NAD+ ist eines der grossen Schlagworte der Longevity-Szene. Prominente Biohacker schwören auf NAD-Infusionen, und Supplemente mit NMN oder Nicotinamid-Ribosid versprechen mehr Energie und eine verlangsamte Alterung. Doch was ist NAD+ überhaupt, warum sinkt es mit dem Alter, und was können Supplemente tatsächlich leisten?
In diesem Beitrag erfährst du, welche Rolle NAD+ im Stoffwechsel spielt, wie Ernährung, Bewegung und Schlaf den NAD-Spiegel beeinflussen, was die Studien zu NMN und NR zeigen und worauf du bei Produkten und Infusionen achten solltest.

Dieser Beitrag gehört zum Themenschwerpunkt Longevity und ergänzt B-Vitamine im Sport und Welche Supplements sind sinnvoll?.
Was ist NAD+?
NAD+ ist ein Coenzym, das aus Vitamin B3 (Niacin) aufgebaut wird. Es dient in der Zelle als Elektronenträger: Ohne NAD+ könnten die Mitochondrien aus Nahrung keine Energie in Form von ATP gewinnen. Zusätzlich wird NAD+ von Enzymen verbraucht, die DNA-Schäden reparieren (PARPs) und Stoffwechsel sowie Entzündungen regulieren (Sirtuine). Weil diese Prozesse NAD+ verbrauchen, muss der Körper es ständig nachbilden.
Warum sinkt NAD+ mit dem Alter?
Studien an Tieren und Menschen zeigen, dass der NAD-Spiegel in verschiedenen Geweben mit dem Alter abnimmt. Gründe sind ein höherer Verbrauch durch Entzündungen und DNA-Reparatur sowie eine geringere Neubildung. In Tiermodellen verbesserte eine Anhebung des NAD-Spiegels Mitochondrienfunktion, Insulinsensitivität und körperliche Leistungsfähigkeit (Rajman et al., 2018). Daraus entstand die Hoffnung, NAD-Vorstufen könnten auch beim Menschen altersbedingte Prozesse bremsen.
NMN und NR: Was zeigen die Humanstudien?
Die bekanntesten Vorstufen sind Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) und Nicotinamid-Ribosid (NR). Beide erhöhen den NAD-Spiegel im Blut zuverlässig und gelten in den untersuchten Dosen als gut verträglich (Martens et al., 2018). Bei den klinischen Effekten ist die Datenlage jedoch durchwachsen:
- Bei übergewichtigen Frauen mit Prädiabetes verbesserte NMN über zehn Wochen die Insulinsensitivität im Muskel (Yoshino et al., 2021).
- In anderen Studien zeigten NR oder NMN keine relevanten Effekte auf Blutzucker, Muskelkraft oder Leistungsfähigkeit.
- Daten zu harten Endpunkten wie Krankheitsrisiko oder Lebenserwartung fehlen vollständig.
Zusammengefasst: NAD-Vorstufen wirken auf den NAD-Spiegel, ihr Nutzen für die Gesundheit des Menschen ist aber noch offen.
NAD-Infusionen: Trend mit Fragezeichen
In Longevity-Kliniken und Wellness-Zentren werden NAD-Infusionen angeboten, oft für mehrere hundert Franken pro Sitzung. Kontrollierte Studien, die einen langfristigen Nutzen solcher Infusionen belegen, gibt es bisher nicht. Häufige Nebenwirkungen während der Infusion sind Übelkeit, Druckgefühl und Unwohlsein. Wer eine Infusion in Betracht zieht, sollte das ärztlich besprechen.
NAD+ natürlich unterstützen
Bewegung
Ausdauer- und Krafttraining erhöhen die Bildung von NAD+ im Muskel.
Niacinreiche Lebensmittel
Geflügel, Fisch, Erdnüsse, Vollkorn und Hülsenfrüchte liefern Vitamin B3.
Tryptophan
Aus der Aminosäure Tryptophan kann der Körper ebenfalls NAD+ herstellen.
Schlaf und Rhythmus
Die NAD-Bildung folgt der inneren Uhr, regelmässiger Schlaf unterstützt sie.
Massvoll essen
Überernährung und chronische Entzündungen erhöhen den NAD-Verbrauch.
Wenig Alkohol
Der Abbau von Alkohol in der Leber verbraucht viel NAD+.
Worauf beim Kauf achten?
- Rechtlicher Status: In der EU ist NMN bisher nicht als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) zugelassen, Nicotinamid-Ribosid dagegen in bestimmten Dosierungen. Auch in der Schweiz gelten für Nahrungsergänzungsmittel strenge Vorgaben, kläre die Zulassung eines Produkts deshalb vor dem Kauf ab.
- Qualität: Analysen haben in manchen Produkten deutlich weniger Wirkstoff als deklariert gefunden.
- Dosierung: Studien verwendeten meist 250 bis 1000 Milligramm pro Tag.
- Erwartungen: Kein Supplement ersetzt Training, Schlaf und Ernährung.
Wie du Nahrungsergänzungen kritisch beurteilst, liest du im Beitrag Zutatenlisten von Supplements lesen.
NAD+ und Bewegung
Einer der wirksamsten Wege, den NAD-Stoffwechsel zu unterstützen, ist regelmässige Bewegung. Ausdauer- und Krafttraining erhöhen die Aktivität des Enzyms NAMPT, das NAD+ aus Nicotinamid recycelt, und fördern die Bildung neuer Mitochondrien. Bei älteren, trainierten Menschen fanden Forschende im Muskel höhere NAD-Werte als bei Gleichaltrigen ohne Training. Bewegung ist damit eine natürliche Strategie, die gleichzeitig Herz, Muskeln, Stoffwechsel und Psyche stärkt, was kein Supplement leisten kann.
NAD+ und Ernährung: Niacin, Tryptophan, Protein
Der Körper bildet NAD+ aus verschiedenen Vorstufen der Nahrung: Niacin (Vitamin B3) aus Fleisch, Fisch, Erdnüssen, Vollkorn und Pilzen, der Aminosäure Tryptophan aus proteinreichen Lebensmitteln wie Milchprodukten, Eiern, Hülsenfrüchten und Hafer sowie in kleinen Mengen NMN und NR aus Gemüse wie Brokkoli, Edamame oder Avocado. Eine ausgewogene Ernährung mit genug Protein deckt den Bedarf an Niacin in der Regel gut. Alkohol und chronische Entzündungen erhöhen dagegen den NAD-Verbrauch.
Für wen sind NAD+-Supplemente (nicht) geeignet?
- Nicht geeignet sind sie für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche, da Sicherheitsdaten fehlen.
- Vorsicht ist bei Krebserkrankungen geboten, da Tumorzellen ebenfalls auf NAD+ angewiesen sind. Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt ist Pflicht.
- Hohe Niacin-Dosen können Hautrötungen (Flush) und bei Daueranwendung Leberprobleme verursachen.
- Gesunde Erwachsene sollten Supplemente als Experiment mit offenem Ausgang verstehen und zuerst Bewegung, Schlaf und Ernährung optimieren.
In der Beratung zeigt sich immer wieder: Wer nach NAD+ fragt, möchte eigentlich mehr Energie und Leistungsfähigkeit. Genau hier setzen Training, Ernährung und Schlaf an.
NAD+ und Schlaf
Der NAD-Stoffwechsel folgt einem Tagesrhythmus, der eng mit der inneren Uhr verknüpft ist. Die Bildung von NAD+ schwankt über den Tag, und umgekehrt beeinflusst NAD+ über die Sirtuine die Gene der inneren Uhr. Unregelmässiger Schlaf, Nachtarbeit und spätes Essen können dieses Zusammenspiel stören. Ein stabiler Schlaf-Wach-Rhythmus mit Tageslicht am Morgen und Dunkelheit am Abend ist deshalb eine einfache Massnahme, die den NAD-Haushalt indirekt unterstützt.
NAD+ im Vergleich: Was wirkt am stärksten?
Vergleicht man die Massnahmen, ergibt sich ein klares Bild: Bewegung, ausreichender Schlaf und wenig Alkohol verbessern nachweislich zahlreiche Gesundheitsmarker und unterstützen nebenbei den NAD-Stoffwechsel. NAD-Vorstufen erhöhen zwar den NAD-Spiegel im Blut, ein Nutzen für harte Endpunkte wie Krankheiten oder Lebenserwartung ist aber nicht belegt.
Praxisbeispiel: Energie statt Infusion
Sabine, 48, fühlt sich oft müde und überlegt, eine teure Infusionskur zu buchen. Im Gespräch mit ihrem Coach zeigt sich: Sie schläft nur sechs Stunden, bewegt sich kaum und trinkt abends regelmässig Wein. Statt der Infusion vereinbaren sie drei Veränderungen: feste Schlafenszeiten, drei Spaziergänge und zwei Krafttrainings pro Woche sowie alkoholfreie Abende unter der Woche. Nach sechs Wochen berichtet Sabine von deutlich mehr Energie am Tag. Das Beispiel zeigt, dass hinter dem Wunsch nach einem Wundermittel oft einfache Lebensstilfaktoren stehen.
Longevity: Ernährung und Fitness als Fundament
Für die Langlebigkeit spielt die Ernährung eine grosse Rolle. Wer die Ernährungscoach Ausbildung absolviert, schafft ein stabiles Fundament für sich und seine Karriere und kann fundierte Longevity-Tipps geben, auch zur kritischen Einordnung von Trends wie NAD+. Im E-Learning-System gibt es Tools, die direkt in Beratungen eingesetzt werden können. Die zweite Grundlage ist Fitness: Die Personal Trainer Ausbildung schafft ein Fundament für dich, deine Klientinnen und Klienten und deine Zukunft. Ein weiterer Baustein ist die Persönlichkeitsentwicklung, aktuelle Angebote unter birolisik.ch.
Fazit
NAD+ ist ein zentrales Molekül des Energiestoffwechsels und spielt eine wichtige Rolle beim Altern. NMN und NR erhöhen den NAD-Spiegel, ein klarer gesundheitlicher Nutzen beim Menschen ist aber noch nicht belegt. Die sicherste Strategie bleibt der Lebensstil: regelmässige Bewegung, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung mit genug Niacin und Protein sowie wenig Alkohol.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung.

















