Der Vitamin B12 Tagesbedarf ist keine einzelne Zahl, sondern hängt von Alter, Lebensphase und Ernährungsform ab. In diesem Artikel erklären wir die offiziellen Referenzwerte für die Schweiz, Deutschland und Österreich, ordnen sie nach Lebensphase und Ernährungsform ein und fassen dreizehn wissenschaftliche Arbeiten aus der Datenbank PubMed zusammen. Für jede Zahl haben wir die Zusammenfassung gelesen. Was dort nicht steht, behaupten wir nicht. Wir geben keine eigene Dosierung vor, sondern zitieren nur die Referenzwerte und die Befunde der Studien.
Der Artikel grenzt sich bewusst ab: Was ein Mangel ist und woran Du ihn erkennst, steht im Ratgeber Vitamin B12 Mangel: Symptome und Quellen. Wofür das Vitamin gut ist, zeigt der Studiencheck zum Nutzen von Vitamin B12, und zu hohen Dosen und Blutwerten gibt es den Artikel zur Vitamin-B12-Überdosierung. Hier geht es um die Frage, wie viel Vitamin B12 pro Tag als Referenz gilt und wie gut die Aufnahme in verschiedenen Gruppen aussieht.
Wie hoch ist der Vitamin B12 Tagesbedarf nach den Referenzwerten?
Die Ernährungsgesellschaften von Deutschland, Österreich und der Schweiz geben gemeinsam die D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr heraus. Sie wurden für Vitamin B12 im Jahr 2018 überarbeitet. Für Erwachsene basiert der Schätzwert auf ausreichenden Blutwerten von Holotranscobalamin und Methylmalonsäure, zwei Markern für die Versorgung. Das Ergebnis: Der Referenzwert für Erwachsene steigt von 3.0 auf 4.0 Mikrogramm pro Tag (Quelle 1).
Das ist ein Schätzwert für eine angemessene Zufuhr und kein Grenzwert. Er beschreibt, was Gesunde im Schnitt aufnehmen sollten, damit die Marker im Normbereich liegen. Er sagt nichts darüber, wie viel Du aus Lebensmitteln tatsächlich aufnimmst, und er ersetzt keine Messung. Ob bei Dir ein Mangel besteht, klärt die Ärztin oder der Arzt über Blutwerte.
Ältere Zahlen findest Du noch häufig. Eine Übersichtsarbeit von 2013 nennt, dass die damaligen Empfehlungen zwischen 1.4 und 3.0 Mikrogramm pro Tag lagen und sich auf den Bedarf für das Blutbild oder auf den Ausgleich der Verluste stützten (Quelle 2). Ein Review zu Fleisch und Milchprodukten spricht ebenfalls von einer offiziellen Empfehlung von 3.0 Mikrogramm (Quelle 9). Wenn Du also zwei verschiedene Zahlen liest, hängt das oft vom Jahr der Quelle und vom Land ab.
Wie viel Vitamin B12 brauchen Schwangere, Stillende und Kinder?
Auch für andere Lebensphasen gibt es Referenzwerte. Die Werte für Kinder und Jugendliche wurden aus dem Erwachsenenwert abgeleitet, unter Berücksichtigung von Körpermasse und Wachstum. Für Säuglinge unter vier Monaten stützt sich der Schätzwert auf die B12-Aufnahme über die Muttermilch. Bei Schwangeren und Stillenden kommen der Bedarf des Kindes und die Verluste über die Milch dazu (Quelle 1).
| Lebensphase | Schätzwert D-A-CH (Mikrogramm pro Tag) | Quelle |
|---|---|---|
| Säuglinge, Kinder, Jugendliche | 0.5 bis 4.0 | Quelle 1 |
| Erwachsene | 4.0 (früher 3.0) | Quelle 1 |
| Schwangere | 4.5 | Quelle 1 |
| Stillende | 5.5 | Quelle 1 |
Zur Schwangerschaft gibt es eine Cochrane-Auswertung mit fünf Studien und 984 Schwangeren, durchwegs aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Ein Teil der Frauen hatte schon zu Beginn einen B12-Mangel. Unter Supplementen hatten 25.9 Prozent einen Mangel, ohne waren es 67.9 Prozent (Risikoverhältnis 0.38, Vertrauensbereich 0.28 bis 0.51). Die Autorinnen und Autoren bezeichnen die Evidenz als sehr unsicher. Auch die B12-Werte der Kinder lagen höher (Mittelwertdifferenz 71.89 Pikomol pro Liter), langfristige Effekte auf die Gesundheit von Mutter und Kind sind aber nicht belegt (Quelle 7).
Die Muttermilch ist ein eigenes Kapitel. Ein systematischer Review mit elf Studien fand die höchste B12-Konzentration im Kolostrum und danach einen Rückgang über die ersten drei bis vier Monate. Die bisherigen Empfehlungen für Säuglinge und Stillende stützten sich auf Milchwerte von nur 9 brasilianischen Frauen, die mit veralteten Methoden gemessen wurden. Das zeigt, wie dünn die Datenbasis in diesem Bereich ist (Quelle 8).
Wie viel Vitamin B12 nehmen verschiedene Ernährungsformen auf?
Vitamin B12 wird von Mikroorganismen gebildet. Gute Quellen sind deshalb vor allem Lebensmittel von Wiederkäuern: Die höchsten Gehalte finden sich in Leber und Niere, deutlich weniger in Milchprodukten, und Hitze senkt den Gehalt meist ab (Quelle 9). Wer tierische Produkte weglässt, verliert diese Quellen.
Ein systematischer Review von 48 Studien aus Europa verglich die Zufuhr bei Veganern mit den Empfehlungen. Die Vitamin-B12-Zufuhr lag bei 0.24 bis 0.49 Mikrogramm pro Tag, die Empfehlungen im Review lagen bei 2.4 Mikrogramm (Quelle 3). Ein weiterer Review mit 141 Studien fand, dass Zufuhr und Status von B12 bei pflanzenbasierten Ernährungsformen im Schnitt tiefer lagen als bei Mischköstlern, bei Veganern am tiefsten (Quelle 4).
Bei den Blutwerten bestätigt sich das. Eine Meta-Analyse mit 17 Studien bei erwachsenen Veganern fand tiefere B12-Werte im Serum als bei Mischköstlern (Differenz minus 0.72 Pikomol pro Liter, Vertrauensbereich minus 1.26 bis minus 0.18) und höhere Werte des Homocysteins (plus 0.57 Mikromol pro Liter). Methylmalonsäure (p = 0.06) und Holotranscobalamin (p = 0.09) zeigten Trends, aber keine eindeutigen Unterschiede. Wer unter den Veganern Supplemente nahm, verbesserte alle gemessenen Marker deutlich (Quelle 5).
| Gruppe | Befund | Studienart | Quelle |
|---|---|---|---|
| Veganer (Europa) | Zufuhr 0.24 bis 0.49 Mikrogramm pro Tag | Review, 48 Studien | Quelle 3 |
| Erwachsene Veganer | Serum-B12 tiefer (minus 0.72 Pikomol pro Liter) | Meta-Analyse, 17 Studien | Quelle 5 |
| Kinder und Jugendliche, pflanzenbasiert | B12 tiefer (minus 97 Pikomol pro Liter) | Meta-Analyse | Quelle 6 |
| Pflanzenbasiert allgemein | Zufuhr und Status meist tiefer | Review, 141 Studien | Quelle 4 |
Bei Kindern und Jugendlichen von 5 bis 18 Jahren war das B12 bei pflanzenbasierter Ernährung im Mittel um 97 Pikomol pro Liter tiefer (Vertrauensbereich minus 187 bis minus 7). Die Unterschiede zwischen den Studien waren riesig (I2 = 98.5 Prozent). Der Unterschied blieb bei veganer und makrobiotischer Ernährung bestehen, nicht aber bei vegetarischer. Auffällig: Die gesamte B12-Zufuhr, also auch aus Supplementen und angereicherten Lebensmitteln, hob den Unterschied auf (Quelle 6).
Reicht B12 aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Nori und Pilzen?
Ein systematischer Review mit 25 Studien prüfte Algen, Pilze, Pflanzen und fermentierte Lebensmittel. Die echten B12-Gehalte lagen bei Nori bei 1.03 bis 2.68 Mikrogramm pro Blatt, bei getrockneten Shiitake bei 0.79 bis 1.12 Mikrogramm je 20 Gramm. Die Autorinnen und Autoren halten es für möglich, dass die Tagesempfehlungen mit einer abwechslungsreichen Auswahl solcher Lebensmittel gedeckt werden können (Quelle 10).
Diese Aussage solltest Du mit Vorsicht lesen. Der Abstract nennt Gehalte pro Portion und nicht, wie viel davon der Körper tatsächlich aufnimmt. Die anderen Arbeiten zeigen, dass Veganer ohne Supplement und angereicherte Lebensmittel im Schnitt tiefere Werte haben (Quelle 3, Quelle 5). Mehr zu Quellen und Lebensmitteln liest Du in unserem Artikel Vitamin B12 vegan: Was Studien zu Versorgung und Supplementen zeigen.
Wer hat ein erhöhtes Risiko, den Tagesbedarf nicht zu decken?
Eine Übersichtsarbeit nennt Vegetarier, Menschen mit einem Ernährungsmuster mit wenig tierischen Lebensmitteln und ältere Menschen als Risikogruppen. Bei Älteren ist die Aufnahme am häufigsten wegen einer Magensäure-Schwäche (Achlorhydrie) gestört, die Beschwerden einer unterschwelligen Unterversorgung sind unscheinbar und werden oft nicht erkannt (Quelle 12). Ein weiterer Review beschreibt, dass die Anfälligkeit im Lauf des Lebens wechselt und Ältere sowie der sich entwickelnde Embryo das grösste Risiko haben (Quelle 11).
Welche Ursachen und Gruppen es genau gibt, haben wir im Artikel Vitamin-B12-Mangel Risikogruppen: Was Meta-Analysen zeigen zusammengefasst. Für den Tagesbedarf ist die Folgerung einfach: Der Referenzwert gilt für Gesunde mit normaler Aufnahme. Wenn die Aufnahme gestört ist, hilft Rechnen mit der Nahrung allein nicht, dann braucht es eine Abklärung.
Ob der Bedarf bei Älteren höher liegt, lässt sich aus den gelesenen Arbeiten nicht beantworten. Ein Review zu Aufnahme, Blutwerten und Denkleistung fand in zwei randomisierten Studien und sechs Kohortenstudien keinen oder keinen einheitlichen Zusammenhang zwischen Zufuhr und Kognition. Die Evidenz reichte nach Ansicht der Autoren nicht aus, um die Empfehlungen darauf zu stützen (Quelle 2).
Was sagt die Studienlage zu Supplementen und Dosierungen?
Eine eigene Dosierung geben wir nicht vor. Wir zitieren, was die gelesenen Arbeiten festhalten. Ein Scoping-Review mit 70 Studien zu Veganern schreibt, dass bei Vegetariern Supplemente eine wirksame Möglichkeit seien, einen Mangel vorzubeugen oder zu beheben, und nennt eine tägliche Dosis von 50 bis 100 Mikrogramm. Gleichzeitig hält er fest, dass randomisierte Studien fehlen, die verschiedene Formen oder Dosen bei Vegetariern vergleichen (Quelle 13).
Das zeigt die Lücke: Die Spanne zwischen dem Referenzwert von 4.0 Mikrogramm und den Dosen in Studien und Präparaten ist gross, weil der Körper aus einer Einzeldosis nur einen Teil aufnimmt. Welche Menge für Dich passt, hängt von Ernährung, Blutwerten und ärztlicher Beratung ab. Bei der Schwangerschaft reichten die Dosen in den Studien von 5 bis 250 Mikrogramm pro Tag (Quelle 7). Bei Stillenden hob eine Gabe von 50 bis 250 Mikrogramm die Milchkonzentration, 2.6 bis 8.6 Mikrogramm wirkten nur in einer Bevölkerung mit schlechter Ausgangslage (Quelle 8).
Was bei sehr hohen Dosen gilt, zeigt der oben verlinkte Artikel zur Überdosierung. Zum Zusammenhang mit Energie und Training lies auch den Ratgeber B-Vitamine und Energie im Sport.
Wie belastbar ist das alles? Die Grenzen der Evidenz
- Referenzwerte sind Schätzwerte. Sie stützen sich auf Blutmarker und, bei Kindern, auf Hochrechnung aus dem Erwachsenenwert (Quelle 1).
- Uneinheitliche Zahlen. Je nach Jahr und Land nennen Quellen 1.4 bis 3.0 oder 4.0 Mikrogramm (Quelle 1, Quelle 2, Quelle 9).
- Grosse Unterschiede zwischen Studien. Bei den Kindern lag die Heterogenität bei 98.5 Prozent (Quelle 6).
- Wenig Daten bei Schwangeren und Stillenden. Die Cochrane-Auswertung stuft die Evidenz als sehr unsicher ein, und die Milchwerte stammten lange von nur 9 Frauen (Quelle 7, Quelle 8).
- Gehalt ist nicht Aufnahme. Die Zahlen zu Nori und Pilzen sind Gehalte pro Portion (Quelle 10).
- Keine Aussage über Produkte. Die Arbeiten untersuchen Vitamin B12 und nicht einzelne Präparate.
- Volltexte nicht ausgewertet. Wir haben die Zusammenfassungen gelesen, nicht die ganzen Studien.
Welche Produkte nehmen die Dozenten der SNF Academy?
Das folgende Produkt nehmen die Dozentinnen und Dozenten der SNF Academy persönlich. Das ist eine Erfahrungsempfehlung. Die Studien oben betreffen Vitamin B12 und nicht dieses Produkt. Zu den übrigen B-Vitaminen haben wir hier keine Studie ausgewertet. Ob und wie Du ein B-Vitamin-Präparat einnimmst, klärst Du am besten mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
- Vitamin B Plus: Empfehlung der Dozenten der SNF Academy, die es seit Jahren selbst nehmen und gute Erfahrungen damit machen. Zur Einordnung: Bei Veganern verbesserten Supplemente die gemessenen B12-Marker deutlich (Quelle 5), und bei Schwangeren mit Mangel senkte B12 das Risiko für einen weiteren Mangel, wobei die Evidenz sehr unsicher ist (Quelle 7). Für Menschen mit ausgewogener Mischkost mit tierischen Lebensmitteln zeigen die gelesenen Arbeiten keinen zusätzlichen Nutzen.
Hinweis zu Partnerlinks: Die Produktnamen in diesem Artikel sind Partnerlinks (Sponsor-Links). Wenn Du über einen solchen Link kaufst, erhält die SNF Academy eine Vergütung, für Dich ändert sich nichts. Alle Empfehlungen und ihre Einordnung findest Du gebündelt auf der Seite Amway und Nutrilite Erfahrungen der SNF Academy.
Was heisst das für Ernährungscoaches?
Die SNF Academy bildet seit 2005 Ernährungscoaches aus (QualiCert geprüft). In der Beratung ist Vitamin B12 ein klassisches Beispiel dafür, dass eine einzelne Zahl nie für alle gilt. Frage nach Ernährungsform, Alter, Schwangerschaft oder Stillzeit, Magen-Darm-Beschwerden und Medikamenten, und erkläre, was ein Referenzwert ist und was nicht. Zeige Veganerinnen und Veganern, wie wenig B12 ohne Supplemente und angereicherte Lebensmittel zusammenkommt, ohne Druck zu machen. Verweise bei Verdacht auf einen Mangel an die Ärztin oder den Arzt, die den Status über Blutwerte klären. Wie Du Studien lesen und solche Fragen sachlich beantwortest, lernst Du in der Ausbildung zum Ernährungscoach.
Für Amway-Geschäftspartner: Zweites Standbein und professionelle Begleitung
Du bist Amway-Geschäftspartnerin oder Geschäftspartner? Dann beantwortest Du mit fundiertem Wissen die Frage «Was nimmst Du, und warum?» sicher. Du begleitest Klientinnen, Klienten und Sponsorpartner professionell, lebst es vor und inspirierst. Der Weg zur Selbstständigkeit als Ernährungscoach zeigt Dir, wie Du daraus ein zweites Standbein mit eigener Ernährungsberatung aufbaust.
Das Team der SNF Academy (Birol Isik und Daniela Isik) nimmt diese Supplements seit über 10 Jahren regelmässig und ist sehr begeistert. Eine Empfehlung der SNF Academy, die die Ausbildungen Ernährungscoach und Personal Trainer aufgebaut hat.
So ist dieser Artikel entstanden
Für diesen Artikel haben wir am 31. Oktober 2026 in der Datenbank PubMed nach Meta-Analysen und systematischen Übersichtsarbeiten gesucht (Suchbegriffe im Titel: «vitamin B12, dietary reference values, intake, requirement»). Aus den Treffern haben wir 13 Arbeiten ausgewählt, die Fragen zur Gesundheit beim Menschen beantworten, und ihre Zusammenfassungen vollständig gelesen. Jede Zahl im Text stammt aus diesen Zusammenfassungen. Die Volltexte der Arbeiten haben wir nicht ausgewertet. Einzelheiten, die nur dort stehen, können deshalb vom hier Beschriebenen abweichen. Die Studien untersuchen Wirkstoffe, nicht die genannten Produkte. Falls Dir ein Fehler auffällt oder Du eine neuere Studie kennst, melde Dich gern über unsere Kontaktseite. Wir prüfen den Hinweis und passen den Artikel an.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.










