Schrittzähler, Ernährungstagebuch, Schlaf-Tracker: Fast jede Kundin nutzt mindestens eine Gesundheits-App. Für dich als Coach stellen sich praktische Fragen. Welche App passt zu wem? Wie sprichst du über Messwerte? Und wann hilft eine App eher, als dass sie stört?
Dieser Artikel gibt dir ein Vorgehen für die digitale Begleitung, gestützt auf Forschung. Den Rahmen für den Beruf liefert die Health-Coach-Ausbildung der SNF Academy. Wer sich auch für spielerische Ansätze interessiert, findet im Beitrag Exergaming im Training weitere Ideen.
Was bringen Gesundheits-Apps nach heutigem Stand?
Eine Meta-Analyse zu personalisierten mobilen Technologien sichtete 39 Artikel zu 31 Interventionen. Sie fand einen moderaten positiven Effekt auf Lebensstilverhalten wie Bewegung und Ernährung. Der standardisierte Mittelwertunterschied lag bei 0,663 (Tong et al. 2021).
Besonders spannend: Anwendungen, die für die Personalisierung automatisch erfasste Daten nutzten, schnitten besser ab als solche mit Selbstangaben. Die Autorinnen und Autoren beschreiben das Feld dennoch als noch jung (Tong et al. 2021). Für die Praxis heisst das: Apps haben Potenzial, aber sie sind kein Selbstläufer.
Auch die Heterogenität ist gross. Unterschiedliche Apps, Zielgruppen und Studiendesigns lassen allgemeine Aussagen nur begrenzt zu. Deshalb brauchst du einen eigenen Blick auf die Person vor dir.
Wie wirken Apps bei älteren Erwachsenen?
Viele Coaches begleiten auch Menschen ab 55 Jahren. Eine Übersicht zu Gesundheits-Apps bei älteren Erwachsenen schloss sechs Studien mit 486 Personen ein. Es zeigten sich Tendenzen zu weniger Sitzen und mehr Schritten, doch die Ergebnisse erreichten keine statistische Signifikanz (Yerrakalva et al. 2019).
Die Autorinnen und Autoren führen dies möglicherweise auf zu kleine Stichproben zurück und fordern grössere Studien mit längerer Nachbeobachtung (Yerrakalva et al. 2019). Wer ältere Menschen mit Apps begleitet, sollte also keine schnellen Sprünge erwarten, sondern kleine Schritte feiern. Das ist realistisch und motiviert langfristig mehr.
Zudem hängt die Nutzung von digitaler Gesundheitskompetenz ab. Eine Meta-Analyse mit sieben Studien und 710 älteren Personen fand positive Wirkungen von Schulungen auf Wissen und Selbstwirksamkeit. Auf die praktischen Fertigkeiten zeigte sich kein signifikanter Effekt (Dong et al. 2023). Geduld und Übung gehören also zur Begleitung.
Wie wählst du eine App für deine Kundschaft aus?
Nicht jede App passt zu jedem Menschen. Eine kurze Prüfliste hilft bei der Entscheidung.
- Ziel: Welches konkrete Verhalten soll sich ändern, zum Beispiel Schritte, Trinken oder Schlafenszeit?
- Einfachheit: Versteht die Person die App in fünf Minuten, ohne Hilfe?
- Datenschutz: Welche Daten werden gespeichert, und wo?
- Kosten und Werbung: Gibt es versteckte Käufe oder aufdringliche Anzeigen?
- Motivation: Fühlt sich die Rückmeldung unterstützend an oder setzt sie unter Druck?
- Alternativen: Reicht ein Notizbuch oder eine einfache Erinnerung im Telefon?
Die beste App ist oft die einfachste. Wenn sie nach zwei Wochen noch geöffnet wird, hat sie ihre Aufgabe erfüllt. Bei Unsicherheit hilft ein Probelauf über wenige Tage.
Wie läuft die Einführung einer App im Coaching ab?
Eine klare Struktur über vier Wochen hat sich in der Praxis bewährt. Sie ist ein Vorschlag und lässt sich anpassen.
| Woche | Ziel | Dein Beitrag als Coach |
|---|---|---|
| 1 | App einrichten und ein einziges Ziel wählen | Gemeinsam einrichten, Datenschutz erklären, Ziel festlegen |
| 2 | Gewohnheit beobachten, nichts verändern | Daten gemeinsam ansehen, ohne zu bewerten |
| 3 | Eine kleine Veränderung testen | Hürden besprechen, Anpassungen vereinbaren |
| 4 | Rückblick und Entscheidung | Nutzen prüfen, App behalten oder weglassen |
Wichtig ist der Rückblick am Ende. Manchmal zeigt sich, dass eine App mehr Stress als Hilfe bringt. Dann ist es ein Erfolg, sie wegzulassen. Coaching bedeutet, auf die Person zu hören und nicht auf die Technik.
Wie sprichst du über Messwerte?
Zahlen auf dem Bildschirm lösen Gefühle aus. Ein niedriger Schlafwert kann Sorgen verstärken, ein hoher Schrittzähler Druck erzeugen. Frage deshalb zuerst, wie sich die Person fühlt, und erst danach, was die App zeigt.
- Neutral bleiben: Zahlen sind Informationen, keine Urteile.
- Trends statt Einzelwerte: Eine Woche sagt mehr als ein Tag.
- Grenzen kennen: Wearables messen ungenau und ersetzen keine Untersuchung.
- Bei Auffälligkeiten ärztlich abklären lassen: etwa bei Herzklopfen, Schmerzen oder Schwindel.
Coaching ist keine Diagnose, keine Therapie und keine medizinische Beratung. Das gilt auch, wenn eine App scheinbar klare Hinweise gibt. Wie du das in deinem Auftritt verständlich erklärst, zeigt der Beitrag Digital Health Coach in der Schweiz.
Welche Fehler passieren bei der digitalen Begleitung?
Typische Stolpersteine lassen sich vermeiden, wenn du sie kennst. Zu viele Apps gleichzeitig überfordern. Zu viele Ziele führen zu Frust. Ständige Benachrichtigungen lassen die Motivation sinken. Und wer nur auf Zahlen schaut, übersieht, wie sich die Person im Alltag fühlt.
Ein weiterer Fehler ist die Übernahme von Standardplänen. Studien zeigen, dass Personalisierung eine Rolle spielt. Passe also Ziele, Zeitpunkte und Rückmeldungen an die Lebenslage an. Das kostet Zeit, zahlt sich aber aus. Wer nur Vorlagen verteilt, unterscheidet sich kaum von einer Werbebroschüre.
Schliesslich geht es um deine eigene Rolle. Du bist nicht die App-Betreuung, sondern der Mensch, der Orientierung gibt. Wer das im Blick behält, nutzt Technik als Hilfsmittel und nicht als Ersatz für Beziehung.
Zum Schluss lohnt sich ein Blick auf deine eigene Praxis. Frage Kundschaft regelmässig, ob die App noch hilft. Bitte um ehrliche Rückmeldung und sei bereit, Dinge zu ändern. Diese Offenheit stärkt das Vertrauen und zeigt, dass es um die Person geht und nicht um ein Produkt.
Das lernst du in der Health-Coach-Ausbildung
Die Health-Coach-Ausbildung der SNF Academy verbindet Ernährungswissen, Gesundheitspsychologie und systemisches Coaching. Sie läuft online mit einem Coaching-Anteil im Kanton Bern und führt zum Diplom Health Coach SNFA. Teilnehmende der Ausbildungen zum Dipl. Personal Trainer SNFA und zum Dipl. Ernährungscoach SNFA vertiefen zusätzlich:
- Ernährung und Nahrungsergänzung: Grundlagen für das Gespräch über Tagebuch-Apps.
- Krafttraining, Muskelaufbau und Fitness: Wie Trainingsdaten sinnvoll gelesen werden.
- Trainingsplan und Regeneration: Wie Ruhe, Schlaf und Belastung zusammenspielen.
- Korrekte Übungsausführung: Warum Technik wichtiger ist als Zahlen.
- Verhaltensänderung: Gewohnheiten aufbauen, Rückfälle begleiten.
Die Personal-Trainer-Ausbildung ist durch QualiCert geprüft und anerkannt. Du kannst die Wege einzeln wählen: Ernährungscoach-Ausbildung, Personal-Trainer-Ausbildung oder gemeinsam im Fitness Kombi Paket.
Wie wirst du mit digitalen Angeboten sichtbar?
Wer Apps und Online-Coaching anbietet, braucht einen klaren digitalen Auftritt. Die Business Masterclass von Birol Isik zeigt, wie du Angebot, Kundengewinnung und Positionierung aufbaust. Viele Teilnehmende starten nebenberuflich und machen ihr Hobby zum Beruf. Individuelles Coaching mit ihm ist auf Wunsch möglich.
Für Videos, Texte und Webauftritt unterstützt dich onspire mit Content Creation: Wir beraten und unterstützen dich dabei. Vertiefende Digital Skills findest du in der Weiterbildung zur digitalen Transformation.
Evidenz und Grenzen
Die Meta-Analyse zu personalisierten Technologien fasst sehr unterschiedliche Anwendungen zusammen. Die Arbeit zu älteren Erwachsenen umfasst nur sechs Studien und war unterpowert. Die Meta-Analyse zur digitalen Gesundheitskompetenz stützt sich auf sieben Studien aus wenigen Ländern.
Studien aus der Schweiz liegen hier nicht vor. Die Ergebnisse zeigen Tendenzen und keine Garantie. Dieser Artikel macht keine Heilversprechen und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
So gehst du jetzt vor
Teste selbst eine App über zwei Wochen und notiere, was dir hilft und was stört. Entwickle daraus deine Prüfliste. Probiere das Vier-Wochen-Modell mit einer Person aus deinem Umfeld.
Wenn du dieses Handwerk professionell lernen möchtest, vereinbare das Strategiegespräch zur Ausbildung. Mehr zum Gründer Birol Isik findest du auf birolisik.ch. Daniela Isik als Dozentin stellt sich auf danielalovric.ch vor. Auftritt und Branding unterstützt onspire.ch, die Lernplattform ist der SNFA Campus.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zum Programm findest du auf der verlinkten Seite.











