Immer mehr Ausdauersportler lassen sich testen und bringen Berichte mit Kurven, Zahlen und Zonen zum Coach. Wer sie nicht lesen kann, verliert Vertrauen. Wer sie versteht, plant genauer und kann Fortschritt zeigen. Dieser Beitrag erklärt die Grundlagen der Leistungsdiagnostik aus Sicht von Coaches und zeigt, welche Kompetenz du dafür aufbaust.
Diese Kompetenz gehört zur Personal-Trainer-Ausbildung der SNF Academy. Wenn du überlegst, ob sich der Schritt vom Hobby zum Coach für dich lohnt, helfen dir die folgenden Abschnitte bei der Entscheidung.
Was ist Leistungsdiagnostik?
Leistungsdiagnostik beschreibt Verfahren, mit denen sich körperliche Leistungsfähigkeit messen und einordnen lässt. In der Ausdauer sind das meist Stufentests: Die Belastung steigt schrittweise, und dabei werden Laktat im Blut, Atemgase, Herzfrequenz und Leistung erfasst. Aus den Kurven ergeben sich Schwellen und Zonen, an denen sich Trainingsbereiche orientieren.
- Maximale Leistung: Wie viel Watt oder welches Tempo wird am Ende erreicht?
- Maximale Sauerstoffaufnahme: Wie viel Sauerstoff nutzt der Körper maximal?
- Schwellen: Wo kippt die Belastung vom lockeren in den fordernden Bereich?
- Herzfrequenz: Wie verhält sich der Puls bei welcher Belastung?
Das Ergebnis ist ein Momentbild. Es hilft bei der Planung und bei der Kontrolle von Fortschritt, aber es ist kein Urteil über Gesundheit.
Wie beeinflusst das Testprotokoll das Ergebnis?
Ein Überblick über die Gestaltung von Stufentests hält fest, dass Startleistung, Stufenlänge und Steigerung die Ergebnisse verändern. Bei längeren Stufen ist die erreichte Spitzenleistung niedriger. Bei kürzeren Stufen liegen Laktat- oder Ventilationsschwelle bei höherer absoluter Leistung (Bentley et al. 2007).
Das hat Folgen. Werte aus verschiedenen Protokollen lassen sich nicht ohne Weiteres vergleichen. Wer zwei Tests im Abstand von Monaten vergleicht, sollte dasselbe Protokoll nutzen, dasselbe Gerät und dieselben Auswertungsregeln. Sonst entsteht ein Unterschied, der nichts mit Fitness zu tun hat.
Für Coaches ist das eine Kernkompetenz: Nicht nur Zahlen ablesen, sondern fragen, wie sie entstanden sind. Welches Protokoll, welche Stufenlänge, welche Auswertungsmethode, welche Tagesform?
Wie zuverlässig sind Laktat- und Atemschwellen?
Eine Studie mit 14 gut trainierten Radfahrern führte zwei Stufentests durch. Die Laktatschwelle stimmte mit der ersten Ventilationsschwelle überein, die Laktatschwelle plus 2 mmol/l mit der zweiten. Laktatschwellen waren reproduzierbar (Variationskoeffizient 3,4 bis 3,7 Prozent), mit Ausnahme der D-max-Methode. Ventilationsschwellen waren meist noch stabiler. Die Autoren sehen Laktattests als gültige und verlässliche Alternative zu Atemschwellen (Pallarés et al. 2016).
Das ist eine kleine Studie mit gut trainierten Männern auf dem Rad. Sie zeigt aber, dass die Methoden zueinander passen können und dass nicht jedes Verfahren gleich stabil ist. Die Auswertungsmethode zählt.
Taugen feste Prozentwerte für die Zonen?
Viele Pläne nutzen einen festen Anteil der maximalen Herzfrequenz oder der maximalen Sauerstoffaufnahme. Eine kritische Übersicht kommt zum Schluss, dass die Intensität nach festen Prozenten dieser Maximalwerte wenig Aussagekraft hat, weil sie nicht zuverlässig bestimmte Belastungsbereiche trifft. Für die erste Schwelle gibt es dagegen einige Belege für Gültigkeit, etwa bei der Laktat- oder Gasaustauschschwelle (Jamnick et al. 2020).
Das heisst nicht, dass Prozentwerte nutzlos sind. Sie sind ein erster Anhaltspunkt, wenn kein Test vorliegt. Sobald Schwellenwerte vorliegen, sind sie die bessere Basis für individuelle Zonen. Die Autoren betonen zudem, dass Trainingsstudien nötig sind, um zu zeigen, welche Methode zu besseren Anpassungen führt.
Kann die Herzfrequenzvariabilität Schwellen anzeigen?
Eine Meta-Analyse von 50 Studien mit 1160 Personen verglich Schwellen aus der Herzfrequenzvariabilität mit Laktat- und Atemschwellen. Die Unterschiede waren gering, die Zusammenhänge sehr stark (r = 0,85 für beide Schwellen). Die Autoren sehen die Methode als vielversprechenden, zugänglichen und günstigen Ersatz (Tanner et al. 2024).
Für Coaches ist das spannend, weil Uhren und Brustgurte HRV messen. Sie sollten die Werte aber als Schätzung verstehen und nicht als Ersatz für einen Labortest. Hintergründe zur HRV findest du im Beitrag Herzfrequenzvariabilität.
Wie liest ein Coach einen Testbericht?
- Protokoll prüfen: Stufenlänge, Steigerung, Startleistung und Gerät.
- Schwellenmethode erkennen: Welches Verfahren wurde für die Werte genutzt?
- Zonen ableiten: Locker, mittel, hart in Puls, Tempo oder Leistung.
- Verlauf vergleichen: Nur Tests mit gleichem Protokoll.
- Mit der Person sprechen: Wie fühlte sich der Test an, und wie war die Tagesform?
Ein Bericht ist ein Gesprächsstoff, kein Befehl. Gute Coaches erklären die Zahlen einfach und verknüpfen sie mit dem Alltag. Wie sich die Ausdauerleistung insgesamt beschreiben lässt, zeigt der Beitrag zur VO2max.
Wann ist ein Test sinnvoll und wann nicht?
Für Gesundheitssport genügen oft einfache Hinweise wie Sprechtest und Anstrengungsempfinden. Ein Test lohnt sich, wenn du ein Wettkampfziel hast, Zonen genau festlegen willst oder Fortschritt nachweisen möchtest. Er lohnt sich auch, wenn Training stagniert und du wissen willst, woran es liegt.
Ein Belastungstest ist keine medizinische Untersuchung. Bei Herzproblemen, Bluthochdruck, Atemwegserkrankungen oder Beschwerden gehört die Abklärung vorher zur Ärztin oder zum Arzt. Ein Coach darf Tests anleiten, aber keine Diagnosen stellen.
Das lernst du in der Ausbildung zum Personal Trainer und Ernährungscoach
Teilnehmende der Ausbildungen zum Dipl. Personal Trainer SNFA und zum Dipl. Ernährungscoach SNFA erfahren dazu mehr. Für Diagnostik und Ausdauer lernst du unter anderem:
- Fitness: Wie Ausdauer, Intensitätsbereiche und Belastung zusammenhängen.
- Trainingsplan: Wie du Testwerte in Zonen und Wochenpläne übersetzt.
- Regeneration: Wie Erholung und Fortschritt zusammenspielen.
- Krafttraining und Muskelaufbau sowie korrekte Übungsausführung: Wie Kraft und Technik die Ausdauerleistung stützen.
- Ernährung und Nahrungsergänzung: Energie und Erholung rund um intensive Tests und Einheiten, ohne Dosierungen aus eigener Hand.
Die Personal-Trainer-Ausbildung der SNF Academy umfasst zwölf Module. Die Personal-Trainer-Ausbildung ist durch QualiCert geprüft und anerkannt. Absolventinnen und Absolventen verfügen über vertieftes Wissen und können Kunden im Fitnessstudio, im Outdoor-Training oder in Sportvereinen professionell beraten und betreuen. Wir empfehlen unseren Teilnehmenden, erste praktische Erfahrungen im Fitnessstudio zu sammeln und sich laufend weiterzuentwickeln. Nach der Ausbildung kannst du dich durch QualiCert zertifizieren lassen. Bei Fragen nimm unverbindlich Kontakt mit unseren Expertinnen und Experten auf. Das Diplom ist auf NQR Level 4 eingestuft. Du lernst 100 Prozent online mit 365 Tagen Zugang. Die Ernährungscoach-Ausbildung ergänzt die Seite der Ernährung, und im Fitness Kombi Paket erhältst du beide Diplome.
Ist die Ausbildung die richtige Entscheidung für dich?
Wenn du Berichte verstehen, Zonen ableiten und Menschen langfristig begleiten möchtest, ist die Ausbildung ein klarer nächster Schritt. Du brauchst keine Laborerfahrung, sondern Interesse an Training, Zahlen und Menschen.
Drei Fragen helfen bei der Entscheidung: Möchtest du dein Wissen systematisch aufbauen, statt Wissen aus verschiedenen Quellen zusammenzusuchen? Möchtest du mit einem anerkannten Abschluss Kundschaft gewinnen? Möchtest du nebenberuflich starten und wachsen? Wer dreimal ja sagt, sollte das Strategiegespräch buchen.
Wie du ein Angebot baust, lernst du in der Personal-Trainer-Ausbildung mit Business Masterclass. Birol Isik leitet sie, individuelles Coaching mit ihm ist auf Wunsch möglich, auch bei Zertifizierungsfragen. Für Videos hilft die YouTube Masterclass von Daniela Isik.
Evidenz und Grenzen
Die Studie an 14 Radfahrern ist klein und betrifft gut trainierte Männer. Die Übersicht zum Testprotokoll stammt von 2007, die kritische Übersicht zur Intensität von 2020 und betont offene Fragen. Die Meta-Analyse zur HRV fasst Studien mit unterschiedlichen Methoden zusammen.
Testwerte sind Momentaufnahmen. Wir geben keine Heilversprechen. Die meisten Studien stammen nicht aus der Schweiz. Coaching ist keine Diagnose, Therapie oder medizinische Beratung. Bei Beschwerden, Herzproblemen oder Vorerkrankungen gehört die Abklärung zur Ärztin oder zum Arzt, besonders vor Belastungstests.
Dein nächster Schritt
Buche das Strategiegespräch zur Ausbildung und besprich, ob die Personal-Trainer-Ausbildung zu dir passt. Wir klären Ziel, Zeitbudget und Ablauf mit dir. Bei onspire.ch beraten und unterstützen wir dich zu Branding und Equipment. Mehr zum Gründer Birol Isik findest du auf birolisik.ch, Daniela Isik als Dozentin auf danielalovric.ch. Die Ausbildungen laufen auf dem SNFA Campus.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zum Programm findest du auf der verlinkten Seite.











