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Krafttraining für Läufer: Was es bringt, im Studiencheck

Krafttraining für Läufer: Was Meta-Analysen zu Laufökonomie, Tempo und VO2max zeigen, welche Methode in Studien wirkte und wo die Evidenz Grenzen hat.

  • 11 Min. Lesezeit

Krafttraining für Läufer: Bringt es wirklich mehr Tempo, oder kostet es nur Zeit, die Du besser auf der Strecke verbringst? Dieser Artikel fasst acht systematische Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen aus der Datenbank PubMed zusammen. Für jede Zahl haben wir die Zusammenfassung gelesen. Was dort nicht steht, behaupten wir nicht.

Wie Du die Ausdauer selbst aufbaust, erklären unsere Ratgeber zu Zone-2-Training und Pulsberechnung und zur VO2max und ihren Trainingsmethoden. Was Ausdauertraining allgemein bewirkt, ordnen wir im Studiencheck Ausdauertraining: Wirkung im Studiencheck ein. Hier geht es nur um die Frage, was zusätzliche Kraftarbeit für Läuferinnen und Läufer bringt, und zwar bei Mittel- und Langstrecken. Für Sprint oder Ultra haben wir keine Studie ausgewertet.

Was bringt Krafttraining für Läufer überhaupt?

Die Antwort in einem Satz: Die beste Evidenz gibt es für die Laufökonomie, also den Energiebedarf bei einem festen, lockeren Tempo. Ein Umbrella-Review, der die Ergebnisse früherer Übersichtsarbeiten bündelt, schloss 17 systematische Übersichtsarbeiten ein, 12 davon mit Meta-Analysen. Moderate bis grosse Effekte auf die Laufökonomie zeigten sich in allen eingeschlossenen Studien. Vier Meta-Analysen prüften die VO2max, keine fand signifikante Veränderungen (Quelle 3). Die Autorinnen und Autoren schliessen, dass Krafttraining Ausdauerleistung und Laufökonomie verbessert und hilft, die VO2max zu halten.

Eine ältere systematische Übersichtsarbeit kam zum gleichen Bild. Sie wertete 26 Studien bei gut trainierten Ausdauersportlern aus. Krafttraining verbesserte die Leistung im Zeitfahren und die Laufökonomie, und die Autoren sehen die Ergänzung des Ausdauerprogramms durch Kraftarbeit gestützt, mit weiterem Forschungsbedarf (Quelle 5). Die Gesamtbewertung ist also positiv, aber nicht ohne Einschränkung: Der Umbrella-Review hält fest, dass die meisten der zusammengefassten Arbeiten nur eine tiefe oder kritisch tiefe Vertrauenswürdigkeit hatten, unter anderem wegen unvollständiger Literatursuche und fehlender Prüfung auf Publikationsverzerrung (Quelle 3).

Verbessert Krafttraining die Laufökonomie?

Ja, in den ausgewerteten Studien schon, wenn auch in unterschiedlichem Mass. Eine Meta-Analyse bei hochtrainierten Mittel- und Langstreckenläufern mit einer VO2max über 60 ml pro kg und Minute fasste fünf Studien mit 93 Läuferinnen und Läufern zusammen. Der Effekt auf die Laufökonomie war gross (standardisierte Mittelwertdifferenz -1.42, Vertrauensbereich -2.23 bis -0.60). In vier der fünf Studien lag die Intensität bei 40 bis 70 Prozent des Einwiederholungsmaximums (Quelle 2).

Eine zweite Meta-Analyse mit 16 Studien und 20 Effekten fand eine kleine bis moderate Verbesserung: Die Laufökonomie verbesserte sich unter gleichzeitigem Kraft- und Ausdauertraining im Mittel um 3.93 Prozent (plus/minus 1.19). Explosives Training (4.83 Prozent) und schweres Krafttraining (3.65 Prozent) brachten ähnliche Verbesserungen. Je länger das Programm dauerte, desto grösser fiel der Effekt aus (Quelle 6).

Die jüngste Meta-Analyse mit Daten bis November 2022 trennt nach Methode und Lauftempo. Hohe Lasten (ab 80 Prozent des Einwiederholungsmaximums) brachten einen kleinen Effekt (ES -0.266), kombinierte Methoden einen moderaten (ES -0.426). Sprungtraining verbesserte die Laufökonomie bei Tempi bis 12 km/h (ES -0.307). Schweres Krafttraining wirkte stärker bei höherem Tempo und höherer VO2max (Quelle 1). Das Vorzeichen richtet sich nach der Messgrösse, entscheidend ist, dass die Autorinnen und Autoren hier von Verbesserungen sprechen.

Macht Krafttraining Läufer schneller?

Das ist eine andere Frage als die nach der Ökonomie, und die Datenlage ist dünner. Dieselbe Forschungsgruppe wertete die Laufleistung selbst aus (Zeitfahren und Zeit bis zur Erschöpfung). Hohe Lasten verbesserten sie moderat (ES -0.469), kombinierte Methoden gross (ES -1.035). Sprungtraining allein erreichte keinen signifikanten Effekt (ES -0.210, p = 0.064). Die Evidenzsicherheit war sehr tief bis moderat. Die Studien mit insgesamt 324 mässig, 272 gut und 298 hoch trainierten Athleten dauerten 6 bis 40 Wochen (Quelle 4).

Eine Meta-Analyse zu Sprungtraining bei Ausdauerläufern (21 Studien, 511 Teilnehmende) fand eine moderate Verbesserung im Zeitfahren über 2 bis 5 km (ES 0.88), dazu kleine bis moderate Verbesserungen bei Sprungleistung, Kraftanstieg, Sprint, reaktiver Kraft und Laufökonomie (ES 0.36 bis 0.73) (Quelle 8). Ein Review mit 18 randomisierten Studien und 321 Läufern nennt Verbesserungen bei Kraft, Laufökonomie, Muskelkraft-Faktoren und bei der direkten Leistung über 1500 bis 10000 m. Die Autoren mahnen wegen methodischer Mängel zur Vorsicht (Quelle 7).

Steigert Krafttraining die VO2max?

Hier ist die Antwort ernüchternd: In den ausgewerteten Meta-Analysen nicht. Der Umbrella-Review fand in keiner der vier Meta-Analysen eine signifikante Veränderung der VO2max (Quelle 3). Die Methodenvergleiche kommen zum selben Ergebnis: Keine der Krafttrainingsmethoden verbesserte VO2max, die Geschwindigkeit bei VO2max, den maximalen metabolischen Gleichgewichtszustand oder die Sprintfähigkeit (alle p über 0.072) (Quelle 4). Auch Sprungtraining liess die VO2max unverändert (Quelle 8).

Das ist kein Widerspruch zum Nutzen. Krafttraining wirkt nach diesen Daten nicht über den Motor, sondern über den Wirkungsgrad: Du brauchst für dasselbe Tempo weniger Energie. Die VO2max trainierst Du nach wie vor mit Ausdauerreizen, wie wir im oben verlinkten Ratgeber zur VO2max beschreiben.

Welche Methode wirkte am besten: schwer, Sprünge oder isometrisch?

Eine Übersicht der Kernzahlen aus den gelesenen Meta-Analysen:

MethodeBefund bei Mittel- und LangstreckenläufernStudienartQuelle
Hohe Lasten (ab 80 % 1RM)Laufökonomie ES -0.266, Laufleistung ES -0.469Meta-AnalysenQuelle 1, Quelle 4
Kombinierte MethodenLaufökonomie ES -0.426, Laufleistung ES -1.035Meta-AnalysenQuelle 1, Quelle 4
SprungtrainingLaufökonomie bis 12 km/h ES -0.307, Zeitfahren 2 bis 5 km ES 0.88Meta-AnalysenQuelle 1, Quelle 8
Mittlere Lasten (40 bis 79 % 1RM)keine Verbesserung der LaufökonomieMeta-AnalyseQuelle 1
Isometrisches TrainingLaufökonomie -2.20 %, nicht signifikant (p = 0.324)Meta-AnalyseQuelle 6

Mittlere Lasten und isometrisches Training verbesserten die Laufökonomie im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht (Quelle 1). Die frühere Meta-Analyse mit 16 Studien sah beim isometrischen Training ebenfalls keinen signifikanten Effekt, allerdings nur in ausgewählten Studien (Quelle 6). Wofür isometrische Übungen dagegen belegt sind, steht im Artikel Isometrisches Krafttraining: Wirkung und Einsatz.

Die Evidenzsicherheit war für hohe Lasten, mittlere Lasten, Sprünge und isometrisches Training moderat, für kombinierte Methoden tief (Quelle 1). Die kombinierten Programme schneiden also am besten ab, stützen sich aber auf die schwächste Datenbasis.

Wie wurde in den Studien trainiert?

Wir geben keine eigene Dosierung vor, sondern nennen die Protokolle, die in den Studien verwendet wurden. In der Meta-Analyse bei hochtrainierten Läufern verwendeten vier von fünf Studien tiefe bis moderate Intensitäten (40 bis 70 Prozent des Einwiederholungsmaximums) und tiefes bis moderates Volumen: zwei bis vier Beinübungen mit Gewicht, dazu bis zu 200 Sprünge und 5 bis 10 kurze Sprints. Trainiert wurde zwei- bis dreimal pro Woche über 8 bis 12 Wochen (Quelle 2). Die grössere Meta-Analyse nennt Programmlängen von 6 bis 24 Wochen mit einer bis vier Einheiten pro Woche (Quelle 1).

Das sind Beschreibungen, keine Anleitungen. Welches Programm für Dich passt, hängt von Trainingszustand, Wettkampfplan und Vorgeschichte ab. Das klären eine qualifizierte Trainerin oder ein qualifizierter Trainer und im Zweifel die Ärztin oder der Arzt.

Macht Krafttraining Läufer schwerer oder übertrainiert?

Diese Sorge hört man oft. Im Review mit 18 randomisierten Studien gingen die Verbesserungen nicht mit einer signifikanten Zunahme der Körpermasse oder mit Anzeichen von Übertraining einher (Quelle 7). Zur Verletzungsvorbeugung durch Krafttraining bei Läufern haben wir keine Studie ausgewertet, und wir machen deshalb dazu keine Aussage. Wie Du ohne Studio trainierst, ordnet der Studiencheck Krafttraining zu Hause ein.

Wie belastbar ist das? Grenzen der Evidenz

  • Tiefe Vertrauenswürdigkeit. Die meisten Arbeiten im Umbrella-Review hatten eine tiefe oder kritisch tiefe Vertrauenswürdigkeit (Quelle 3).
  • Kleine Gruppen. Die Meta-Analyse bei hochtrainierten Läufern beruht auf fünf Studien mit 93 Personen (Quelle 2).
  • Gemischte Ergebnisse. Nicht alle Programme wirkten, die Wirkung könnte von den Eigenschaften des Trainings abhängen (Quelle 7).
  • Methodische Mängel. Die Autoren des Reviews zu vortrainierten Läufern mahnen zur vorsichtigen Interpretation (Quelle 7).
  • Laufökonomie ist nicht Wettkampfzeit. Ein besserer Energiebedarf im lockeren Tempo bedeutet nicht automatisch eine schnellere Zeit. Die Evidenzsicherheit für Laufleistung war sehr tief bis moderat (Quelle 4).
  • Nicht untersucht. Verletzungsvorbeugung, Ultradistanzen und Hobbyläufer ohne Trainingserfahrung haben wir nicht ausgewertet. Die Studien betreffen Mittel- und Langstreckenläufer verschiedener Leistungsstufen.

Was heisst das für Ernährungscoaches?

Die SNF Academy bildet seit 2005 aus (QualiCert geprüft). Läuferinnen und Läufer sind eine dankbare Zielgruppe für Personal Trainer: Sie wollen schneller werden, haben aber oft nie Krafttraining gemacht. In der Beratung klärst Du zuerst Ziel, Wettkampf, Trainingsumfang und Verletzungsgeschichte. Du erklärst, dass Krafttraining nach den Studien vor allem die Laufökonomie verbessert und nicht die VO2max, dass schwere Lasten, Sprünge und Kombinationen in den Studien die besten Befunde zeigten und dass die Evidenz Grenzen hat. Die Ernährung gehört dazu: Wer Ausdauer und Kraft kombiniert, braucht eine abgestimmte Energie- und Eiweissversorgung. Das gibt Dir als Ernährungscoach und Trainer ein klares Profil. Wie Du Trainingspläne für Ausdauersportler strukturierst und Studien einordnest, lernst Du in der Personal-Trainer-Ausbildung der SNF Academy.

So ist dieser Artikel entstanden

Für diesen Artikel haben wir am 31. Oktober 2026 in der Datenbank PubMed nach Meta-Analysen und systematischen Übersichtsarbeiten gesucht (Suchbegriffe im Titel: «strength training, runners, running economy, endurance performance»). Aus den Treffern haben wir 8 Arbeiten ausgewählt, die Fragen zur Gesundheit beim Menschen beantworten, und ihre Zusammenfassungen vollständig gelesen. Jede Zahl im Text stammt aus diesen Zusammenfassungen. Die Volltexte der Arbeiten haben wir nicht ausgewertet. Einzelheiten, die nur dort stehen, können deshalb vom hier Beschriebenen abweichen. Die Studien untersuchen Wirkstoffe, nicht die genannten Produkte. Falls Dir ein Fehler auffällt oder Du eine neuere Studie kennst, melde Dich gern über unsere Kontaktseite. Wir prüfen den Hinweis und passen den Artikel an.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Birol Isik, Gründer der SNF Academy
Über den Autor

Birol Isik

Birol Isik ist Schweizer Unternehmer, Mentor, Mindset Coach und Gründer der SNF Academy. Seine Schwerpunkte liegen unter anderem auf Coaching, Kommunikation, Selbstführung und beruflicher Entwicklung. Als Berater und Coach begleitet er Menschen seit 2005.

Zum Profil birolisik.ch

Häufige Fragen.

Die wichtigsten Antworten zum Beitrag, kurz und verständlich.

Bringt Krafttraining Läufern etwas?

Ja. Ein Umbrella-Review mit 17 systematischen Übersichtsarbeiten fand in allen Arbeiten moderate bis grosse Effekte auf die Laufökonomie, die VO2max veränderte sich nicht signifikant Quelle 3.

Verbessert Krafttraining die Laufökonomie?

In einer Meta-Analyse mit 16 Studien verbesserte sich die Laufökonomie um 3.93 Prozent, bei explosivem Training um 4.83 und bei schwerem Krafttraining um 3.65 Prozent Quelle 6.

Macht Krafttraining schneller?

Hohe Lasten verbesserten die Laufleistung moderat (ES -0.469), kombinierte Methoden gross (ES -1.035), bei sehr tiefer bis moderater Evidenzsicherheit Quelle 4.

Verbessert Krafttraining die VO2max?

Nein. In vier Meta-Analysen zeigte sich keine signifikante Veränderung der VO2max Quelle 3, und keine Methode verbesserte VO2max oder Sprintfähigkeit Quelle 4.

Hilft isometrisches Training Läufern?

Bei der Laufökonomie fand eine Meta-Analyse keinen Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe Quelle 1. Auch die frühere Meta-Analyse sah keinen signifikanten Effekt (p = 0.324) Quelle 6.

Macht Krafttraining Läufer schwerer?

Im Review mit 18 randomisierten Studien und 321 Läufern gab es keine signifikante Zunahme der Körpermasse und keine Anzeichen von Übertraining Quelle 7.