Soft Skills gelten als «nett zu haben». In Gesprächen mit angehenden Coaches, Trainerinnen und Quereinsteigern hören wir bei der SNF Academy jedoch immer wieder dasselbe: Der grösste Unterschied zwischen einem guten und einem durchschnittlichen Auftritt liegt selten im Fachwissen, sondern darin, wie jemand zuhört, erklärt und Vereinbarungen einhält. Genau das macht Soft Skills zur unterschätzten Qualifikation.
Trotzdem bleiben Zweifel. Lässt sich so etwas überhaupt lernen? Sieht man den Nutzen in der Praxis? Und lohnt sich der Aufwand, wenn du eigentlich Ernährung oder Training vermitteln willst? Dieser Beitrag geht diesen Fragen nacheinander nach und stützt sich auf Erfahrungen aus der Ausbildungspraxis der SNF Academy, die seit 2005 in Fitness, Ernährung und Coaching ausbildet. Gründer ist Birol Isik, Daniela Isik ist Co-Leiterin und Dozentin. Die Abschlüsse tragen den Titel «dipl. … SNFA».
Was sind Soft Skills und warum werden sie unterschätzt?
Soft Skills sind persönliche und soziale Fähigkeiten, die unabhängig vom Fachgebiet wirken: Kommunikation, Einfühlungsvermögen, Selbstorganisation, Konfliktfähigkeit, Teamarbeit und Verlässlichkeit. Hard Skills dagegen sind messbare Fachkenntnisse, etwa Trainingslehre, Ernährungswissen oder ein Zertifikat.
Unterschätzt werden Soft Skills aus einem einfachen Grund: Sie sind schwer auf einem Zeugnis abzubilden. Ein Diplom zeigt, was du weisst. Es zeigt nicht, ob du in einem schwierigen Gespräch ruhig bleibst. Dabei erwähnen internationale Arbeitgeberbefragungen wie die des Weltwirtschaftsforums Fähigkeiten wie analytisches Denken, Lernbereitschaft und soziale Einflussnahme regelmässig als besonders gefragt (Quelle 1). Auch die OECD beschreibt soziale und emotionale Kompetenzen als wichtigen Teil lebenslangen Lernens (Quelle 2).
| Bereich | Hard Skills | Soft Skills |
|---|---|---|
| Erwerb | Kurse, Lehrmittel, Prüfungen | Übung, Rückmeldung, Erfahrung |
| Nachweis | Diplom, Zertifikat | Referenzen, Kundenverhalten, Weiterempfehlung |
| Wirkung im Coaching | Fachlich richtige Empfehlung | Empfehlung wird verstanden und umgesetzt |
| Veralterung | Wissen muss aktualisiert werden | Bleibt nutzbar und lässt sich vertiefen |
Beide Seiten gehören zusammen. Das beste Ernährungskonzept hilft wenig, wenn die Klientin es nicht versteht oder sich nicht verstanden fühlt.
Welche Zweifel hören wir am häufigsten?
Aus der Praxis der Ausbildung und der Beratungsgespräche lassen sich fünf Zweifel herausfiltern, die immer wieder auftauchen.
- «Das ist doch Charaktersache.» Teilweise ja, aber Gesprächsführung, aktives Zuhören und klare Absprachen sind erlernbare Techniken.
- «Ich habe keine Zeit dafür.» Soft Skills trainierst du im Alltag mit, zum Beispiel in jedem Gespräch mit Kundschaft, Kollegen oder Familie.
- «Mir fehlt der Nachweis.» Ein Nachweis entsteht über Ergebnisse: zufriedene Kundschaft, Weiterempfehlungen, wiederkehrende Buchungen.
- «Ich bin eher zurückhaltend.» Ruhige Menschen sind oft gute Zuhörer, und genau das braucht ein Coaching.
- «Das bringt mir keine Aufträge.» Das Gegenteil ist häufiger: Wer Vertrauen aufbaut, wird empfohlen.
Keiner dieser Zweifel ist unberechtigt. Sie sind aber lösbar, wenn du Soft Skills als Handwerk betrachtest, das du gezielt übst.
Du willst Training fachlich fundiert planen und Menschen professionell begleiten?
Lassen sich Soft Skills wirklich lernen?
Die Forschung zur Persönlichkeit zeigt, dass Verhalten sich im Erwachsenenalter durch gezieltes Training verändern kann. Wichtig sind drei Zutaten: ein konkretes Verhalten als Ziel, regelmässige Wiederholung und ehrliche Rückmeldung.
Beispiel: Aktives Zuhören
Statt gleich Ratschläge zu geben, fasst du zuerst in eigenen Worten zusammen, was die Person gesagt hat, und fragst nach: «Habe ich dich richtig verstanden, dass dich vor allem die Abende belasten?» Das dauert zehn Sekunden und verändert die Qualität des Gesprächs spürbar.
Beispiel: Verlässlichkeit
Du sagst nur zu, was du halten kannst, und meldest dich rechtzeitig, wenn sich etwas verschiebt. Verlässlichkeit ist kein Talent, sondern eine Gewohnheit, die du mit einem einfachen Kalender und klaren Absprachen aufbaust.
Beispiel: Klarheit
Du erklärst jeden Schritt in einem Satz, bevor du Details nennst. Kundschaft muss nicht alles wissen, aber verstehen, was als Nächstes passiert und warum.
Diese Fähigkeiten üben wir in der Ausbildung der SNF Academy bewusst mit: durch Fallbeispiele, Gesprächsvorlagen und Aufgaben, die du mit echten Menschen ausprobierst.
Wie sehen echte Beispiele aus dem Berufsalltag aus?
Soft Skills zeigen sich in kleinen Momenten. Drei typische Szenen aus dem Alltag von Coaches:
- Das erste Gespräch: Eine Interessentin ist unsicher, ob Ernährungscoaching zu ihr passt. Wer zuerst nach ihrem Alltag fragt, statt ein Programm zu erklären, gewinnt Vertrauen.
- Der Rückschlag: Ein Klient hat zwei Wochen nicht umgesetzt, was besprochen war. Ein verständnisvoller, lösungsorientierter Ton hält ihn im Programm, Vorwürfe nicht.
- Die Empfehlung: Nach einigen Monaten fragt eine zufriedene Klientin, ob sie dich weiterempfehlen darf. Das ist das Ergebnis vieler kleiner Gespräche, nicht einer Marketingmassnahme.
Wer selbstständig arbeitet, spürt diesen Effekt besonders stark: Ohne Arbeitgeber, der Kundschaft zuweist, entscheidet das Gesamterlebnis über Folgeaufträge und Empfehlungen. Deshalb sind Soft Skills ein zentraler Baustein jeder Selbstständigkeit im Coaching.
Lohnt sich der Aufwand im Vergleich zu anderen Wegen?
Wer Soft Skills verbessern will, hat mehrere Möglichkeiten. Die Tabelle ordnet sie nach Aufwand und Wirkung im Coaching-Alltag.
| Weg | Aufwand | Wirkung im Coaching |
|---|---|---|
| Selbststudium mit Büchern | Gering bis mittel | Gutes Grundverständnis, wenig Übung |
| Einzelne Kommunikationskurse | Mittel | Gezielt für ein Thema, ohne Bezug zum Beruf |
| Fachausbildung mit Praxisanteil | Mittel bis hoch | Soft Skills im Zusammenhang mit echten Fällen |
| Begleitung und Coaching | Mittel | Individuelle Rückmeldung und schnelle Fortschritte |
Die Fachausbildung hat einen Vorteil: Du lernst Soft Skills nicht abstrakt, sondern in der Situation, in der du sie brauchst. Bei der SNF Academy verbinden wir Fachwissen mit Gesprächsführung und Beratung. Wer danach selbstständig arbeiten möchte, kann mit der Business Masterclass und dem Coaching mit Birol Isik an Angebot, Kundengewinnung und Auftritt weiterarbeiten.
Wie baust du Soft Skills in sechs Wochen gezielt auf?
Ein kleiner Plan reicht, um spürbar voranzukommen. Er ist bewusst alltagstauglich gehalten.
- Woche 1: Beobachte dein Zuhören. Notiere abends zwei Gespräche und wie viel du selbst geredet hast.
- Woche 2: Übe Zusammenfassen. Wiederhole in drei Gesprächen mit eigenen Worten, was dein Gegenüber gesagt hat.
- Woche 3: Übe offene Fragen. Ersetze Ja/Nein-Fragen durch «Wie», «Was» und «Woran».
- Woche 4: Übe klare Absprachen. Schliesse jedes Gespräch mit einem konkreten nächsten Schritt.
- Woche 5: Hole Rückmeldung. Frage eine vertraute Person, was dir im Gespräch gut gelingt und was du ändern könntest.
- Woche 6: Ziehe Bilanz. Was ist leichter geworden? Welche Fähigkeit willst du als Nächstes vertiefen?
Wichtig ist, nicht alles zugleich zu verändern. Eine Fähigkeit pro Woche genügt.
Wer den Plan mit einer vertrauten Person gemeinsam durchläuft, kommt meist schneller voran. Ihr könnt euch gegenseitig Rückmeldung geben, kleine Rollenspiele machen und nach jeder Woche kurz besprechen, was funktioniert hat. Dieses gemeinsame Üben senkt die Hemmschwelle und macht sichtbar, wie viel sich in kurzer Zeit verändern lässt. Danach fällt es dir leichter, dieselben Techniken im Gespräch mit echter Kundschaft einzusetzen.
Welche Missverständnisse halten viele zurück?
Neben den Zweifeln gibt es einige hartnäckige Annahmen, die den Einstieg unnötig bremsen. Sie lohnen einen genaueren Blick.
Missverständnis 1: Soft Skills bedeuten, immer freundlich zu sein
Freundlichkeit ist ein Teil, aber nicht der Kern. Zu guter Kommunikation gehört ebenso, klar zu sein, Grenzen zu setzen und Unangenehmes verständlich anzusprechen. Ein Coach, der nie widerspricht, hilft seiner Kundschaft selten weiter. Wer dagegen ruhig erklärt, warum ein Plan angepasst werden sollte, schafft Vertrauen und Orientierung.
Missverständnis 2: Soft Skills sind nur für Menschen mit viel Kundenkontakt
Auch wer vor allem Konzepte schreibt, Online-Kurse erstellt oder im Hintergrund arbeitet, braucht sie. Im digitalen Kontakt zeigen sie sich in verständlichen E-Mails, in klaren Kursunterlagen und in verlässlichen Antwortzeiten. Wer Online-Inhalte aufbaut, merkt schnell, dass Verständlichkeit über Abschlussquoten entscheidet.
Missverständnis 3: Man müsse sich dafür verstellen
Das Gegenteil trifft zu. Soft Skills wirken am stärksten, wenn sie zu deiner Persönlichkeit passen. Eine ruhige Person wählt andere Mittel als ein energiegeladener Typ. Ziel ist nicht, jemand anderes zu werden, sondern deine Stärken so einzusetzen, dass Menschen dich verstehen und dir vertrauen.
Missverständnis 4: Erst die Fachausbildung, Soft Skills später
In der Praxis lassen sich beide kaum trennen. Schon im ersten Kundengespräch brauchst du Fachwissen und Gesprächsführung gleichzeitig. Deshalb üben wir sie in der Ausbildung gemeinsam, anhand von Fallbeispielen aus dem Alltag in Fitnessstudio, Fitnesscenter und Coaching.
Woran erkennst du, dass deine Soft Skills wirken?
Anders als bei einer Prüfung gibt es keine Note. Es gibt aber Signale, die du im Alltag beobachten kannst.
- Menschen erzählen dir mehr als anfangs geplant, weil sie sich verstanden fühlen.
- Vereinbarungen werden eingehalten, weil sie klar und realistisch formuliert waren.
- Rückfragen werden seltener, weil deine Erklärungen beim ersten Mal ankommen.
- Kundschaft bleibt länger und empfiehlt dich ohne Aufforderung weiter.
- Schwierige Gespräche enden mit einer Lösung statt mit Schweigen.
Führe dazu ein kurzes Lernjournal. Ein Satz pro Tag genügt: Was habe ich heute im Gespräch gut gemacht? Was möchte ich morgen anders machen? Nach einigen Wochen erkennst du Muster, die dir im Kopf nicht aufgefallen wären.
Nützlich ist auch ein Gespräch mit jemandem, der deine Arbeit erlebt hat. Eine Kollegin, ein Kunde oder ein Dozent kann in zehn Minuten Dinge benennen, die dir selbst entgehen. Genau diese Rückmeldung ist es, die Soft Skills von blossem Wissen unterscheidet: Sie entstehen im Kontakt mit anderen, nicht im Alleingang.
Wie passt das zur Arbeit in der Gesundheits- und Fitnessbranche?
Die Branche lebt von Beziehungen. Wer Menschen zu mehr Bewegung und besserer Ernährung begleitet, bittet sie, Gewohnheiten zu ändern. Das gelingt selten mit Faktenwissen allein. Es gelingt, wenn sich jemand ernst genommen fühlt und einen machbaren nächsten Schritt sieht.
Das gilt im Fitnessstudio genauso wie im Outdoor-Training, im Fitnesscenter oder in der Online-Beratung. Es gilt für angestellte Trainerinnen wie für Selbstständige, die ihr eigenes Angebot aufbauen. Wer beides verbindet, hat im Markt einen klaren Vorteil: Er oder sie wirkt kompetent und bleibt zugleich nahbar.
Darum ist die Frage selten, ob du Soft Skills brauchst, sondern wie früh du beginnst, sie gezielt zu üben. Je früher, desto mehr Gespräche, Erfahrungen und Rückmeldungen sammelst du in deiner ersten Zeit als Coach.
Wie geht es weiter, wenn du Coach werden möchtest?
Wenn du dich für den Beruf als Coach interessierst, ist der Weg klar umrissen: Fachwissen aufbauen, Soft Skills üben, erste Kundschaft betreuen und das Angebot schrittweise ausbauen. Die Ernährungscoach-Ausbildung der SNF Academy vermittelt dir das fachliche Fundament, und auf der Seite Selbstständig als Ernährungscoach findest du, wie der Weg in die eigene Praxis aussehen kann. Die Ausbildung läuft online auf der E-Learning-Plattform snfa-campus.ch, mit 365 Tagen Zugang und frei wählbarem Start.
Weitere Perspektiven zu Auftritt, Persönlichkeit und Business findest du bei Birol Isik auf birolisik.ch, zu Kommunikation und Dozentenarbeit bei Daniela Isik auf danielaisik.ch und zu Sichtbarkeit und Branding auf onspire.ch.
Wenn du wissen möchtest, welcher Weg zu dir passt: Der nächste Schritt: Lass dich im Strategiegespräch zur Ausbildung persönlich beraten. Dort klären wir, welcher Weg zu deinem Ziel passt und wie du startest.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Er ersetzt keine rechtliche, steuerliche oder ärztliche Beratung. Angaben zu unseren Ausbildungen findest du jeweils auf der verlinkten Seite.
Dein nächster Schritt: Diplom als Personal Trainer oder Test: Welche Fitness Ausbildung passt zu dir?. Direkt starten: Personal Trainer Ausbildung im Shop.
Redaktionell und fachlich geprüft von Daniela Isik (Co-Leiterin und Dozentin) und dem Team der SNF Academy. Die verwendeten Quellen stehen im Abschnitt Quellen.















