Bewegungsspiele auf dem Bildschirm, mit Sensoren oder in der virtuellen Realität sind im Alltag angekommen. Viele Kundinnen und Kunden kennen Exergaming von zu Hause und fragen, ob sich das für das Training eignet. Als Coach brauchst du darauf eine ehrliche Antwort, die weder Begeisterung noch Abwehr ist.
Dieser Artikel zeigt, was Exergaming ist, was Studien dazu sagen und wo du es im Personal Training sinnvoll einsetzt. Er ordnet auch ein, wo die Grenzen liegen. Wie Koordination und Denken zusammenspielen, beschreibt der Beitrag zum Koordinationstraining fürs Gehirn.
Was ist Exergaming?
Exergaming ist ein Kunstwort aus «Exercise» und «Gaming». Gemeint sind Spiele, bei denen der Körper die Steuerung übernimmt. Du bewegst dich, ein Sensor oder eine Kamera erfasst die Bewegung, und das Spiel gibt dir sofort eine Rückmeldung.
Die Formen sind vielfältig. Es gibt Tanzspiele auf Matten, Sportspiele mit Kamera, Gleichgewichtsaufgaben auf Druckplatten und Spiele in der virtuellen Realität. Manche Systeme laufen auf dem Fernseher, andere auf einem Tablet oder einer Brille.
Das Prinzip ist immer gleich. Das Spiel stellt eine Aufgabe, du löst sie mit Bewegung, und Punkte oder Stufen zeigen den Fortschritt. Genau dieses Prinzip macht Exergaming für das Training interessant, denn es verbindet Rückmeldung, Ziel und Belohnung.
Was zeigen Studien zu Exergaming bei älteren Erwachsenen?
Am besten untersucht ist der Einsatz bei Balance und Mobilität. Eine Meta-Analyse wertete 12 Studien aus, die Exergames mit keiner Intervention verglichen. Insgesamt nahmen 1520 ältere Erwachsene teil, im Mittel etwa 76 Jahre alt, ohne neurologische Erkrankung (Pacheco et al. 2020).
Die Gruppen mit Exergames verbesserten sich bei der Balance und Mobilität. Beim Timed-Up-and-Go-Test, einem Gehtest mit Aufstehen und Hinsetzen, lag der Unterschied bei etwa 2,5 Sekunden. Auf der Berg-Balance-Skala betrug er rund 2 Punkte (Pacheco et al. 2020).
Die Autoren weisen aber darauf hin, dass hochwertige Studien mit einheitlichen Messverfahren nötig sind. Die Arbeit sagt also: Exergames können helfen, aber die Datenbasis ist noch nicht stabil. Diese Einordnung gilt auch für dich als Coach, wenn du Kundinnen und Kunden berätst.
Sind Exergames besser als klassisches Training?
Hier lohnt der nüchterne Blick. Ein weiterer Review verglich Exergames direkt mit herkömmlichen Übungen. Er schloss 12 Studien mit 919 Teilnehmenden ein. Bei der körperlichen und der kognitiven Funktion fand er keine signifikanten Unterschiede (Chen et al. 2023).
Der Unterschied bei der körperlichen Funktion war mit einem Effekt von 0,37 zwar nicht null, das Vertrauensintervall reichte aber von minus 0,11 bis 0,86. Das heisst: Die Daten sind mit einem Vorteil vereinbar, aber auch mit keinem. Zudem war die Heterogenität hoch, die Studien unterschieden sich also stark (Chen et al. 2023).
Für die Praxis ergibt sich daraus eine klare Regel. Exergaming ist keine Lösung für alles und ersetzt kein Krafttraining. Es kann aber ein gleichwertiger Weg sein, wenn die Belastung vergleichbar ist und die Person das Spiel gerne macht.
Kann Exergaming die Aktivität im Alltag steigern?
Eine Meta-Analyse mit 20 randomisierten Studien prüfte, ob exergame-basierte Programme die körperliche Aktivität erhöhen. Sie fand einen kleinen Anstieg der Gesamtaktivität (Effekt 0,19) und grössere Anstiege bei mässig bis intensiver Aktivität (0,48) und bei den Schritten (0,54) (Li et al. 2025).
Die Studien betrafen Personen zwischen 7,5 und 79 Jahren mit unterschiedlichen Ausgangslagen. Das macht die Ergebnisse breit, aber auch unscharf. Die Autoren betonen, dass Langzeitfolgen noch untersucht werden müssen (Li et al. 2025).
Interessant ist, was die Programme enthielten. Häufig kamen Handlungsplanung, Zielsetzung und Selbstbeobachtung vor. Das sind Methoden, die du als Coach ohnehin einsetzt. Der Bildschirm ist also nicht allein verantwortlich, sondern die Technik dahinter.
Macht Exergaming mehr Freude?
Freude entscheidet oft darüber, ob jemand dabeibleibt. Eine Meta-Analyse zu aktiven Videospielen bei älteren Erwachsenen fand in fünf Studien mehr Freude und Zufriedenheit als in den Kontrollgruppen. Der Effekt war mit 0,34 klein, und die Autoren stufen die Aussagekraft als gering ein (Bravo-Aparicio et al. 2025).
Das passt zur Alltagserfahrung. Manche Kundinnen und Kunden lieben Spiele, andere finden sie albern. Persönlichkeit, Alter und Technikerfahrung spielen eine Rolle. Ein Spiel, das für eine Person motivierend ist, kann für die nächste ein Hindernis sein.
Frag deshalb vorher, was sie sich vorstellen können. Biete Exergaming als Wahl an, nicht als Pflicht. So wahrst du Autonomie, und die Chance steigt, dass die Person das Angebot wirklich nutzt.
Wo setzt du Exergaming im Personal Training ein?
Exergaming passt nicht überall. Es ist ein Werkzeug, das in bestimmten Situationen glänzt. Wichtig ist, dass du das Ziel der Person kennst und das Spiel dazu passt.
- Aufwärmen: Ein kurzes Spiel bringt Puls und Aufmerksamkeit in Schwung, bevor das eigentliche Training startet.
- Gleichgewicht und Koordination: Aufgaben auf Druckplatten oder mit Kamera fordern Haltung und Reaktion.
- Abwechslung bei Ausdauer: Spielerische Intervalle können die Zeit schneller vergehen lassen.
- Zuhause: Wer zwischen den Einheiten wenig Lust auf Training hat, findet im Spiel manchmal einen leichten Einstieg.
- Gruppen und Paare: Gemeinsames Spielen erzeugt Wettbewerb und Gemeinschaft.
Im Gespräch hilft eine einfache Frage: Was hat dir an Bewegung bisher gefehlt? Sagt jemand, es sei langweilig, ist ein Spiel eine Idee. Sagt jemand, er habe Angst vor Fehlern, kann ein Spiel mit klaren, kleinen Aufgaben entlasten, weil es sofort und neutral rückmeldet. Sagt jemand, er habe wenig Zeit, sind kurze Spielrunden zwischen Terminen eine Möglichkeit.
Nicht geeignet ist Exergaming als einziges Training. Für Maximalkraft, Muskelaufbau und gezielte Reize braucht es weiterhin Gewichte oder Körpergewicht mit sauberer Ausführung.
Wie planst du eine Exergaming-Einheit?
Behandle ein Spiel wie eine Übung im Plan. Du legst Dauer, Intensität und Pausen fest und beobachtest, wie die Person reagiert. Ein Beispiel aus dem Alltag, ausdrücklich nur als Muster und keine Einzelperson: Ein Kunde möchte seine Balance verbessern und mag Technik.
- Start: Fünf Minuten leichtes Aufwärmen, dann zehn Minuten Gleichgewichtsspiel im sicheren Stand.
- Hauptteil: Kraftübungen wie Kniebeugen und Rudern mit eigener Technik, danach ein kurzes Spiel zur Auflockerung.
- Abschluss: Ruhige Mobilisation und Rückmeldung zum Empfinden.
- Fortschritt: Schwierigkeitsstufe erst erhöhen, wenn die Bewegung sauber und ruhig bleibt.
Wichtig ist, dass das Spiel nicht die Leitung übernimmt. Du bleibst für Technik, Sicherheit und Dosierung zuständig. Das Gerät liefert Rückmeldung, du triffst die Entscheidungen.
Welche Sicherheit und welche Grenzen gelten?
Spiele lenken ab, und Ablenkung ist beim Gleichgewicht ein Risiko. Sorge für freien Raum, rutschfeste Böden und, wenn nötig, eine Haltemöglichkeit. Bei älteren oder unsicheren Personen stehst du in Reichweite.
In der virtuellen Realität kann Schwindel auftreten. Beginne mit kurzen Phasen und beende bei Unwohlsein. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwindel, Gelenkbeschwerden oder Medikamenteneinnahme gehört die Frage vorab zu Ärztin oder Arzt. Das ist eine fachliche Grenze, die Sicherheit schafft.
Prüfe zudem, ob das Spiel zur Person passt. Zu schnelle Aufgaben überfordern, zu einfache langweilen. Gute Systeme lassen die Schwierigkeit einstellen. Beobachte, ob die Bewegung sauber bleibt, wenn das Tempo steigt. Wird die Haltung unsauber, reduzierst du das Niveau, bevor Fehler zur Gewohnheit werden.
Auch der Datenschutz zählt. Viele Systeme speichern Bewegungs- und Leistungsdaten. Kläre mit den Kundinnen und Kunden, was gespeichert wird, und gib keine Daten ohne Zustimmung weiter.
Das lernst du in der Ausbildung zum Personal Trainer
Teilnehmende der Ausbildung zum Dipl. Personal Trainer SNFA und zum Dipl. Ernährungscoach SNFA erfahren dazu mehr. Die Personal-Trainer-Ausbildung der SNF Academy vermittelt das Fachwissen, mit dem du Methoden wie Exergaming einordnest. Im Zusammenhang mit digitalen Bewegungsspielen lernst du unter anderem:
- Krafttraining und Muskelaufbau: Wie Reize gesetzt werden, damit Spiele das Training ergänzen und nicht ersetzen.
- Korrekte Übungsausführung: Warum saubere Technik auch bei spielerischen Aufgaben zählt.
- Trainingsplan: Wie du Spiele als Baustein in Wochenplan und Progression einbaust.
- Regeneration: Wie Pausen und Belastung zusammenpassen, auch bei kurzen Einheiten.
- Fitness: Wie Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit schrittweise wachsen.
- Nahrungsergänzung: Eine nüchterne Einordnung von Produkten, ohne Dosierungsempfehlungen aus eigener Hand.
Die Personal-Trainer-Ausbildung ist durch QualiCert geprüft und anerkannt. Absolventinnen und Absolventen verfügen über vertieftes Wissen und können Kunden im Fitnessstudio, im Outdoor-Training oder in Sportvereinen professionell beraten und betreuen. Wir empfehlen unseren Teilnehmenden, erste praktische Erfahrungen im Fitnessstudio zu sammeln und sich laufend weiterzuentwickeln. Nach der Ausbildung kannst du dich durch QualiCert zertifizieren lassen. Bei Fragen nimm unverbindlich Kontakt mit unseren Expertinnen und Experten auf. Das Diplom ist auf NQR Level 4 eingestuft. Du lernst 100 Prozent online mit 365 Tagen Zugang. Mit der Ernährungscoach-Ausbildung ergänzt du die Ernährungsseite, und das Fitness Kombi Paket verbindet beide Wege zu zwei Diplomen. Die Grundlage für alles ist die Personal Trainer Ausbildung in der Schweiz.
Wie wirst du mit diesem Wissen selbstständig?
Digitale Bewegungsangebote sind ein Thema, bei dem viele Anbieter Technik zeigen, aber wenige Beratung liefern. Genau hier kannst du dich abheben. Du ordnest ein, wählst passende Methoden und begleitest Menschen persönlich. Viele Teilnehmende starten nebenberuflich und machen ihr Hobby zum Beruf.
Wie du daraus ein eigenes Angebot machst, lernst du in der Personal-Trainer-Ausbildung mit Business Masterclass: Selbstständigkeit, Kundengewinnung und Markenaufbau. Die Business Masterclass leitet Birol Isik, auf Wunsch kommt individuelles Coaching mit ihm dazu, auch bei Fragen zur Zertifizierung. Wer Wissen im Video vermitteln will, findet in der YouTube Masterclass von Daniela Isik einen Einstieg. Wie du kurze Einheiten im Alltag anbietest, zeigt der Artikel zu Mini-Workouts in 10 Minuten.
Evidenz und Grenzen
Die genannten Arbeiten sind Meta-Analysen und Übersichten, doch sie haben Schwächen. Die Studien sind klein, unterscheiden sich stark in Spielen, Geräten und Dauer, und die Aussagekraft wird teils als gering eingestuft. Die Balance-Studien betreffen ältere Erwachsene ohne neurologische Erkrankung, der Vergleich mit klassischem Training zeigt keinen klaren Unterschied.
Die Aktivitäts-Meta-Analyse umfasst sehr unterschiedliche Gruppen, und die Langzeitwirkung ist offen. Was im Durchschnitt gilt, muss für eine einzelne Person nicht gelten. Wir geben keine Heilversprechen. Bei Beschwerden, Schwindel, Vorerkrankungen oder Sturzangst gehört die Abklärung in ärztliche Hände.
So gehst du jetzt vor
Teste ein Spiel zuerst selbst, bevor du es Kundinnen und Kunden anbietest. Prüfe Raum, Sicherheit und Schwierigkeitsgrad. Frage dann in der nächsten Einheit, ob jemand Lust hat, es als Baustein auszuprobieren, und notiere, wie es ankommt.
Wenn du Menschen beruflich bei Bewegung begleiten möchtest, vereinbare das Strategiegespräch zur Ausbildung. Wir klären mit dir, welcher Weg zu dir passt. Hinweise zu Branding, Auftritt und Equipment erhältst du bei onspire.ch: Wir beraten und unterstützen dich dabei. Mehr zum Gründer Birol Isik findest du auf birolisik.ch, Daniela Isik als Dozentin stellt sich auf danielalovric.ch vor. Die Ausbildungen laufen auf dem SNFA Campus.
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Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zum Programm findest du auf der verlinkten Seite.











