Empathie ist eine der wichtigsten zwischenmenschlichen Fähigkeiten – und gleichzeitig eine, die in den letzten Jahren durch den digitalen Wandel deutlich gelitten hat. Birol Isik, Coach und Gründer der SNF Academy, erklärt in diesem Video den entscheidenden Unterschied zwischen kognitiver und emotionaler Empathie und zeigt, warum wir beide Formen wieder bewusst entwickeln sollten.
Video ansehenauf YouTube ↗Im Video erklärt Birol Isik in 1:36 Minuten beide Empathie-Formen und ihre Bedeutung für unsere Beziehungen.
Was bedeutet kognitive Empathie?
Kognitive Empathie ist die rationale Form des Verstehens. Du nimmst dein Gegenüber wahr, beobachtest und kannst nachvollziehen, was in seinem Kopf vorgeht – ohne selbst emotional mitzuschwingen.
"Die kognitive Empathie bezieht sich auf die Fähigkeit, dass du deinen Gesprächspartner in die Augen siehst und verstehst, was in seinem Kopf abgeht. Das heisst: die Meinungen, die Gedanken, die Überlegungen kannst du rational nachverfolgen und weisst: Aha, er denkt deshalb so – und deshalb wird er sich wahrscheinlich so fühlen."
– Birol Isik
Du erkennst durch kognitive Empathie:
- Welche Überzeugungen und Gedanken die andere Person hat
- Wie sie eine Situation bewertet
- Welche Reaktionen aus dieser Bewertung wahrscheinlich folgen
- Welche Worte oder Argumente bei dieser Person wirken
Diese Form der Empathie ist besonders im beruflichen Kontext gefragt: in der Kundenkommunikation, im Verkauf, in der Führung, im Coaching. Wer kognitive Empathie beherrscht, kann Konflikte deeskalieren und Gespräche zielgerichtet steuern, ohne sich emotional zu verlieren.
Was bedeutet emotionale Empathie?
Emotionale Empathie geht eine Ebene tiefer. Hier verlässt du den reinen Verstand und tauchst in die Gefühlswelt deines Gegenübers ein.
"Die emotionale Empathie bezieht sich auf die Fähigkeit, dass du deinem Gesprächspartner in die Augen siehst und auch in die Gefühlswelt eintauchst und da auch mitfühlst. Das heisst, du verstehst es nicht nur, sondern du tauchst da auch in die Gefühlswelt ein und leidest eventuell mit oder denkst mit und fühlst mit – das heisst, du bist verbunden."
– Birol Isik
Emotionale Empathie schafft echte Verbindung. Sie ist die Basis für vertrauensvolle Beziehungen – in der Partnerschaft, in der Familie, in der Freundschaft, aber auch in Coaching-Beziehungen, in der Pflege, in der Therapie und im Personal Training.
Wichtiger Unterschied auf einen Blick:
| Kognitive Empathie | Emotionale Empathie |
|---|---|
| Du verstehst, was die andere Person denkt | Du fühlst, was die andere Person fühlt |
| Rational, beobachtend, distanziert | Mitfühlend, verbunden, präsent |
| Stark in Verhandlung, Verkauf, Führung | Stark in Beziehung, Coaching, Pflege |
| Schützt vor emotionaler Überforderung | Schafft echte Verbindung und Vertrauen |
Warum ist Empathie heute wichtiger denn je?
Birol Isik beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung: Durch den digitalen Wandel der letzten zehn Jahre ist die zwischenmenschliche Empathie spürbar zurückgegangen.
"Ich glaube, dass wir in den letzten 10 Jahren durch diesen digitalen Wandel auch ein bisschen diese Empathie verloren haben, mit Menschen umzugehen. Sehr viele Menschen leben so ich-konzentriert, so auf sich bezogen – und es geht nur noch um ich, ich, ich. Das ist aus meiner Sicht für eine gesunde gesellschaftliche Entwicklung nicht förderlich."
– Birol Isik
Die Folgen davon spüren wir alle:
- Beziehungen werden oberflächlicher
- Konflikte eskalieren schneller, weil das gegenseitige Verstehen fehlt
- Einsamkeit nimmt zu – obwohl wir digital vernetzter sind als je zuvor
- Im Berufsleben fehlt es an verständnisvoller Führung
- Coaches, Trainer und Berater verlieren den echten Draht zu ihren Klienten
Wer empathisch ist, baut tragfähige Beziehungen auf. Das ist im Privatleben genauso entscheidend wie im Beruf – ganz besonders in beratenden, lehrenden und unterstützenden Tätigkeiten. Personal Trainer und Ernährungscoaches beispielsweise stehen täglich mit Menschen in Kontakt, die sich oft unsicher, frustriert oder verletzlich zeigen. Ohne Empathie funktioniert dieser Beruf schlicht nicht.
Wie kannst du Empathie wieder entwickeln?
Die gute Nachricht: Empathie ist trainierbar. Wir sind als Menschen bereits mit dieser Fähigkeit ausgestattet – wir müssen sie nur wieder bewusst aktivieren.
"Damit wir Beziehungen aufbauen können, müssen wir natürlich auch in der Lage sein, unsere Gesprächspartner und die Mitmenschen um uns ein bisschen besser zu verstehen. Diese Empathie, diese Fähigkeit empathisch zu sein, das sollten wir entwickeln oder wieder in uns entdecken – weil wir hatten das ja. Wir sind ja mit solchen Fähigkeiten ausgestattet."
– Birol Isik
Vier konkrete Wege, um Empathie zu trainieren:
- Aktives Zuhören – nicht zuhören, um zu antworten, sondern um zu verstehen. Beobachte Körpersprache, Mimik und Tonfall.
- Bewusste Pausen vom digitalen Konsum – Social Media und ständige Reizflut schwächen unsere emotionale Wahrnehmung. Gönn deinem Gehirn Stille.
- Echte Gespräche statt Smalltalk – stelle offene Fragen wie "Wie geht es dir wirklich?" und halte das Schweigen aus, das oft danach kommt.
- Selbstreflexion – wer seine eigenen Emotionen kennt, kann auch die Emotionen anderer besser einordnen.
Wer diese Fähigkeit gezielt aufbauen möchte – ob für die eigene Beziehung, für den Beruf oder als Coach – findet im Kommunikationstraining bei Coachpreneur einen strukturierten Einstieg. Birol Isik vermittelt dort genau diese Werkzeuge auf Basis von 19 Jahren Coaching-Erfahrung.
Birol Isik begleitet seit 2005 Menschen, Coaches und Unternehmen bei Veränderung, Persönlichkeitsentwicklung und Selbstständigkeit. Als Gründer der SNF Academy und Initiator von Coachpreneur verbindet er Mindset-Arbeit mit konkretem Business-Wissen für Coaches, Trainer und Quereinsteiger im Coaching-Markt.

















