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Neuroplastizität: Wie Sport das Gehirn formbar hält

Neuroplastizität und Sport: Was Formbarkeit des Gehirns bedeutet, was Studien zu BDNF und Hippocampus zeigen und wie Personal Trainer das im Alltag nutzen.

  • 10 Min. Lesezeit
Balance-Pad und Kurzhantel in einem Trainingsraum, Sinnbild für Neuroplastizität und Sport
Kernaussage

Neuroplastizität heisst: Das Gehirn verändert Verbindungen und Strukturen, wenn es gefordert wird.

Neuroplastizität ist ein Wort, das in Trainingskreisen oft fällt, aber selten erklärt wird. Gemeint ist die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrung und Übung zu verändern. Wer Menschen trainiert, hat täglich damit zu tun, auch wenn er es nicht so nennt.

Dieser Artikel erklärt die Grundidee, fasst drei Arbeiten zusammen und zeigt, was daraus für die Praxis folgt. Er ergänzt die Seiten Neuroplastizität und Prävention und BDNF und Sport, indem er den Begriff und die Studienlage ordnet.

Was bedeutet Neuroplastizität?

Das Gehirn ist kein festes Gebilde. Nervenzellen bilden neue Verbindungen, schwächen unbenutzte und stärken häufig genutzte. Das geschieht beim Lernen einer Sprache, beim Üben eines Instruments und beim Erlernen einer Bewegung. Fachleute sprechen von funktioneller und struktureller Plastizität.

Eine Übersicht fasst zusammen, dass körperliche Aktivität Prozesse anstossen kann, die Plastizität erleichtern. Dadurch kann das Gehirn besser auf neue Anforderungen reagieren (Hötting und Röder 2013). Die Mechanismen wurden vor allem in Tierstudien beschrieben. Beim Menschen ist vieles indirekt erschlossen.

Was ist BDNF und warum fällt es immer wieder?

BDNF steht für «brain-derived neurotrophic factor», ein Eiweiss, das Nervenzellen beim Wachsen und Vernetzen unterstützt. Eine Meta-Analyse mit 29 Studien und 1111 Teilnehmenden prüfte, ob Bewegung den BDNF-Spiegel im Blut erhöht. Nach einer einzelnen Trainingseinheit zeigte sich ein mittlerer Effekt (Hedges g 0,46). Der Ruhewert nach regelmässigem Training stieg nur klein (0,27) (Szuhany et al. 2015).

Zwei Hinweise sind wichtig. Erstens betrifft das Blutwerte, nicht die direkte Messung im Gehirn. Zweitens fiel der Effekt bei Studien mit mehr Frauen geringer aus. Warum das so ist, bleibt offen. Aus einem Blutwert lässt sich keine Aussage über die geistige Gesundheit einer einzelnen Person ableiten.

Verändert Sport die Struktur des Gehirns?

Eine randomisierte Studie mit 120 älteren Erwachsenen verglich Ausdauertraining mit Dehnübungen. Nach einem Jahr hatte der vordere Hippocampus im Trainingsarm um 2 Prozent zugenommen. In der Vergleichsgruppe schrumpfte er. Zugleich verbesserte sich das räumliche Gedächtnis (Erickson et al. 2011).

Das ist ein starkes Signal, weil es ein Experiment ist und keine Beobachtung. Trotzdem gilt: Eine Studie, ein Jahr, eine Altersgruppe. Ob der Effekt bei Jüngeren gleich ist oder nach Jahren anhält, zeigt sie nicht.

Wie viel Training braucht es, damit das Gehirn profitiert?

Die Studien zeigen keinen einzelnen Schwellenwert. In der Hippocampus-Studie trainierten die Teilnehmenden drei Mal pro Woche. Für den Alltag genügt als Orientierung: regelmässige Ausdauer, zwei Krafteinheiten und Bewegung, die auch geistig fordert.

Interessant ist ein Hinweis der Übersicht. Wer körperliche und geistige Anforderungen kombiniert, kann beide Effekte verstärken. Auch hielt der Nutzen nur an, solange die Fitness erhalten blieb. Das spricht für Gewohnheiten statt für Kurzprogramme. Wie Koordination zusätzlich fordert, erklärt der Beitrag Koordinationstraining fürs Gehirn.

Was folgt daraus für Trainingsplanung?

Aus den Arbeiten lässt sich ein einfaches Raster ableiten, das ein Coach nutzen kann.

  • Regelmässigkeit: Drei bis vier Einheiten pro Woche schlagen eine Mammut-Einheit.
  • Abwechslung: Neue Übungen und Abläufe fordern die Vernetzung stärker als monotone Routine.
  • Steigerung: Die Anforderung wächst langsam, damit sie weder unterfordert noch überfordert.
  • Erholung: Schlaf und Pausen gehören zum Plan, weil Anpassung in der Ruhe stattfindet.
  • Rückmeldung: Der Coach fragt nach Gefühl, Konzentration und Alltag, ohne Messwerte zu überinterpretieren.

Das klingt nach klassischer Trainingslehre, und das ist es auch. Die Neuroplastizität liefert eine zusätzliche Begründung, warum gute Planung wirkt, ersetzt aber nicht das Handwerk.

Ein Beispiel aus dem Trainingsalltag

Ein Beispiel zeigt die Idee. Es ist erfunden und beschreibt keine Einzelperson. Ein Kunde Mitte vierzig trainiert seit Jahren immer dieselben Maschinen. Der Coach bleibt bei Kraft und Ausdauer, tauscht aber alle vier Wochen zwei Übungen aus und führt einfache Koordinationsaufgaben ein, etwa Kniebeuge mit Ball oder Ausfallschritt mit Richtungswechsel.

Der Kunde berichtet nach einigen Wochen, dass er konzentrierter wirkt. Das ist ein Eindruck und kein Befund. Der Coach nutzt ihn als Gesprächsthema und plant weiter. Mehr zur Einordnung findest du im Beitrag Gehirn, Gehirnfunktionen und Gehirnplastizität.

Warum ist Abwechslung im Training so wichtig?

Das Gehirn passt sich an das an, was es oft erlebt. Wer immer dieselbe Übung macht, automatisiert sie, und der Lernreiz sinkt. Neue Bewegungen verlangen dagegen Aufmerksamkeit, Gleichgewicht und Planung. Dieser Aufwand wird als Lernreiz verstanden.

Für Coaches heisst das nicht, dass jede Woche alles anders sein muss. Eine feste Basis mit Grundübungen bleibt. Zwei oder drei Elemente wechseln, zum Beispiel Griffvariante, Tempo, Standfläche oder Richtung. So bleibt die Einheit sicher und trotzdem interessant. Auch Kundinnen und Kunden erleben dadurch Fortschritt, weil sie sich neue Fähigkeiten erarbeiten und nicht nur Gewichte steigern.

Das lernst du in der Ausbildung zum Personal Trainer

Teilnehmende der Ausbildungen zum Dipl. Personal Trainer SNFA und zum Dipl. Ernährungscoach SNFA erfahren dazu mehr. Rund um Trainingsreize und Anpassung lernst du unter anderem:

  • Krafttraining und Muskelaufbau: Wie Reiz, Belastung und Anpassung zusammenhängen.
  • Trainingsplan: Wie Wochen, Zyklen und Abwechslung aufgebaut werden.
  • Korrekte Übungsausführung: Wie Bewegungen erlernt und korrigiert werden.
  • Regeneration: Warum Erholung Teil der Anpassung ist.
  • Fitness: Wie Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit zusammenpassen.
  • Ernährung und Nahrungsergänzung: Wie Ernährung das Training unterstützt, ohne Heilaussagen.

Die Personal-Trainer-Ausbildung der SNF Academy besteht aus zwölf Modulen. Die Personal-Trainer-Ausbildung ist durch QualiCert geprüft und anerkannt. Absolventinnen und Absolventen verfügen über vertieftes Wissen und können Kunden im Fitnessstudio, im Outdoor-Training oder in Sportvereinen professionell beraten und betreuen. Wir empfehlen unseren Teilnehmenden, erste praktische Erfahrungen im Fitnessstudio zu sammeln und sich laufend weiterzuentwickeln. Nach der Ausbildung kannst du dich durch QualiCert zertifizieren lassen. Bei Fragen nimm unverbindlich Kontakt mit unseren Expertinnen und Experten auf. Das Diplom ist auf NQR Level 4 eingestuft. Die Ernährungscoach Ausbildung ergänzt die Ernährung, das Fitness Kombi Paket verbindet beide. Du lernst 100 Prozent online mit 365 Tagen Zugang.

Wie wird dein Interesse am Gehirn zum Beruf?

Wer sich für das Zusammenspiel von Körper und Kopf begeistert, kann das Thema zum Profil machen. Viele Teilnehmende starten nebenberuflich. In der Personal-Trainer-Ausbildung mit Business Masterclass lernst du Positionierung, Kundengewinnung und Verkauf. Birol Isik leitet die Business Masterclass, und auf Wunsch gibt es individuelles Coaching mit ihm, auch bei Fragen zur Zertifizierung.

Für Inhalte und Videos hilft die YouTube Masterclass von Daniela Isik. Für Auftritt und Branding berät dich onspire.ch: Wir beraten und unterstützen dich dabei.

Evidenz und Grenzen

Die Übersicht stützt sich stark auf Tierstudien. Die Meta-Analyse zu BDNF betrifft Blutwerte. Die Hippocampus-Studie ist eine einzelne Studie über ein Jahr mit älteren Erwachsenen. Alle Arbeiten stammen aus dem Ausland. Was im Durchschnitt gilt, muss bei dir nicht zutreffen.

Neuroplastizität ist kein Heilmittel. Coaching ist keine Diagnose, Therapie oder medizinische Beratung. Wir geben keine Heilversprechen. Bei Gedächtnisproblemen, Konzentrationsstörungen oder neurologischen Erkrankungen gehört die Abklärung in ärztliche Hände.

So gehst du jetzt vor

Wähle für die nächsten vier Wochen eine neue Bewegungsaufgabe und führe sie wöchentlich aus. Beobachte, wie sich Konzentration und Lernen anfühlen. Wenn du andere begleiten willst, vereinbare das Strategiegespräch zur Ausbildung.

Mehr über den Gründer Birol Isik findest du auf birolisik.ch. Daniela Isik, Dozentin der SNF Academy, stellt sich auf danielalovric.ch vor. Die Ausbildungen laufen im SNFA Campus.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zum Programm findest du auf der verlinkten Seite.

Birol Isik, Gründer der SNF Academy
Über den Autor

Birol Isik

Birol Isik ist Schweizer Unternehmer, Mentor, Mindset Coach und Gründer der SNF Academy. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem auf Coaching, Kommunikation, Selbstführung und beruflicher Entwicklung. Als Berater und Coach begleitet er Menschen seit 2005.

Zum Profil birolisik.ch

Häufige Fragen.

Die wichtigsten Antworten zum Beitrag, kurz und verständlich.

Was ist Neuroplastizität einfach erklärt?

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, seine Verbindungen und Strukturen durch Erfahrung, Lernen und Übung zu verändern. Nervenzellen bilden neue Kontakte und stärken genutzte. Das geschieht lebenslang, wenn auch nicht gleich schnell. Sport, Lernen und Abwechslung können diesen Prozess begünstigen.

Kann Sport die Neuroplastizität fördern?

Übersichtsarbeiten sehen Hinweise, dass körperliche Aktivität Prozesse anstösst, die Plastizität erleichtern. Belegt sind unter anderem höhere BDNF-Werte nach Training und ein grösserer Hippocampus nach einem Jahr Ausdauertraining bei Älteren. Die Mechanismen stammen aber vor allem aus Tierstudien, beim Menschen sind sie teilweise erst indirekt belegt.

Was ist BDNF?

BDNF ist ein Eiweiss, das Nervenzellen beim Wachsen und Vernetzen unterstützt. Nach einer Trainingseinheit steigt der Spiegel im Blut im Mittel an. Ein Blutwert sagt aber wenig über den Zustand des Gehirns einer einzelnen Person und taugt nicht als Gesundheitsurteil oder Trainingsziel.

Wächst das Gehirn durch Sport?

Bei älteren Erwachsenen wuchs in einer randomisierten Studie der vordere Hippocampus durch ein Jahr Ausdauertraining um 2 Prozent. Es handelt sich um eine einzelne Studie mit 120 Personen. Ein Wachstum des ganzen Gehirns zeigt sie nicht, und ob der Effekt bei Jüngeren gleich ist, ist offen.

Welcher Sport ist am besten für die Neuroplastizität?

Eine klare Rangliste gibt es nicht. Ausdauer ist am besten untersucht, Kraft und koordinative Aufgaben gelten als sinnvolle Ergänzung. Wichtig sind Regelmässigkeit, Abwechslung und eine steigende Anforderung. Wer Spass hat, bleibt dabei, und das zählt für den Effekt am meisten.

Wie lange dauert es, bis Training das Gehirn verändert?

Die genannten Studien dauerten von einer einzelnen Einheit bis zu einem Jahr. BDNF steigt akut, Strukturveränderungen brauchten Monate. Genaue Zeitpunkte lassen sich nicht pauschal nennen. Praktisch gilt: Regelmässig trainieren und nach Wochen beobachten, wie sich Konzentration und Energie im Alltag anfühlen.

Ist Neuroplastizität im Alter noch möglich?

Ja. Die Hippocampus-Studie untersuchte ältere Erwachsene und fand eine Zunahme des Volumens. Das Gehirn bleibt also lebenslang formbar. Die Anpassung braucht allerdings Reize und Geduld. Wer erst im höheren Alter beginnt, kann trotzdem profitieren, sollte aber ärztlich abklären, welche Belastung passt.

Kann man Neuroplastizität messen?

Im Alltag nicht. In der Forschung nutzt man Bildgebung wie MRT und Blutwerte wie BDNF. Beides sind Näherungen. Für Trainerinnen und Trainer sind Messwerte kaum nötig. Rückmeldungen zu Konzentration, Lernen und Energie im Gespräch sind praktisch, sollten aber nie als Befund verstanden werden.

Ist Neuroplastizität ein Heilmittel?

Nein. Der Begriff beschreibt eine Eigenschaft des Gehirns und kein Heilmittel. Bewegung kann Teil eines gesunden Lebensstils sein und die Anpassung begünstigen. Bei Erkrankungen oder Verletzungen des Nervensystems braucht es ärztliche Behandlung. Ein Coach darf keine Heilversprechen machen und stellt keine Diagnosen.

Spielen Frauen und Männer unterschiedlich?

In der Meta-Analyse zu BDNF war der Anstieg bei Studien mit mehr Frauen kleiner. Die Gründe sind unklar und betreffen Blutwerte, nicht den Nutzen von Bewegung insgesamt. Für die Praxis ändert das wenig: Bewegung ist für alle Geschlechter sinnvoll, die Planung richtet sich nach Person und Ziel.

Wie hilft mir die Personal-Trainer-Ausbildung der SNF Academy, mich selbst fit zu machen?

Du lernst Krafttraining, Trainingsplanung und Regeneration und wendest sie an dir selbst an. So spürst du, was Abwechslung und Steigerung bewirken. Die Personal-Trainer-Ausbildung in der Schweiz läuft 100 Prozent online mit 365 Tagen Zugang und führt zum Diplom Dipl. Personal Trainer SNFA.

Für wen eignet sich die Ausbildung?

Sie eignet sich für Sportbegeisterte, Quereinsteiger und Menschen aus Pflege, Handwerk oder Büro, die Training zum Beruf oder Nebenberuf machen möchten. Vorkenntnisse sind nicht nötig. Du lernst im eigenen Tempo, neben der Arbeit, und kannst mit der Ausbildung den Weg zum eigenen Angebot gehen.

Wie läuft das Strategiegespräch zur Ausbildung ab?

Du erzählst, was du bisher machst und was du erreichen willst. Wir klären, ob Personal Trainer, Ernährungscoach oder das Fitness Kombi Paket passt, und besprechen Ablauf, Zeitplan und erste Schritte. Das Gespräch ist unverbindlich und gibt dir einen klaren Plan für deine Entscheidung.

Kann ich als Personal Trainer nebenberuflich selbständig werden?

Ja. Viele Teilnehmende starten nebenberuflich mit ersten Kundinnen und Kunden und wechseln später ganz, wenn es passt. In der Business Masterclass lernst du Positionierung, Kundengewinnung und Auftritt. So wird aus dem Hobby Schritt für Schritt ein Beruf, ohne dass du deine Stelle gleich aufgeben musst.

Quellen

  1. 1

    SNF Academy: Personal Trainer Ausbildung, Ernährungscoach Ausbildung, Fitness Kombi Paket, Stand November 2026, snfa.ch/personal-trainer-ausbildung-schweiz

  2. 2

    Hötting K, Röder B: Beneficial effects of physical exercise on neuroplasticity and cognition. Neurosci Biobehav Rev 2013 (PMID 23623982)

  3. 3

    Szuhany KL, Bugatti M et al.: A meta-analytic review of the effects of exercise on brain-derived neurotrophic factor. J Psychiatr Res 2015 (PMID 25455510)

  4. 4

    Erickson KI, Voss MW et al.: Exercise training increases size of hippocampus and improves memory. Proc Natl Acad Sci U S A 2011 (PMID 21282661)