ein Jahr nach dem Absetzen hatten die Teilnehmenden zwei Drittel ihres Gewichtsverlusts wieder aufgeholt, und auch die Verbesserungen bei Stoffwechselwerten gingen zurück. Sie schliessen daraus, dass Adipositas eine chronische Erkrankung ist und eine fortlaufende Behandlung nötig sein kann (Wilding et al., 2022).
Diese Studie wurde ohne weitere Lebensstil-Begleitung nach dem Absetzen durchgeführt, und die Analysen waren explorativ. Sie zeigt deshalb nicht, was mit gutem Training und guter Ernährung möglich wäre. Die Übersicht von Locatelli und Kollegen vermutet, dass der Erhalt von Magermasse den Wiederanstieg des Gewichts abschwächen könnte. Das ist eine Hypothese und noch kein Ergebnis (Locatelli et al., 2024).
Welche Fragen stellst du deiner Ärztin oder deinem Arzt?
Ein Arzttermin geht schnell vorbei. Eine Liste hilft. Du kannst diese Fragen mitnehmen:
- Ist eine Therapie in meiner Situation medizinisch angezeigt, und welche Alternativen gibt es?
- Wie wird mein Gewichtsverlauf kontrolliert, und wer misst Körperzusammensetzung oder Kraft?
- Wie viel und was soll ich essen, und wer unterstützt mich dabei?
- Welche Art von Krafttraining ist für mich sinnvoll, und gibt es Einschränkungen?
- Wie gehen wir vor, wenn Übelkeit, Verstopfung oder andere Beschwerden auftreten?
- Was passiert, wenn ich die Therapie beende, und wie bereiten wir das vor?
- Wen kann ich ansprechen, wenn mich Essen, Gewicht oder Körperbild belasten?
Diese Fragen ersetzen kein Gespräch, sie bereiten es vor. Notiere dir die Antworten. Wenn du minderjährig bist, nimm eine Vertrauensperson mit.
Das lernst du in der Ausbildung, und wie es weitergeht
In den Ausbildungen zum Dipl. Ernährungscoach SNFA und zum Dipl. Personal Trainer SNFA erfahren Teilnehmende mehr über Krafttraining und Muskelaufbau, die korrekte Übungsausführung, den Aufbau eines Trainingsplans, Regeneration, Fitness sowie Ernährung und Nahrungsergänzung. Sie zeigen auch, wo die Grenze zwischen Coaching und Medizin liegt. Coaching begleitet gesunde Menschen und ist keine Behandlung. Beide Wege verbindet das Fitness Kombi Paket der SNF Academy. Die Inhalte sind durch QualiCert geprüft und anerkannt, die Ausbildungen laufen 100 Prozent online, mit 365 Tagen Zugang.
Die SNF Academy gibt es seit 2005. Birol Isik hat sie in Zürich gegründet. Daniela Isik unterrichtet als Dozentin. Mehr zum Gründer findest du auf birolisik.ch, Hintergründe zu Daniela Isik auf danielalovric.ch. Für Sichtbarkeit und Auftritt im Netz steht Onspire, und die Lernplattform erreichst du unter snfa-campus.ch.
Wenn du wissen möchtest, ob die Ausbildung zu dir passt, vereinbare ein Strategiegespräch zur Ausbildung. Es ist unverbindlich. Im Gespräch klären wir deine Ziele und deinen Zeitrahmen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Ernährungs- oder Therapieberatung durch Fachpersonen.











